Titel: Condensirtes Bier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 222/Miszelle 12 (S. 591)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj222/mi222mi06_12

Condensirtes Bier.

Bereits im J. 1845 machte Rietsch in Böhmisch-Rudoletz die ersten Versuche zur Herstellung des sogen. Biersteins oder Zeilithoids; derselbe war auf der Londoner Ausstellung vertreten, wo er die Aufmerksamkeit des Prinzen Albert auf sich zog (1853 127 236). Später erhielt Aulhorn in Dresden ein Patent auf ein ähnliches Präparat (1856 142 75). Sie bestanden im Wesentlichen aus Getreideabkochungen, welche mit Hopfenaufguß eingedampft und mit Zucker gemischt waren. Zur Herstellung von Bier wurde ein Stück dieses Getreidesteins in Wasser gelöst und mit Hefe versetzt; nach 12 Stunden sollte das so erhaltene Jungbier auf Flaschen gezogen werden. Trotz aller Bemühungen gingen die betreffenden Fabriken aber wieder ein (Zeitschrift für Bierbrauerei, 1876 S. 225).

In letzter Zeit sind nun wieder verschiedene Vorschläge gemacht, Bier in concentrirter Form herzustellen. Fröster in Paris hat sich folgendes Verfahren patentiren lassen. Man dampft irgend ein Bier bis zur Syrupconsistenz oder auch zur Trockne ein. Soll concentrirtes Bier zur Verwendung kommen, so löst man es in der entsprechenden Menge Wasser, setzt etwas Hefe zu und läßt 5 Tage lang gähren, worauf das Bier zum Trinken bereit ist. Wird Bier mit besonderer Rücksicht auf Concentriren gebraut, so nimmt man möglichst wenig Wasser zum Einmaischen.

Nach einem Patent von Lockwood kann einfaches Bier und Doppelbier in jedem Stadium der Gährung condensirt werden, am besten aber, wenn das Bier zum Trinken fertig ist. Es wird in einer Vacuumpfanne abgedampft, bis ein großer Theil des Alkohols und Wasser destillirt und das Bier zu einer dicken zähen Flüssigkeit von der Consistenz der condensirten Milch geworden ist. Um den Alkohol aus dem mit dem Vacuum verbundenen Recipienten wieder zu gewinnen, destillirt man die Flüssigkeit aus dem Recipienten nochmals, oder man bringt von vornherein einen Dephlegmator mit der Vacuumpfanne in Verbindung, und das Ganze vollzieht sich auf einmal. Der Alkohol wird dem condensirten Biere wieder beigemischt, entweder ehe es in die bestimmten Aufbewahrungsgefäße kommt, oder zu jeder beliebigen Zeit nachher. Das Bier hat in condensirtem Zustand nur 1/8 oder 1/10 seines frühern Volums, je nach der ursprünglichen Stärke desselben, und es hält sich, da durch die angewendete Hitze die Gährung unterbrochen worden ist, in jedem Klima und auf jede beliebig lange Zeit. Die abermalige Umwandlung dieser Flüssigkeit in Bier ist höchst einfach, da man blos die entzogene Quantität Wasser zuzusetzen und die Gährung durch eine geringe Portion Hefe oder ein anderes Gährungsmittel wieder in Gang zu bringen braucht. Binnen 48 Stunden ist das Bier so weit, daß es vom Faß verzapft oder auf Flaschen gezogen werden kann. Ohne Zusatz von Hefe kann das Bier auf Flaschen gezogen und wie kohlensaures Wasser durch Apparate mit Kohlensäure versehen werden.

Das von Evers in Kopenhagen vorgeschlagene Verfahren nähert sich wieder der Biersteinfabrikation. Ein concentrirter Malzaufguß wird mit Hopfen versetzt und nach dem Durchseihen zur Honigconsistenz abgedampft. Dieses Extract löst man beim Gebrauch in Wasser und setzt Hefe zu; nach 18 Stunden soll das Bier fertig sein.

Aehnlich ist ein in Frankreich patentirtes Verfahren. 380 bis 400k Malz und 8k Hopfen werden mit etwas gährungsfähigen Zucker eingekocht. Zur Bierherstellung werden 100k Extract in 100l Wasser gelöst und mit Hefe versetzt; in 5 Tagen ist das Bier fertig.

Die diesen Vorschlägen zu Grunde liegenden Absichten sind jedenfalls noch besser als das nach denselben hergestellte Getränk.

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