Titel: Steinkohlen für die deutsche Marine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 222/Miszelle 4 (S. 281–282)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj222/mi222mi03_4

Steinkohlen für die deutsche Marine.

Die Anforderungen, welche die kais. deutsche Admiralität an Steinkohlen für Marinezwecke macht, sind nach einem Schreiben der kais. Werft in Wilhelmshaven an das k. Oberbergamt in Dortmund folgende:

  • 1) Die Kohle muß schwer sein, damit es möglich ist, in den geringen Räumlichkeiten für Kohlen an Bord eine möglichst große Quantität Kohlen zu stauen. 1cbm etwa faustgroßer Kohlenstücke darf nicht unter 730k wiegen.
  • 2) Die Kohle darf nur geringe Mengen Schlacken und Asche bildender Verunreinigungen enthalten und zwar höchstens 8 Proc.
  • 3) Schwefelverbindungen dürfen in der Kohle nicht vorhanden sein.
  • 4) Die Cohäsion muß eine genügende sein.
  • 5) Beim Verbrennen dürfen die Kohlen nur wenig Rauch entwickeln.
  • 6) Die Verdampfungskraft muß eine möglichst große sein.
  • 7) Die Kohlen dürfen nicht zu sehr backen.

Aus diesen Anforderungen geht hervor, daß weder die sogen. Gaskohlen, noch die eigentlichen Backkohlen an Bord Verwendung finden können. Die Versuche wurden in folgender Weise ausgeführt:

  • 1) Durch dreimaliges Wägen von 0cbm,25 Stückkohlen der zu untersuchenden Sorte wird das relative Gewicht bestimmt.
  • 2) Die von einem mehrstündigen Brennversuch herrührenden Rückstände an Schlacken, Asche, Flugasche etc. werden gewogen und das Verhältniß zu dem gesammten verbrauchten Brennmaterial ermittelt.
  • 3) Für die Beurtheilung des Gehaltes an Schwefelverbindungen ist der Augenschein maßgebend.
  • 4) Zur Bestimmung der Cohäsion werden die Kohlen in Stücke zerschlagen, so daß das Gewicht der größten nicht über 0k,5 beträgt, und dann auf einem unter 40° geneigten Siebe mit 30mm langen und breiten Maschen gesiebt. Von diesen gesiebten Kohlen werden 50k in eine mit innern Vorsprüngen versehene schmiedeeiserne Trommel gebracht und wird alsdann letztere 40mal langsam herumgedreht. Darauf werden die Kohlen auf demselben Siebe gesiebt und zugesehen, wie viel Grus entstanden ist. Es müssen hierbei im Minimum 45 Proc. Stücke bleiben.
  • 5) Für die Bestimmung der Stärke des Rauches ist der Augenschein maßgebend.
  • 6) Für die Bestimmung der Verdampfungskraft der Kohlen ist ein Schiffskessel mit zwei Feuerungen an Land aufgestellt. Die Größe der Rostfläche beträgt 3qm,52, die der Heizfläche 100qm,706. Der sich entwickelnde Dampf entweicht, ohne ein Ventil zu passiren, direct in die Atmosphäre. Das Speisen des Kessels erfolgt von oberhalb desselben gelegenen Cisternen aus, deren Inhalt genau bekannt ist, und zwar wird stets Süßwasser zum Speisen benützt. Das verdampfte Wasser wird stets auf 0° reducirt. Mit 1k Kohlen müssen mindestens 7k,5 Wasser von 0° in Dampf von 1at absoluter Spannung sich verwandeln.
  • |282| 7) Das Backen darf nicht zu bedeutend sein, weil sonst ein oftmaliges Schüren, welches den Luftzug beeinträchtigt, erforderlich ist.

Auf Veranlassung des Vereins für die bergbaulichen Interessen im Oberbergamtsbezirk Dortmund sind kürzlich Probeversuche mit englischer und westphälischer Dampfkohle für den Dienst der Kriegsmarine angestellt worden, welche folgende Resultate ergaben:

Textabbildung Bd. 222, S. 282

Die Versuche sind in großem, praktischem Maßstabe mittels eines Schiffsdampfkessels und unter genau den gleichen Verhältnissen bei jeder Kohlensorte vorgenommen; sie sind daher im strengsten Sinne des Wortes als vergleichende zu betrachten.

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