Titel: Das Vernickeln durch Ansieden, angewendet auf polirte Eisen- und Stahlobjecte; von F. Stolba.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 222/Miszelle 6 (S. 396–397)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj222/mi222mi04_6

Das Vernickeln durch Ansieden, angewendet auf polirte Eisen- und Stahlobjecte; von F. Stolba.

Man bringt zu einer verdünnten (5 bis 10proc.) Auflösung von möglichst reinem Chlorzink so viel Nickelsulfat, daß dieselbe stark grün gefärbt wird, und erhitzt (am besten in einem Porzellangefäß) zum Kochen. Man trägt nun (unbekümmert um die sich einstellende Trübung durch Ausscheidung eines basischen Zinksalzes) die vollkommen fettfreien gereinigten Gegenstände derart ein, daß sich dieselben am besten gar nicht oder doch nur an wenigen Stellen berühren, und erhält, unter zeitweiligem Ersatz des verdampften Wassers durch destillirtes, 30 bis 60 Minuten lang im Kochen.

Während dieser Zeit schlägt sich das Nickel in Form einer glänzenden blanken Schicht nieder, und zwar überall dort, wo dem Objecte kein Oxyd oder Fett anhaftet. Man kann auch ohne Schaden stundenlange kochen, ohne aber eine wesentlich stärkere Nickelschichte erzielen zu können.

Erscheint der Gegenstand überall vernickelt, so spült man ihn mit Wasser ab, worin etwas Kreide suspendirt ist, und trocknet ihn hernach sorgfältig ab. Die Nickelschicht verträgt Putzen mit Kreide ganz wohl und empfiehlt sich überall dort, wo eine zwar sehr fest haftende aber dünne Nickelschichte dem Zwecke Genüge leistet. Das Ansehen der so vernickelten Gegenstände ist ein sehr gefälliges, namentlich bei polirten Objecten, wo die Schicht glänzend weiß mit einem Stich ins Gelbliche erscheint.

Bezüglich des zu verwendenden Chlorzinks wäre noch zu bemerken, daß es kein durch Eisen fällbares Metall enthalten soll. Man bereitet es dort, wo man es käuflich von guter Qualität nicht haben kann, am besten durch Auflösen von Zinkabfällen in möglichst reiner Salzsäure und Stehenlassen der Lösung mit überschüssigem Zink zum Behufe der Ausfällung der durch Zink fällbaren Metalle. Die Lösung wird nach 24stündiger Einwirkung abfiltrirt und ist zum Gebrauche fertig, wobei zu berücksichtigen ist, daß dieselbe für jeden Theil gelösten Zinkmetalles nahezu 2,1 Th. Chlorzink enthält.

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Auch das verwendete Nickelsulfat soll möglichst rein sein, und insbesondere darf die Auflösung, mit blankem Eisen zusammengebracht, in der Kälte kein dadurch fällbares Metall, wie z.B. Kupfer, absetzen. Man muß auch während der Ausführung der Operation, wenn in Folge der Bildung der Nickelschicht die Flüssigkeit schwach grün gefärbt erscheint, frisches Nickelsalz bis zum Eintritte einer intensiv grünen Färbung zusetzen.

Die zum Vernickeln verwendete Flüssigkeit scheidet beim Stehen an der Luft, zufolge des aufgenommenen Eisens, Eisenhydroxyd ab und kann hiervon durch Filtration befreit werden, um nach Zusatz von etwas Chlorzinklösung und Nickelsulfat wiederholt zum Vernickeln zu dienen.

In ganz gleicher Art kann man bei Anwendung von Kobaltsulfat metallisches glänzendes Kobalt auf polirten Eisen- und Stahlobjecten niederschlagen. Dieses unterscheidet sich dem Ansehen nach vom polirten Stahl nur schwierig an einem schwachen Stich ins Röthliche und haftet ebenfalls außerordentlich fest, wie sich Verfasser an Schlüsseln überzeugt hat, die er stets bei sich trägt, und welche nun bereits seit Monaten mit Kobalt überzogen sind.

Noch ist hervorzuheben, daß auch Eisen- und Stahlobjecte, welche Anlauffarben zeigen, z.B. blauangelaufene Stahlfedern, ohne weiteres in angegebener Art vernickelt werden können, da die Anlauffarbe beim Kochen rasch verschwindet und bald durch eine glänzende Nickelschichte ersetzt wird. (Nach den Sitzungsberichten der k. böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften in Prag.)

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