Titel: Handcentrifuge zum Ausschleudern des Honigs.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 222/Miszelle 11 (S. 501–502)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj222/mi222mi05_11

Handcentrifuge zum Ausschleudern des Honigs.

In diesem Journal (1868 187 437) machte bereits Gößler auf die Vortheile der Centrifuge zum Auslassen des Honigs aufmerksam. – Der rationelle Bienenzüchter erhält auf diese Weise nicht allein einen völlig klaren Honig von vorzüglichstem Geschmack, sondern er kann auch die entleerten Rähmchen wieder in die Stocke einhängen, da der Zellenbau durch die Operation des Ausschleuderns wenig oder gar nicht leidet. Die Bienen bessern die schadhaft gewordenen Stellen schnell aus und schränken alsdann die Wachsproduction zu Gunsten einer bedeutend vergrößerten Honigausbeute ein, was nach allen Erfahrungen für den Bienenzüchter weit lucrativer ist als eine gleichförmige Gewinnung von Wachs und Honig. Die angewendeten Apparate sind aus Zinkblech oder Holz dargestellt; der Centrifugeneinsatz ist zur Aufnahme von 3 oder besser 4 Rähmchen bestimmt.

In der wegen ihres vorzüglichen Honigs berühmten Eifel sind, wie M. Adlung in der Deutschen Industriezeitung, 1876 S. 352 berichtet, Centrifugen von nachstehender Construction vielfach im Gebrauch. Die verticale Drehachse steht in einer aus Eichenholz dargestellten Bütte von 57cm Durchmesser; oben ist sie durch einen Bügel gestützt, welcher von zwei mit der Bütte verbundenen Standern getragen wird; unten ist für ihren Zapfen in der Mitte des Büttenbodens eine Spurlatte angebracht. Am Umfange des Büttenbodens befindet sich eine verschließbare Ausflußöffnung. Der Centrifugeneinsatz besteht aus einem vierseitigen Rahmen, der auf einer Holzscheibe |502| von 45cm Durchmesser steht. Die Ecken des vierseitigen Rahmens werden durch starke dreikantige Leisten von 22cm Höhe gebildet, die um 25cm von einander abstehen und von oben und unten durch horizontale schmale Leisten mit einander verbunden sind; jede Seite des Rahmens ist in der Mitte noch durch eine verticale Leiste versteift und immer mit parallel laufenden Hanfschnüren oder Drähten überzogen.

Ehe man die Wabenrähmchen in den Apparat stellt, öffnet man mittels eines. scharfen Messers oder einer Rolle, die mit dicht neben einander stehenden Stiften besetzt ist, die zum größten Theil zugedeckelten Honigzellen, hängt nun die Zapfen des Rähmchens in einen flachen Ausschnitt der dreikantigen Leisten des Centrifugeneinsatzes und beginnt, sobald vier Rähmchen eingebracht sind, mit dem Schleudern, indem man die Welle unterhalb ihrer obern Unterstützung mit einer 2m langen Schnur umwickelt und letztere wiederholt vorsichtig, doch kräftig abzieht. Der in der Centrifuge zusammenlaufende Honig wird durch ein Gazesieb in Steintöpfe abgefüllt. Selbstverständlich müssen die Waben nach Entleerung der einen Seite herum gedreht werden.

Die Reinigung der Centrifuge nach dem Gebrauche läßt man am vortheilhaftesten durch die Bienen selbst vornehmen, indem man den Apparat, während die Sonne scheint, in die Nähe des Bienenstandes stellt. Der geschleuderte Honig wird um 50 Pf. pro Kilogramm höher bezahlt als der durch Auspressen erhaltene.

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