Titel: Dauer eines Schlages.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 222/Miszelle 5 (S. 499–500)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj222/mi222mi05_5

Dauer eines Schlages.

Interessante Versuche über die Dauer der Berührung zweier auf einander stoßenden Massen werden im Engineering (September 1876 S. 311) mitgetheilt. Dieselben wurden von dem Chef-Ingenieur der „British Telegraph Manufactory“ in London, R. Sabine, unter Benützung eines von ihm erfundenen elektrischen Apparates zur Messung kleiner Zeitelemente, angestellt.

Eine Eisenkugel von 110g Gewicht wurde mittels eines Eisendrahtes isolirt an der Decke des Versuchszimmers aufgehängt – derart, daß die Kugel, wenn vertical herabhängend, grade die Oberfläche eines umgelegten Ambosses berührte, gegen die sie dann unter verschiedenen Ausschlagwinkeln fallen gelassen wurde. Nach dem Steigungswinkel des Aufhängedrahtes wurde die verticale Fallhöhe, mittels des oben erwähnten Apparates die Contactdauer bestimmt, und es ergaben sich folgende durch mehrfache Wiederholungen bestätigte Mittelwerthe:

Fallhöhe. Contactdauer. Fallhöhe. Contactdauer.
1220mm 0,00008 Sec. 25mm 0,00013 Sec.
915 0,00008 6,3 0,00016
710 0,00008 1,6 0,00018
432 0,00009 0,8 0,00021
235 0,00010 0,3 0,00030
102 0,00011.

Hieraus muß gefolgert werden, daß die Dauer der Berührung mit wachsender Fallhöhe abnimmt, ohne daß es jedoch schon möglich wäre, irgend eine Relation aufzustellen.

Aus analogen Versuchen folgt ferner, daß die Dauer der Berührung mit wachsendem Gewichte der ausfallenden Kugel zunimmt, während bei Anwendung von Bronze für Kugel und Ambos bei gleichen Gewichten und Fallhöhen die Berührung eine dreimal längere Dauer hat.

Zur Bestimmung einer Beziehung zwischen der Contactdauer und der Größe des |500| Rückpralles der auffallenden Kugel wurden weitere Versuche gemacht, deren eine Serie hier angefügt ist. Es ergab sich:

Fallhöhe. Distanz des
Rückpralles.
Zeitdauer der
Berührung.
150mm 51mm 0,000120 Sec.
150 65 0,000111
150 85 0,000101
150
91 0,000091
635 200 0,000096
635 210 0,000091
635 240 0,000086
635 305 0,000078.

Das Fallgewicht bestand aus derselben Eisenkugel von 110g Gewicht; die Versuche deuten an, daß die Größe des Rückpralles mit abnehmender Contactdauer zunimmt, was sich leicht dadurch erklärt, daß eben in diesem Fall mehr Kraft disponibel bleibt.

Endlich wurde auch die Zeitdauer ermittelt, durch welche hindurch ein Handhammer, den man frei zurückprallen läßt, in Berührung mit dem Ambos bleibt. Bei mäßigem Schlage beträgt dieselbe 0,00027, bei starkem Schlage 0,00019 Secunden.

Es ist wohl das erste Mal, daß diese unglaublich geringen Zeitmomente durch einen verläßlichen Versuch festgestellt wurden.

R.

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