Titel: Gates' Teppichwebstuhl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225 (S. 248–250)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/ar225079

Gates' Teppichwebstuhl.

Mit Abbildungen auf Taf. III [b/3].

Der von dem Amerikaner Joseph Gates erfundene Teppichwebstuhl weist nach dem Iron, April 1877 S. 452 in seiner Ausführung verschiedene Verbesserungen auf; als Hauptvorzug ist zu erwähnen, daß derselbe blos ungefähr drei Viertel des Raumes beansprucht, den ein entsprechender Stuhl der bisher üblichen Constructionen bedarf.

In der Buntweberei überhaupt, speciell aber in der Teppichweberei, ist es höchst wünschenswerth, eine große Anzahl von verschiedenen Farben zur Verwendung bringen zu können, einerseits zur Erzielung einer größern Mannigfaltigkeit, anderseits zur Hervorbringung feinerer Schattirungen. Sowohl bei der Steig- als bei der Revolverwechsellade ist die Anzahl der Schützen beschränkt. Gates combinirt nun beide Ladenconstructionen, indem er auf jeder Seite der Lade je einen Steigkasten mit 3 Schiffchen und darunter einen Revolverkasten mit 5 Schiffchen anbringt, im Ganzen also 16 Schützen. Die Einstellung der Schützenkasten erfolgt auf dem bisher gebräuchlichen Wege durch eine kleine Jacquardvorrichtung. Benöthigt man nun eine kleinere Anzahl von Farben, so kann man den Revolverkasten feststellen; es bleiben dann 1 Schütze des Revolverkastens und 3 des Steigkastens, auf jeder Seite also 4 Schützen, in Thätigkeit.

Die Lade hat einen doppelten Anschlag, d.h. jeder Schußfaden erhält zwei Schläge von beliebig veränderlicher Stärke, die in regulirbaren Zeiträumen auf einander folgen. Zu diesem Zwecke sind die Kurbeln auf der Hauptantriebwelle durch Daumenexcenter ersetzt, welche aus je |249| zwei verstellbaren Theilen bestehen, so daß sich die Länge der Daumen und der Winkel, welchen die beiden Daumen mit einander bilden, verändern lassen. Statt der Kurbelstangen sind zwei einerseits mit der Lade verbundene und anderseits auf der Antriebwelle geführte Verbindungsstangen angebracht, welche Rollen tragen, die von den Daumen die Bewegung empfangen und auf die Lade übertragen.

An dem Gates'schen Stuhl ist eine Aufwindevorrichtung für die fertige Waare angebracht, welche mit sehr einfachen Mitteln die Kettenspannung zu reguliren gestattet, so daß sie ein gewisses, nach Wunsch veränderliches Maximum nicht überschreitet. Die schwingende Bewegung der Lade A (Fig. 29) wird dazu benutzt, dem Zeugbaum B die Aufwindebewegung zu ertheilen mittels des Schaltkegels C, welcher durch das Uebergewicht D fortwährend in Eingriff mit dem Schaltrad E gehalten wird. Die Achse des Schaltbackens C ist nun nicht direct mit dem Ladenarm A verbunden, sondern sitzt auf dem kürzern Ende eines Winkelhebels F, auf dessen längern Arm die Feder G wirkt, dessen Zapfen H auf dem Ladenarm fest ist. Der Schaltkegel C nimmt also an der schwingenden Bewegung der Lade theil und hat das Bestreben, bei jedem Anschlag das Schaltrad E vorzurücken. Hat aber die Kettenbaumbremse nicht genügend nachgelassen, so wird die Waare nicht gewaltsam aufgewunden, sondern die Feder G gibt nach und es findet kein Vorrücken des Zeugbaumes statt. Durch beliebiges Anspannen der Feder C kann also die Kettenspannung nach Wunsch regulirt werden. Der Zeugbaum ist auf zwei Lagerstücken K gelegt, welche von den Webstuhlschildern nach innen vorspringen und so geformt sind, daß zwischen ihnen und den Schildern Raum für die Ladenarme A bleibt. Das Schaltrad E sitzt fliegend auf dem Zapfen des Zeugbaumes.

Auch die Schützen für die Gates'schen Stühle haben eine Verbesserung erfahren. Es kommt leicht vor, daß beim plötzlichen Antreiben der Schütze oder beim Aufschlagen derselben der Einschlagkötzer sich in Folge der Trägheit lockert und Theile davon ablösen, die dann nicht weiter abgespult werden können, also verloren sind. Um diesen bisweilen sehr beträchtlichen Abfall zu vermeiden, verbindet Gates den Eintragkötzer elastisch mit der Schütze. Die Wirkung des Stoßes auf den Kötzer tritt nur in einer Bewegungsrichtung schädlich auf, d.h. beim Anschlagen der Schütze auf der Seite der Kötzerspitze. Es muß also nach dieser Seite hin der Kötzer nachgeben können, was auf folgende Weise erreicht ist. Auf der Schützenspindel L (Fig. 30 und 31), welche durch die Feder M in ihrer richtigen Lage gehalten wird, steckt frei beweglich die Kötzerspule N, in die eine Rille O eingedreht ist; in dieselbe |250| greift eine Nase des Spulenhakens P ein, welcher durch die Spiralfeder Q die Spule nach links an die Basis der Schützenspindel anpreßt. Der Stift R dient dem Spulenhaken als Führung. Die Feder Q mindert also die schädlichen Stoßwirkungen.

In Amerika sollen bereits 225 derartige Stühle in Betrieb sein. In England werden dieselben von Edward Leach and Sons in Rochdale gebaut. Die Tagesproduction ist bei geschickter Bedienung bis zu 35 Yards (32m) angegeben, als Mittelleistung 25 Yards (etwa 23m).

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