Titel: Unterirdische Telegraphenleitungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 221/Miszelle 4 (S. 483–484)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj221/mi221mi05_4

Unterirdische Telegraphenleitungen.

Der Versuch Deutschlands, die oberirdischen Telegaphenleitungen durch unterirdische zu ersetzen (vgl. 1876 220 93), scheint auch andere Telegraphenverwaltungen zu gleichen Unternehmungen zu locken. Nach der deutschen Post (1876 Nr. 24 S. 191) soll sich die belgische Verwaltung an die deutsche gewendet haben, damit letztere im nächsten Frühjahre ein Kabel von Berlin zur belgischen Grenze lege, bis wohin erstere ebenfalls ein Kabel zu legen gedenke. Auch in Großbritannien und Amerika scheint man die Anlage unterirdischer Leitungen ernster ins Auge zu fassen. In England besteht schon eine, erst nach Uebernahme der Telegraphen durch den Staat gelegte, unterirdische Leitung zwischen Liverpool und Manchester; dieselbe enthält 14 Leiter und hat eine Länge von etwa 58km; zwei Drittel davon liegen in Steinzeugröhren von 915mm Länge und 76mm Durchmesser, ein Drittel in 2m,75 langen gußeisernen Röhren von 76mm Durchmesser mit Sockeln für die Verbindungsstellen; letztere liegen 305, erstere 710mm tief; beide werden vor dem Legen im Innern sorgfältig gereinigt und von Unebenheiten befreit. (Journal of the Telegraph, Bd. 8 S. 194.) – Das |484| Kabel Halle-Berlin besitzt übrigens 7 Guttapercha-Adern mit je einer siebendrähtigen Kupferlitze als Leiter und mit einer Schutzhülle aus Eisendrähten. Für die Verbindungsstellen der einzelnen Kabellängen dagegen werden als Schutz eiserne Muffen verwendet. Zwischen Potsdam und Berlin sind 2, in Berlin selbst 3 Kabel in den nämlichen Graben eingelegt worden. Terrainrecognoscirungen für die Weiterführung des Kabels von Halle nach Frankfurt a. M. sollen bereits stattgefunden haben.

Nach den von C. Fleetwood am 9. December 1875 in der Society of Telegraph Engineers (Telegraphic Journal, Januar 1876 S. 26) über das unterirdische Telegraphennetz Londons gemachten Angaben beträgt die Länge der unterirdischen Röhren jetzt 177km und besteht aus 5 Strängen, welche von der Centralstation St. Martin's-le-Grand nach Hounslow, Clapham-Common, New-Croß, Maryland-Point, Stratford, Bayley's-Lane, Stamford-Hill, East-End, Finchley, Nordende des Primrose Hill Tunnels und Harrow-Road laufen. Im Ganzen sind 700 Drähte in das Centralstationsgebäude eingeführt und an dem Untersuchungsrahmen mit einer Nummer versehen. Dieser Rahmen vermag im Ganzen 1000 Drähte aufzunehmen; eine 100mm weite Röhre enthält 100, eine 75mm weite 72. Die Röhren sind 2m,74 lang und werden vor dem Verlegen innerlich gut gereinigt. Die Verbindungen werden wie bei Gas- oder Wasserleitungen hergestellt. Alle 45m, bisweilen alle 90m sind 770mm lange, 280mm weite und 305mm tiefe Kästen eingelegt. Wenn die Röhren gelegt sind, wird ein Eisendraht hindurchgezogen, mittels dessen die Kabel, welche in Längen von je 360m verwendet sind, eingezogen werden; beim Einziehen wird in den Kasten ein eiserner Rahmen mit zwei Holzrollen eingesetzt, zwischen denen das Kabel hindurch geht und gut geführt in die Röhre eintritt, ohne sich an deren Rändern zu reiben. Innerhalb der letzten 5 Jahre wurden fast alle unterirdischen Drähte Londons frisch gelegt.

E–e.

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