Titel: Ueber die Ursachen des Schlafes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1876, Band 222/Miszelle 13 (S. 591–592)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj222/mi222mi06_13

Ueber die Ursachen des Schlafes.

Unter den vielen Räthseln des Daseins, an welche sich die Menschheit wie an ein Selbstverständliches gewöhnt hat, nimmt eine hervorragende Stelle ein das periodische |592| Verschwinden der höheren Geistesthätigkeit, das Problem vom Wechsel des Schlafens und Wachens. Preyer (Tageblatt der 49. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte) bespricht die verschiedenen Ansichten über Schlafen und Wachen von Aristoteles bis auf die neueste Zeit. Aus den bisherigen Beobachtungen folgt, daß während der Anstrengungen des Gehirns wie der Muskeln, also bei geistiger und körperlicher Arbeit, sich eine Reihe eigenthümlicher Stoffe bildet, die im Ruhezustande gar nicht oder nur in minimalen Mengen vorhanden sind. Diese sogen. Ermüdungsstoffe (Milchsäure u.s.w.) entstehen um so schneller und häufen sich um so reichlicher an, je intensiver die Thätigkeit war. Wenn ihre Anhäufung einen gewissen Grad erreicht hat, reißen sie, als leicht oxydirbar, denjenigen Sauerstoff an sich, der sonst im Gehirn verwendet wird, bei Reizwirkungen, bei psychischen Processen, sie oxydiren sich, und das geschieht im Schlafe und zwar so, daß, nachdem eine gewisse Zeit die Verbrennung vor sich gegangen ist, dann schon ein schwächerer Reiz die Thätigkeit der grauen Substanz des Gehirns wieder zur Geltung kommen läßt, so daß dann erst wieder die psychische Thätigkeit des Gehirns zunimmt: man erwacht.

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