Titel: Zur Bierfälschung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 222/Miszelle 9 (S. 397–398)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj222/mi222mi04_9

Zur Bierfälschung.

Der dritte deutsche Brauertag hat auf Antrag des Vorsitzenden Henrich folgende Resolutionen angenommen:

|398|

Die aus allen Gauen Deutschlands, Oesterreich Ungarns und der deutschen Schweiz am 3. August 1876 versammelten Mitglieder des deutschen Brauerbundes erklären gegenüber den unbegründeten und unbewiesenen Verdächtigungen, welche gegen ihren Gewerbebetrieb in einzelnen Blättern der Tagespresse erhoben wurden:

1) Daß ein gutes, kräftiges und gesundes Bier nur aus Gerstenmalz, Hopfen, Hefe und Wasser herzustellen ist, und daß statt des Gerstenmalzes nur Stärkemehl und Reis zum theilweisen Ersatz verwendet werden dürfen, daß sie aber alle sonstigen Zusätze für unstatthaft, ungesetzlich und verwerflich erachten.

2) Sie erkennen in der häufig vorkommenden Beschuldigung, daß statt des Hopfens Surrogate verwendet werden, umsomehr eine die Ehre des Brauereigewerbes verletzende Verleumdung, als fast nur giftige oder doch der Gesundheit schädliche Stoffe als solche angebliche Surrogate bezeichnet zu werden pflegen, als mithin in der Behauptung die schwere Anklage der Giftmischerei enthalten ist.

3) Sie weisen diese Verleumdungen als unwahr und thatsächlich unbegründet zurück, so lange nicht Namen genannt und Beweise beigebracht werden.

4) Sie erwarten vom Präsidium des Brauerbundes, daß es, im Falle von Neuem Verdächtigungen des Gewerbebetriebs der Brauer in oben bezeichneter Art in öffentlichen Blättern verbreitet werden sollten, in der bisherigen Weise verfahre, nämlich die Redactionen der betreffenden Blätter öffentlich aufzufordern, entweder Namen zu nennen und Beweise beizubringen, oder aber ihre Behauptungen und Verleumdungen öffentlich zu widerrufen.

5) Sie ermächtigten ihr Präsidium, im Falle Brauer namhaft gemacht werden könnten, welche statt des Hopfens Surrogate, also der Gesundheit schädliche Stoffe verwenden sollen, dem Thatbestand nöthigenfalls unter obrigkeitlicher Assistenz festzustellen und das Ergebniß zu veröffentlichen, auch, wenn sich wirklich eine Verschuldung herausstellen wird, gegen den Schuldigen die Einleitung des Strafverfahrens zu veranlassen, damit der Uebertreter, welcher durch unredliches und gemeinschädliches Verfahren die Ehre des ganzen Gewerbes gefährdet, zur gebührenden Strafe gezogen werde. (Allgemeine Zeitschrift für Bierbrauer, 1876 S. 481.)

Der Congrès international des Sciences médicales, welcher im September 1875 in Brüssel tagte, nahm in der Sitzung vom 23. September folgende Resolution an:

1) Nur diejenigen gegohrenen Getränke sind „Bier“, welche aus Getreide und Hopfen hergestellt werden.

2) Keine andere Substanz kann diese Bestandtheile ganz oder theilweise ersetzen.

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