Titel: Brunot's Tachometer für Eisenbahnzüge.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225 (S. 34–36)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/ar225008

Tachometer für Eisenbahnzüge, System Brunot.

Mit Abbildungen auf Taf. I [c/2].

Seit langem hat man sich bereits bemüht, zweckmäßige Tachometer für Eisenbahnzüge zu construiren, welche während der Fahrt genau die verschiedenen Variationen in der Geschwindigkeit registriren und so dem controlirenden Beamten ein Bild davon liefern, ob der Zug seinen Weg normal zurücklegte, oder ob Unregelmäßigkeiten bei der Beförderung desselben stattfanden.

Nicht ohne Interesse ist ein derartiges Tachometer von Brunot, welches, ohne mit den Bewegungstheilen des betreffenden Wagens in Verbindung zu stehen, nur durch die beim Fahren eintretenden Erschütterungen wirkt. Das Instrument ist verhältnißmäßig einfach und hat außerdem den Vortheil, daß eine böswillige Beschädigung oder Störung seines Ganges seitens des Zugpersonals, dessen Thätigkeit es zu controliren hat, nicht vorkommen kann. Der ganze Apparat ist in |35| einem kleinen, handlichen Gehäuse eingeschlossen und kann mit diesem an irgend einer dazu bestimmten Stelle, auf der Locomotive, dem Tender, oder in einem Wagen, aufgestellt und befestigt werden. Nach der Befestigung läßt es sich ohne besondern Schlüssel weder losmachen, noch auch öffnen. In dem Gehäuse befindet sich ein Uhrwerk, welches einer zum Registriren dienenden Papierscheibe die nöthige gleichmäßige Drehbewegung ertheilt und gleichzeitig auf einem von außen sichtbaren Zifferblatte die Zeit angibt. Diese etwa 200mm im Durchmesser haltende Papierscheibe ist zwischen zwei Metallplatten eingeklemmt, von denen die eine fest auf der Stundenwelle sitzt, die andere aber mittels einer gleichzeitig zum Aufziehen der Uhr dienenden Schraube das Festklemmen der Papierscheibe bewirkt. Letztere macht also dem Stundenzeiger entsprechend in je 12 Stunden eine Umdrehung und ist demgemäß durch vorgedruckte Linien in 12 radiale Streifen getheilt, von denen jeder wieder in 30 Theile zerlegt ist, so daß der Zwischenraum zwischen zwei Theilstrichen der Zeit von 2 Minuten entspricht. Dieser Zwischenraum ist jedoch immerhin noch so groß, daß man bei einiger Uebung selbst halbe Minuten mit Leichtigkeit noch unterscheidet. An einer Seite der Papierscheibe befindet sich ein aus einer Silberlegirung gefertigter Stift, welcher, in einer Hülse frei beweglich, jedesmal dann einen Punkt auf der sich hinter ihm drehenden Papierscheibe hervorbringt, wenn er mit gewisser Heftigkeit gegen dieselbe gestoßen wird. Hierzu werden nun direct die beim Fahren eintretenden Erschütterungen des Wagens benutzt und ist zu dem Ende mit der Hülse des Stiftes durch eine sehr biegsame Feder ein kleiner Hammer verbunden, welcher bei eintretenden Erschütterungen in Schwingungen geräth und fortwährend Schläge auf den Stift ausübt, so lange wie die Erschütterungen dauern, d.h. der Zug im Fahren begriffen ist. Da die Schläge sehr rasch auf einander folgen, so bilden die einzeln auf dem Papiere hervorgebrachten Punkte eine zusammenhängende Curve, die nur dann unterbrochen wird, wenn der Zug sich im Stillstande befindet, da während dieser Zeit die Schläge nicht stattfinden, die Papierscheibe aber ihre gleichmäßige Bewegung fortsetzt. Es ist klar, daß man auf solche Weise ein sehr genaues Bild von der Art und Weise erhält, wie der Zug befördert wurde.

Um das häufige Auswechseln der Papierscheibe zu umgehen, ist noch eine besondere Vorrichtung getroffen, durch welche dem Stifte eine langsame radiale Bewegung ertheilt und so verhindert wird, daß derselbe nach Ablauf von 12 Stunden wieder denselben Punkt des Papieres trifft wie zu Anfang. Der Stift mit Hülse und Hammer ist nämlich auf einem kleinen Support beweglich; ferner befindet sich auf |36| der Welle des Minutenzeigers ein 12zähniges Getriebe, welches in ein Rad von 96 Zähnen eingreifend dieses veranlaßt, in je 8 bis 12 Stunden eine Umdrehung zu machen. Auf der Welle des letztgenannten Rades ist nun eine Scheibe angebracht, deren Umfang nach der archimedischen Spirale gekrümmt ist. Durch Hebel, welche einmal gegen den Umfang dieser Scheibe drücken und außerdem mit dem Hammer und Stift in Verbindung stehen, wird dem letztern die radiale Bewegung ertheilt, so daß statt der Kreisbogen Spiralen auf dem Papiere hervorgebracht werden müssen. Da die Schneckenscheibe sich in 96 Stunden einmal dreht, so wird man auch die Papierscheibe nur alle 96 Stunden, d. i. alle 4 Tage auszuwechseln haben. Dabei wird dann gleichzeitig (mittels der erwähnten Klemmschraube) die Uhr aufgezogen, sowie der Punktirstift in seine Anfangsstellung zurückgeführt.

Die Figuren 21 und 22 zeigen nach der Revue industrielle den innern Mechanismus des Tachometers und eine aus demselben entnommene Papierscheibe.

F–e.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Tafeln


Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: