Titel: Schrott, über amerikanische Turbinen.
Autor: Schrott, Otto
Fundstelle: 1877, Band 225 (S. 217–226)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/ar225066

Ueber amerikanische Turbinen; von Ingenieur Otto Schrott in Rochester, N-Y., Nordamerika.

Mit Abbildungen auf Texttafel D.

(Fortsetzung von S. 122 dieses Bandes.)

Die Allentown-Turbine von H. F. Mosser und Comp. in Allentown, Pa., erreicht durch Verdrehung der einen Hälfte des Leitapparates die zweckmäßigste und unbedingt beste Regulirung, die man durch Verdrehung überhaupt erreichen kann. Figur 12 (Taf. D) stellt eine Ansicht, Figur 13 einen Verticalschnitt und Figur 14 einen Horizontalschnitt dieser Turbine dar.

Die innere Hälfte des Leitapparates B ist fest und sind dessen in einen spitzen Winkel zulaufenden Führungsschaufeln zwischen Deckel und Boden gegossen. Der außenliegende Theil des Leitapparates, das eigentliche Register A, besteht aus einer Anzahl von C-förmigen Schaufeln, welche zwischen zwei Ringe gegossen sind, an deren einen Seite eine ebene Schaufel angeschraubt wird, welche bis nach innen an die Stelle reicht, wo das Wasser aus dem Leitapparat in das Turbinenrad übertritt. Durch Verdrehung dieses Registers werden gleichzeitig alle Durchflußräume des Leitapparates ohne Aenderung des Einströmungswinkels verändert. Die Drehung dieses Registers erfolgt von einer stehenden Welle E, auf welcher ein Zahnrad sitzt, das im Eingriff mit einem verzahnten Segment, welches auf die Oberfläche des Registers geschraubt ist. Zwei Arme D verbinden den obern Registerring mit einer Büchse, welche sich auf eine gedrehte Flansche des innern Leitapparates B stützt und sich auf derselben dreht. Außerdem übergreift der obere Registerring die Oberfläche des innern Leitapparates, wie in Figur 13 ersichtlich ist. Die stehende Regulirwelle E erscheint einfach in den Boden von B eingelassen, da die geringe Beanspruchung derselben keine umständliche Lagerung nöthig macht; die Turbinenwelle ist auf bekannte Weise auf einem eingesetzten Holzzapfen gelagert. Das obere Lager der schmiedeisernen Turbinenwelle ist mit nachstellbaren Backen (Fig. 13) versehen. Bei der |218| Prüfung in Philadelphia war ein Rad von folgenden Dimensionen im Betriebe:

Durchmesser des Turbinenrades 610mm
Durchströmfläche 361qc
Länge der Welle von der aufliegenden Leitapparatflansche
zum Mittel der Kupplung

686mm
Durchmesser der Wellenkupplungsbohrung 70mm
Aeußerer Durchmesser der Turbine 940mm
Preis 300 Dollars.

Die Untersuchung ergab folgende Resultate bei

voller Oeffnung des Leitapparates 75,00 Proc.
7/8 71,32
3/4 68,33

Die Abnahme des Nutzeffectes für 3/4 Beaufschlagung ist 6,67 Proc., d. s. also 8,9 Proc. vom ursprünglichen Nutzeffect. Obwohl dieser Werth höher ist als bei Risdon, so wird man doch bemerken, daß die Abnahmen des Nutzeffectes bei dieser Turbine viel stetiger und gleichmäßiger sind als bei Risdon und Hunt.

Bei den Regulirungen mit einer vertical gehobenen Schütze erscheinen die Effectverluste am Anfange der Regulirung gering, nehmen im Verlaufe jedoch ganz bedeutend zu, während bei den Turbinen mit Leitapparatdrehung die Verluste schon anfangs bedeutend sind, jedoch nur unbeträchtlich innerhalb der Grenzen von 1/8 Abstufung sich steigern.

Die Regulirung bei der Eclipse-Doppelturbine von Stillwell und Bierce in Dayton, Ohio, wird durch Drehung eines zwischen Leitapparat und Turbinenrad liegenden Registers erreicht.

Betrachtet man den Verticalschnitt in Figur 16 (Taf. D), so bezeichnet darin A den außenliegenden festen Leitapparat, welcher mit dem Abflußrohre D ein Stück bildet; in letzteres ist wieder das aus gußeisernen Armen bestehende Kreuz zur Lagerung des Turbinenzapfens geschraubt. Das Register B ist unten in den Leitapparat A eingelassen und übergreift denselben oben auf einer gedrehten Arbeitsfläche.

Das Register B besitzt oben vier zu einer Nabe E vereinigte Arme F (Fig. 16), und reicht eine büchsenförmige Verlängerung des Lagertheiles G in diese Nabe E. Außerdem trägt das Register oben ein Zahnsegment K, in welches ein auf der verticalen Regulirwelle M sitzendes Zahnrad L eingreift.

Nach Einsetzung des Turbinenrades C, das hier eine eigenthümliche Construction besitzt, wird der Deckel N auf den festen Leitapparat A geschraubt. Dieser Deckel enthält den Untertheil der zum Verschlusse des Regulirtriebwerkes dienenden Büchse P als Anguß, und nachdem man |219| das Zahnrad mit der kurzen Regulirwelle eingesetzt hat, wird der Verschlußdeckel Q aufgeschraubt, wodurch das Triebwerk gegen alle Beschädigungen sicher gestellt ist. Hierauf schiebt man die bereits erwähnte Büchse G von oben auf den Deckel, wobei deren Verlängerung sich in die Nabe des Registers schiebt, und schraubt sie auf den Deckel nieder. Nach Einbringung der zur Führung der gußeisernen Turbinenwelle dienenden Holzbacken mit deren seitlichen Verschlußstücken werden letztere mittels Schrauben festgestellt und die Backen sodann mittels der horizontalen Setzschrauben adjustirt.

Das Turbinenrad C besteht eigentlich aus zwei durch eine Mittelplatte getrennte, jedoch aus einem Gusse gefertigte Theile, deren Schaufeln für eine horizontale (centrale) Wasserführung bestimmt sind. In dem Horizontalschnitt Figur 17 erscheinen die unter der Mittelplatte liegenden Schaufeln punktirt und sind dieselben in ihrer Lage gegen die der obern Partie verstellt. Der Nutzen einer derartigen Radconstruction für die vorliegende Regulirungsform ist vollkommen illusorisch; denn es ist nicht einzusehen, wie bei der Verdrehung der Registerschütze ein günstigerer Einfluß auf den Nutzeffect sich gestalten kann. Es ist unzweifelhaft, daß diese Construction für eine der frühern Regulirungsweisen mit vertical verschobenen Schützencylindern ihre Berechtigung hätte; in der vorliegenden Form jedoch bildet dieselbe eine unnöthige Complication des Rades, und außerdem noch durch die allerdings dünne Mittelplatte die Veranlassung zur Verspritzung einer gewissen Wassermenge.

Fassen wir die Regulirungsweise selbst ins Auge, so bemerken wir bei Betrachtung des rechten Theiles der Figur 17, in welchem die verdrehte Stellung des Registers punktirt angegeben ist, daß das Wasser bei α eintritt und bei β plötzlich und einseitig contrahirt wird. Entspricht übrigens die Einlaßöffnung bei β der vorhandenen Wassermenge, so findet nach dem Passiren von β das Wasser wieder einen leeren und großen Zuleitungsraum in γ, wird daher schon im Leitapparate theilweise verspritzen, wodurch die Mangelhaftigkeit dieser Regulirungsweise klar erscheint. Es ist daher auch eine Folge dieser Umstände, daß trotz des Ungeändertbleibens der Einlaufwinkel dennoch diese Turbine bei der Regulirung sehr schlechte Resultate ergibt.

Die Untersuchung eines Rades in Holyoke unter 4m,57 Höhe ergab an Nutzeffect für

volle Oeffnung des Leitapparates 68,6 Proc.
7/8 59,67
3/4 53,48
1/2 28,00
|220|

Allerdings waren hierbei gewichtige Mißverhältnisse diesem Rade entgegen; aber man kann sich aus dem Gesagten leicht ein Urtheil über die Güte desselben bilden. Das geprüfte Rad hatte folgende Hauptabmessungen:

Durchmesser des Turbinenrades 762mm
Durchströmfläche 669qc
Länge der Welle von der untern Auflagflansche des
Leitapparates zur Mitte der Kupplung

943mm
Durchmesser der Kupplungsbohrung 92mm
Durchmesser des Außenrades 984mm
Preis des Rades 395 Dollars.

In Philadelphia lag keine Turbine dieser Fabrik zur Untersuchung vor, weshalb neuere Daten über dieselbe fehlen.

Auch durch diese Turbine wird der bereits früher aufgestellte Satz, daß behufs guter Regulirung das Ende der Leitzelle unbedingt regulirt werden muß, wieder bestätigt. Diese nachdrückliche Betonung ist aber nöthig, da sich eine große Anzahl von Turbinen vorfindet, bei denen solche Systeme Anwendung finden, und wir wollen noch zwei Turbinen dieser Gattung betrachten, welche sich in Amerika sogar eines sehr guten Rufes erfreuen.

Die Turbine von F. Burnham in York, Pa., reiht sich dem Eclipse-Rade unmittelbar an, nur mit dem Unterschiede, daß Burnham das Regulirregister außerhalb des Leitapparates verlegt. Dagegen weist diese Turbine bedeutende Constructionsverschiedenheiten auf.

In Figur 18 (Taf. D) bedeutet A das außenliegende, um M drehbare Register, B den festen Leitapparat und C das Turbinenrad, dessen Construction der Henschel-Jonval-Turbine ähnlich ist, mit deren Verbesserungen sich Burnham lange Zeit beschäftigte. Bei eingehendem Studium fallen allerdings die Vortheile dieser Verbesserungen klein genug aus, um so mehr als die ganze Construction sehr plump und massig vorgenommen ist, obwohl die Preise derselben in Amerika zu den niedern zählen. Die Schaufeln des Registers sind zwischen die zwei starken Scheiben α und β (Verticalschnitt Fig. 19) gegossen; die innere Verlängerung α übergreift den festen Leitapparat B, der ausgebohrt und in welchen das Turbinenrad C eingepaßt ist. Ueber A und B liegt der Verschlußdeckel D.

Die Drehung des Registers A erfolgt von einer stehenden Welle durch das Excenter E, welches sich zwischen einer mit der Büchse F verbundenen Gabel G dreht. Durch Drehung des Excenters wird die Gabel entweder nach rechts oder links verschoben, und ertheilt, da dieselbe |221| auf die Mantelfläche des Registers geschraubt ist, letzterm die erforderliche Drehung. Auf den Deckel sind drei starke gußeiserne Stützen in einer gegen das Mittel der Turbinenwelle geneigten Lage aufgeschraubt und oben gleichfalls durch Schrauben mit dem Führungslager der Welle in Verbindung gebracht. Dieses Lager besitzt wieder drei nachstellbare Backen und Holzfütterung.

Die Regulirungsweise wurde bereits im Vorhergegangenen als äußerst mangelhaft bezeichnet und wird durch die Prüfungsresultate diese Behauptung erwiesen. – Charakteristisch an dieser Turbine ist auch, daß der Leitapparat unten mit keiner Auflagflansche versehen ist, mittels welcher man denselben in den Zuleitungscanal einsetzen kann; er wird mittels der Füße H direct auf den Boden (oder eine Erhöhung) des Unterwassercanales gestellt. Das Detail des Holzzapfens ist bei dieser Turbine gleichfalls beachtenswerth.

Fassen wir die constructiven Vortheile der Burnham-Turbine kurz zusammen, so sind dieselben folgende. 1) Die concaven Schaufelcurven, also jene, denen das Wasser vorzüglich folgt, sind verlängert. 2) Das Regulirregister ist mit vorspringenden Rändern versehen, so daß beim Einbauen in ein Rohr durch diese Ränder bereits größere Steine von dem Eindringen in das Leitrad oder Turbinenrad abgehalten werden. 3) Die Bewegung des Registers erfolgt nicht durch ein Zahnrad und Zahnsegment, sondern durch ein Excenter, wodurch die Gefahr eines Bruches nicht so nahe liegt.

Außerdem möchten wir an dieser Stelle noch den Nutzen einer großen Anzahl von Leitschaufeln betonen, besonders für Fälle, wo der Leitapparat leichter ausgewechselt werden kann als das Turbinenrad, wie dies eben bei Burnham der Fall ist. Besitzt der Leitapparat viele Leitschaufeln und dementsprechend viele, aber kleine Leiträume, so erfolgt im Falle, als mit dem Wasser ein großer Stein oder ein Holzstück angeschwemmt werden sollte, entweder ein Verklemmen desselben im Leitapparate oder ein Bruch desselben, während das Turbinenrad meist unbeschädigt bleibt.

Die Burnham-Turbine wurde in Philadelphia nicht untersucht. In Holyoke wurden von derselben folgende Nutzeffecte entnommen:

Volle Oeffnung des Leitapparates 77,09 Proc.
7/8 71,95
3/4 64,63
1/2 48,16

Zur Prüfung unter 4m,69 Fallhöhe lag ein Rad von folgenden Dimensionen vor:

|222|
Durchmesser des Turbinenrades 610mm
Durchströmfläche 409qc
Länge der Welle 762mm
Durchmesser der Kupplungsbohrung 73mm
Gewicht der Turbine complet 447k
Preis der Turbine 225 Dollars.

Die Turbine von G. A. Houston (Fig. 20 Taf. D) führen wir noch als Repräsentanten der Systeme mit Außenregistern an; dieselbe besitzt eine charakteristische Construction, durch welche sich dieselbe von allen andern amerikanischen Turbinen unterscheidet. Sowohl Leitapparat als Turbinenrad sind stark conisch geformt, wodurch eine eigenthümliche Combination der beiden Systeme von Francis und von Henschel erreicht wird. Denn trotzdem, daß das Wasser aus dem Leitapparate in das Turbinenrad nach abwärts geführt wird, erlaubt diese Anordnung dennoch die bekannte und beliebte amerikanische Constructionsweise. Man hat auch hier das außenliegende Spaltenregister A, den festen Leitapparatring B und das Turbinenrad C. Das Register dreht sich auf einer unter demselben vorspringenden Flansche des Leitapparates B und trägt oben ein verzahntes Segment, in welches ein kleines Zahnrad der stehenden Regulirwelle eingreift. Außerdem führen wieder zwei Arme von der Oberfläche des Registers zu einer Büchse, um das richtige Drehen desselben zu sichern. Das Getriebe ist vollständig verdeckt, so daß es nicht durch Verunreinigung leidet. An die untere Auflagflansche des Leitapparates B ist das gußeiserne Kreuz für die Fußlagerung der Turbinenwelle angeschraubt. Ob dieses Detail empfehlenswerth ist, erscheint sehr zweifelhaft. Alles andere kann aus der Figur 20 deutlich ersehen werden, um so mehr als die übrigen Detaile mit den bisher besprochenen übereinstimmen. Auch diese Turbine wurde nicht zur Prüfung in Philadelphia angemeldet. Es erscheint, als hätten die schlechten Resultate der Versuche in Holyoke den Fabrikanten es vortheilhafter erscheinen lassen, seine Turbine „außer Preisbewerbung“ zu setzen. Zur Prüfung in Holyoke lag folgendes Houston-Rad vor:

Durchmesser des Rades 762mm
Durchströmfläche 664qc
Durchmesser der Außenflansche 1283mm
Länge der Welle von der Außenflansche zum
Mittel der Kupplung

1041mm
Durchmesser der Kupplungsbohrung 86mm
Gewicht der Turbine 953k
Preis 400 Dollars.
|223|

Der Nutzeffect war unter 4m,57 Fallhöhe folgender:

Volle Oeffnung des Leitapparates 81,20 Proc.
7/8 65,00
3/4 60,90
5/8 48,60
1/2 45,50

Als letzte in unsere Besprechung einzurechende Turbine jenes Systemes, welches die Regulirung ohne Aenderung des Einlaufwinkels hervorbringt, führen wir die Turbine von E. T. Cope und Söhne vor, welche zugleich das Princip vertritt, nach und nach paarweise die Leitzellen abzuschließen, während die andern vollständig geöffnet bleiben. Diese Turbine ist eine neue Erscheinung in Amerika und soll die Fabrik in kurz vergangener Zeit auch verschiedene deutsche Patente auf dieselbe erhoben haben.

Der Leitapparat B (Fig. 22 Taf. D, welche einen Horizontalschnitt und eine Draufsicht der Turbine vorstellt), ist mit einer der Anzahl von Turbinenschaufeln gleichen Zahl von festen Leitschaufeln versehen. Zwischen den äußern Eintrittsöffnungen dieser Schaufeln befindet sich je ein hahnförmiger, genau eingegossener Verschlußkegel (Fig. 23), dessen Achse zur Verdrehung am obern Ende einen Arm mit zwei Anschlagstiften trägt. Auf den Deckel der Turbine ist eine Büchse D geschraubt, welche einen Arm E (Fig. 21) zur Lagerung der Regulirwelle F besitzt; ein Zahnrad auf derselben greift in einen Zahnkranz G ein, welcher sich auf der Büchse D drehen kann. Dieser Zahnkranz hat zwei diametral gegenüber liegende Daumen H, welche beim Drehen der Regulirwelle, bezieh. des Zahnkranzes, an die Stifte der Regulirhähne anschlagen und auf diese Weise letztere paarweise entweder schließen oder öffnen, je nachdem die Drehung in dem einen oder im entgegengesetzten Sinne vorgenommen wird. Aus dem Schnitte in Figur 22 kann man drei geöffnete und einen geschlossenen Hahn ersehen. Selbstverständlich bleiben auf diese Weise die Leitcanäle der offenen Hähne in ihrem Querschnitte vollständig unverengt.

Ob diese Regulirung sich durch bessere Wirkungsweise empfiehlt, ist zur Zeit noch nicht endgiltig entschieden, da von dieser Turbine keine näheren officiellen Prüfungsdaten vorliegen und die von der Fabrik selbst angegebenen Werthe mit Vorsicht aufgenommen werden müssen. Nach deren Angaben stellte sich das Verhalten der Turbine folgendermaßen heraus: |224|


Beaufschlagung.
Höhe des
Wassers.
mm
Wassermenge.

cbm
Tourenzahl
pro Minute.
Stärke.

e
Nutzeffect.

Proc.
Volle Oeffnung des Leitapparates 1356 27,2 57 6,51 80,72
2/3 „ „ „ 1433 20,1 51 4,81 76,28
1/2 „ „ „ 1692 15,7 52 4,50 78,01
1/3 „ „ „ 1737 11,7 56 3,37 74,20
1/4 „ „ „ 1679 10,2 66 2,50 68,00

Die hierbei verwendete Turbine hatte:

Durchmesser des Turbinenrad 1153mm
Durchströmfläche 2168qc
Länge der Welle 1321mm
Durchmesser der Kupplungsbohrung 113mm
Preis 650 Dollars.

Das eigentliche Turbinenrad C besitzt bei Cope noch die charakteristische Eigenthümlichkeit, daß die Turbinenschaufeln nicht eingegossen, sondern eingesetzt sind, wodurch die Reparatur bei einem Bruche derselben leichter wird. Diese Anordnung wurde von den meisten amerikanischen Fabriken gänzlich verlassen, nachdem dieselbe eine Zeit lang stark im Gebrauche gewesen war, und sprechen sich die meisten amerikanischen Turbinenbauer gegen diese Einrichtung aus. Bei der Enge der Leitcanäle der Turbine von Cope erscheint das Einsetzen der Turbinenschaufeln überdies vollständig ungerechtfertigt und dürfte mehr Reparaturen verursachen, als ersparen, da eingesetzte Schaufeln oft lose werden. Der äußerst delicate Regulirapparat mit Hähnen dürfte durch angeschwemmtes Laub oder durch Sand nicht selten unwillkommene Störungen erfahren, und glauben wir demnach diese Regulirweise als nicht empfehlenswerth bezeichnen zu dürfen.

Bei der Untersuchung in Philadelphia verweigerte die Fabrik die Prüfung der Regulirungsweise, da die Turbine für die große Fallhöhe zu genau eingepaßt war. Für volle Beaufschlagung ergab dieselbe:

Tourenzahl pro Minute 241
Stärke der Turbine 77e,12
Gefälle 8m,78
Absoluter Effect 100e,51
Nutzeffect 76,72 Proc.

Die Dimensionen dieser Turbine betrugen:

Durchmesser des Turbinenrades 762mm
Durchströmfläche 929qc
Länge der Welle 1067mm
Durchmesser der Kupplungsbohrung 75mm
Preis 380 Dollars.
|225|

Es bleiben nun noch jene Systeme zur Besprechung übrig, welche die Regulirung durch Aenderung des Einströmwinkels der Leitapparatschaufeln erzielen, nämlich die Flügelsysteme. Obwohl man gerechten Grund hat, sich wegen der theoretischen Mangelhaftigkeit dieser Regulirungsweise entschieden dagegen auszusprechen, besitzen diese Constructionen doch anderseits wieder einige bedeutende praktische Vortheile, so daß dieselben zur Zeit noch nicht verdrängt sind. Den bedeutendsten Ruf unter diesen Systemen besitzt die „American Turbine“ und die Turbine von James Leffel, welch letztere vielleicht die größte Anzahl auf den Markt gebracht und abgesetzt hat.

Betrachten wir zunächst die American Turbine von Stout, Mills und Temple in Dayton, Ohio, dargestellt in Fig. 24 und 25 Taf. D in Ansicht und Grundriß. Die Schaufeln des Leitapparates dieser Turbine bestehen aus einer Anzahl von Flügeln A, welche um Scharniere B drehbar sind und in den festen Theil des Leitapparates eingesetzt werden. Letzterer repräsentirt den üblichen Ober- und Unterring, zwischen welchen die Wände D gegossen sind. Die Flügel A sind bei A' nach außen gekröpft und schließen sonach den Raum zwischen A und D stets vollständig ab. Unmittelbar über dem Turbinendeckel E befindet sich eine Regulirscheibe F, welche mittels Zugstangen H mit den an den beweglichen Leitschaufeln A angegossenen Zapfen G verbunden ist. Wird nun die Scheibe F von der Regulirwelle aus – durch Zahnrad und Zahnsegement – gedreht, so müssen sich die Leitschaufeln A ebenfalls um ihren Drehzapfen B bewegen. Es rückt bei einer Drehung der Regulirscheibe in der Richtung von rechts nach links der Theil α der Leitschaufel A gegen den Theil β der festen Leitapparatwände D vor und schließt bei fortgesetzter Drehung daselbst ab.

Durch die Drehung der Leitflügel um ein Scharnier wird, wie erwähnt, der Winkel geändert, unter welchem das Wasser in das Turbinenrad tritt, und da in den meisten Fällen die Gefällshöhe nicht wesentlich abnimmt, wenn die Aufschlagwassermenge sich (oft bedeutend) verringert, so folgt daraus, daß die Einströmung unrichtig wird. Dagegen ist nicht zu läugnen, daß für den Fall, als mit der Verminderung der Wassermenge auch eine bedeutende Verringerung der Fallhöhe Platz greift, die Turbine mit Flügelregulirung besser arbeitet als wie alle andern Regulirvorrichtungen, welche nur die Zellen des Leitapparates abschließen oder verringern, ohne den Einlaufwinkel zu ändern, da bei dem Flügelsysteme eine Correctur des Einlaufwinkels vorgenommen wird. Dieser Umstand bringt es auch mit sich, daß die Turbinen von Stout, Leffel u.a. unter Umständen viel bessere Dienste leisteten als andere bisher bekannte amerikanische Constructionen.

|226|

An der Turbine bemerkt man ferner ein genietetes Zugrohr (Fig. 24), welches für den Fall angesetzt wird, wenn das übliche gußeiserne Rohr zu kurz sein sollte.

Es ist nicht nöthig, über die weitere Detailconstruction des Rades zu berichten, da dieselbe genau derjenigen der bereits besprochenen Turbinen gleicht.

In Philadelphia wurde eine Turbine von folgenden Dimensionen untersucht:

Durchmesser des Turbinenrades 762mm
Durchströmfläche 568qc
Länge der Welle 1041mm
Durchmesser der Kupplungsbohrung 75mm
Preis 375 Dollars.

Die Prüfung ergab für

volle Oeffnung des Leitapparates 68,50 Proc.
3/4 69,22
3/8 60,07

Diese ungünstigen Resultate, welche die Turbine als zweitschlechteste der in Philadelphia probirten erscheinen lassen, sind größtentheils auf den besondern Umstand zurückzuführen, daß die Schaufelung der Ausstellungsturbine für 3/4 Füllung construirt war. Die Fabrikanten hofften hierdurch bei verschiedenen Füllungsgraden eine Halbirung der Fehler zu erzielen; doch lehrte der Erfolg, daß dieses Mittel nicht glücklich gewählt war.

In Holyoke dagegen wurden nachstehende Resultate erzielt:

Voller Leitapparat 83,14 Proc.
7/8 82,84
3/4 81,49
5/8 78,73
1/2 69,64
1/4 50,08

Geprüft wurde hierbei eine Turbine, deren Raddurchmesser 1219mm, Durchströmfläche 1581qc, Länge der Welle 1365mm, Durchmesser der Kupplungsbohrung 111mm und Preis 600 Dollars betrug. Die Fallhöhe war in letzterm Falle 5m,49.

Der unstreitig praktische Vortheil der Flügelsysteme besteht darin, daß im Falle eines Leitschaufelbruches die Leitschaufel leicht und schnell ausgewechselt werden kann – ein Vortheil, welchen solid gegossene Leitapparate nicht bieten.

(Schluß folgt.)

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