Titel: Martin und Hock's Sparmotor.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225 (S. 227–229)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/ar225067

Der Sparmotor, Patent Martin und Hock.

Mit Abbildungen auf Taf. III [a/1].

Seit etwa einem Jahre wird in Wien eine Heißluftmaschine fabricirt, welche, ohne in ihrem Constructionsprincip etwa wesentlich Neues1) zu bieten, in ihren Details so glücklich durchgeführt ist, daß sie sich rasch in immer weitere Kreise verbreitet. Nach officiellen Proben beträgt der Brennmaterialverbrauch (mittlerer Kokesgries) für die Stunde und Pferdekraft nicht mehr als 4k,2 – ein Resultat, das selbst von den bekannten Lehmann'schen Heißluftmaschinen nicht erreicht wird; dabei zeichnet sich außerdem der sogenannte „Hock'sche Sparmotor“ vor der Lehmann'schen Maschine durch bedeutend compactere Anordnung und vor den Langen-Otto'schen Gasmotoren durch ihren geräuschlosen Gang aus.

Ein hervorstechender Zug der ganzen Anordnung ist die außerordentliche Einfachheit, wie sie eben nur mit dem Princip der offenen calorischen Maschinen, zu welchen der Martin-Hock'sche Motor gehört, erreicht werden kann; es entfällt hier die Kühlwasserpumpe und der Refrigerator der geschlossenen Heißluftmaschine und bleibt nur mehr der Ofen, der Arbeitscylinder und die Luftpumpe übrig. Diese drei Hauptbestandtheile sind in den Skizzen Fig. 1 und 2 beziehungsweise mit O, A und L bezeichnet; der Ofen O bildet gleichzeitig das Maschinenfundament, indem der aus Chamottemasse hergestellte Feuerraum in den gußeisernen Kastenständer eingesetzt ist. Auf diesem ruht der Cylinderkörper, welcher oben in vier Pratzen ausgeht, von denen je zwei gegenüber liegende einerseits die Schwungradwellenlager, anderseits den Luftpumpencylinder tragen. Der Kolben l des letztern ist mit dem Arbeitskolben a durch ein rohrartiges Stück, das für den Durchgang der Kurbelwelle ausgeschlitzt ist, zu einem Körper verbunden, innerhalb dessen die ausgekröpfte Kurbel, sowie die Pleuelstange, die am untern Ende des Arbeitskolbens angreift, eingeschlossen ist. Diese Verbindung macht einen sehr gefälligen Eindruck, wird aber neuerdings, zur Erzielung geringern Gewichtes, durch vier schmiedeiserne Streben ersetzt, welche sowohl mit dem Luftpumpenkolben als mit dem Arbeitskolben verschraubt sind. Der Arbeitskolben a trägt an seinem untern Ende, welches dem Einfluß der Verbrennungsgase ausgesetzt ist, eine Schutzklappe aus Blech und hat den dichtenden Lederstulp am obern Ende, so daß dieser dem directen Einfluß der Wärme ganz entzogen ist; in gleicher Weise ist der Luftpumpenkolben l mit einem Lederstulp gedichtet. Derselbe enthält entweder direct, |228| wie in Figur 2 ersichtlich, das Saugventil, das sich beim Kolbenniedergang öffnet, während das in ähnlicher Weise angeordnete Druckventil beim Kolbenaufgange die angesaugte Luft entweichen läßt, oder es sind auch Saug- und Druckventile in einem eigenen Cylinderaufsatz leicht zugänglich angebracht, wobei dann selbstverständlich der Luftpumpenkolben völlig geschlossen ist.

Die von der Luftpumpe ausgepreßte Luft entweicht durch das Verbindungsrohr v zu einem Register R, welches von Hand verstellbar ist und die eintretende Luft entweder unter oder über den kreisförmigen Rost des Ofens O leitet. Ersteres geschieht nur beim Anfeuern zum Zwecke des Anfachens; beim regelmäßigen Betrieb tritt die Luft durch die Oeffnung i hinter der Heizthür (Fig. 2) über dem Rost in den Verbrennungsraum, nachdem sie vorher den hohlen Raum zwischen dem Chamottegehäuse und dem gußeisernen Mantel passirt hat und hier vorgewärmt worden ist. Ueber dem Roste erreicht dann die Luft ihre höchste Temperatur und gelangt von hier (durch den in Fig. 2 punktirten Canal) unter das Admissionsventil x (Fig. 1). Dasselbe wird, sobald der Arbeitskolben seinen tiefsten Stand erreicht hat, niedergedrückt und läßt sodann durch die aus Figur 2 ersichtliche Oeffnung die heiße Luft in den Arbeitscylinder eintreten, wo dieselbe, vermöge ihres Ueberdruckes über die äußere Atmosphäre, den Arbeitskolben aufwärts drückt, dabei an die Schwungradwelle Arbeit abgibt und gleichzeitig über dem Luftpumpenkolben die beim Niedergang angesaugte kalte Luft auf dem vorhin angegebenen Wege in den Verbrennungsraum preßt.

Endlich hat der Arbeitskolben seinen höchsten Stand erreicht; das Admissionsventil x steigt unter der Wirkung einer Spiralfeder auf seinen Sitz, und das Austrittsventil y wird nach abwärts gepreßt und geöffnet, worauf die im Arbeitscylinder enthaltene heiße Luft durch ihren frühern Eintrittscanal zurück- und durch das Ventil y ins Freie entweicht. Arbeitskolben und Luftpumpenkolben gehen nun vermöge ihres Eigengewichtes und mit Hilfe der Schwungräder nach abwärts, während gleichzeitig durch das Saugventil der Luftpumpencylinder neuerdings mit kalter Luft gefüllt wird.

Der continuirliche Wirkungsgang der Maschine ist somit leicht verständlich und es erübrigt nur zur Vervollständigung unserer Beschreibung die Darstellung des Steuermechanismus, des Regulators und der Feuerungsmethode.

Letztere wird dadurch bedingt, daß vermöge der ganzen Anlage der Maschine der Verbrennungsraum als Druckreservoir fungirt. In Folge dessen muß derselbe während des Betriebes hermetisch verschlossen bleiben |229| und nur der durch die Luftpumpe eingepreßten Luft zugänglich sein. Dies wird dadurch bewirkt, daß oberhalb des Rostes ein trichterförmiges Gefäß F (Fig. 2) aufgesetzt ist, dessen Boden für gewöhnlich durch den mittels Schraube angepreßten Verschlußconus c abgedichtet ist. Dann wird durch die Thür r das erforderliche Brennmaterial eingefüllt, hierauf r wieder mittels eines einfachen Bügelverschlusses hermetisch abgedichtet und endlich der Conus c heraufgeschraubt, worauf die im Trichter enthaltene Kohle herabfällt und ohne Zuführung fremder Luft den Rost beschickt. Diese ganze Operation ist äußerst einfach und braucht zudem nur beiläufig die Stunde einmal vorgenommen zu werden. Die eigentliche Heizthür s, sowie die Aschenthür t werden nur zum Anheizen geöffnet und bleiben während des Betriebes continuirlich geschlossen.

Die Steuerung von Ein- und Austrittsschieber x und y geschieht durch einen kleinen Kurbelzapfen, der sich auf einer mittels Stirnräder angetriebenen Vorgelegewelle w befindet und mit Zugstange und Hebel die Welle z in oscillirende Bewegung setzt. Dabei drücken zwei auf z angebrachte Daumen abwechselnd x und y nieder und öffnen dadurch der heißen Luft Eingang und Ausgang des Arbeitscylinders. Soll dagegen die Maschine abgestellt werden, so entlastet man die Spiralfedern, welche die Ventile auf ihren Sitz pressen, so daß dann sowohl Eintritt als Austritt offen ist und die heiße Luft direct ins Freie austritt, ohne den Arbeitscylinder zu passiren.

Von derselben Welle w endlich, welche die Steuerung antreibt, wird auch durch Kegelradübersetzung der Regulator P bewegt. Derselbe öffnet beim Steigen der Kugeln ein in den Zeichnungen nicht ersichtlich gemachtes Ventil, welches auf dem Deckel des Luftpumpencylinders aufsitzt und einem Theile der comprimirten Luft directen Ausgang ins Freie gestattet, so daß nur ein Bruchtheil der angesaugten Luft in den Ofen gelangt. Hierdurch wird je nach der Stellung des Regulators eine größere oder kleinere Menge erhitzter Luft in den Arbeitscylinder geführt, und dem entsprechend die Arbeitsleistung geregelt.

M-M.

|227|

Vgl. Roper, *1865 178 249. *1869 194 173.

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