Titel: Scott's Theilvorrichtung für Räderformmaschinen und Räderfräsmaschinen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225 (S. 330–332)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/ar225103

J. C. Scott's neue patentirte Theilvorrichtung für Räderformmaschinen und Räderfräsmaschinen.

Mit Abbildungen auf Texttafel F.

Um Kreise leicht und genau in eine bestimmte ganze Anzahl gleicher Theile einzuheilen, wie dies beim Formen und Fräsen von Zahnrädern |331| mittels Maschine erforderlich ist, bediente man sich bisher einer Anzahl von Wechselrädern, deren Combination es gestattete, eine bestimmte begrenzte Reihe von Eintheilungen vorzunehmen. Die neue patentirte Theilvorrichtung von J. C. Scott in Manchester macht diese Wechselräder entbehrlich und fügt dazu noch den Vortheil, daß die Reihe der mit derselben möglichen Eintheilungen praktisch unbegrenzt ist. Figur 1 zeigt eine der gebräuchlichen Formen von G. L. Scott's Räderformmaschinen, nach dem alten wohlbekannten Systeme, jedoch mit Hinweglassung der Wechselräder, als deren Ersatz die von seinem Sohne J. C. Scott construirte neue Theilvorrichtung angebracht wurde. In Figur 2 ist die Räderformmaschine nach ihrer neuesten Construction mit der neuen Theilvorrichtung in Combination mit einer neuen Art der Bewegung des Gleitbalkens dargestellt. Endlich zeigt noch Figur 3 die Anwendung der neuen Theilvorrichtung bei einer Räderfräsmaschine. Das Neue an der Theilvorrichtung selbst besteht in der Anwendung eines am Umfange einer feststehenden Scheibe von etwa 250mm Durchmesser geführten beweglichen Schiebers, der mit einem kleinen Anschlage versehen ist; ferner in der Anwendung einer auf der durch die Bohrung der genannten Scheibe hindurchgehenden Schneckenwelle lose zurückdrehbaren Handkurbel. Diese Theile sind in jeder der Figuren leicht ersichtlich. Der Umfang der Scheibe ist mit großer Sorgfalt in 1000 gleiche Theile getheilt, welche durch feine Linien markirt sind. Ueberdies ist an der Scheibe eine Einkerbung vorhanden, in welche ein federnder Stift der Kurbel einfällt, wenn diese in ihrer normalen Stellung ankommt. Zur Erklärung der Handhabung dieser neuen patentirten Theilvorrichtung genügt die Vorführung einiger Beispiele. Bei denselben soll das Vorhandensein eines Schneckenrades von 200 Zähnen in der Maschine vorausgesetzt sein, wie dies bei den in Rede stehenden Scott'schen Maschinen der Fall ist. Soll nun ein Zahnrad mit 200 Zähnen geformt oder gefräst werden, so ist es nur nöthig, die auf der Schneckenwelle festsitzende Handkurbel, von ihrer normalen Stellung ausgehend, einmal herum zu drehen, bis sie wieder in die normale Stellung gelangt, wonach die Theilung für den ersten Zahn vollendet ist. Soll ein Zahnrad mit 100 Zähnen geformt werden, so wird man die Handkurbel 200 : 100 = 2 mal herum drehen und wieder in die normale Stellung führen, wonach gleichfalls die Theilung für einen Zahn ausgeführt ist. Für das Formen von 150 Zähnen muß die Handkurbel 200 : 150 = 1,333 mal herum gedreht werden, um eine Theilung zu geben. Zu diesem Zwecke wird der bewegliche Schieber mit seinem kleinen Anschlage auf 0,333 eingestellt und erst der kleine Anschlag zurück gedreht, um |332| die Handkurbel einmal vorbei gehen zu lassen. Ist diese eine Umdrehung vollendet, so wird die Drehung der Handkurbel noch fortgesetzt bis zum kleinen Anschlage, der nun die Weiterdrehung hindert. Hiermit sind aber genau 1,333 Umdrehungen gemacht, wie es verlangt war. Ist bei dieser Einstellung eine Lücke geformt, bezieh. gefräst, so wird die Schneckenwelle durch die in Figur 2 am besten ersichtliche Druckschraube festgestellt; hierauf wird die Verbindung der Handkurbel mit der Schneckenwelle durch Lüftung der Klemmschraube an ihrer Nabe (Fig. 1 und 3) bezieh. durch longitudinale Bewegung des centralen Stiftes (Fig. 2) gelöst und erstere wieder in ihre normale Stellung zurückgeführt. Bei diesem Zurückführen der Handkurbel dreht sich dieselbe lose auf der Schneckenwelle. Ist sie in ihre normale Stellung gelangt, so wird sie wieder mit der Schneckenwelle fest verbunden. Hierauf wird die Druckschraube der letztern gelüftet. Dasselbe Spiel beginnt von Neuem bei jeder weitern Theilung. Kurz gesagt, besteht also die Operation des Theilens für irgend eine Zähnezahl zunächst in dem Einstellen des beweglichen Schiebers mit dem kleinen Anschlage auf den betreffenden Theilstrich, oder aber auch zwischen zwei Theilstriche. Letzteres ist jedoch für die Erzielung praktisch hinreichender Genauigkeit fast nie erforderlich. An die Einstellung schließt sich die Umdrehung der Handkurbel, und zwar macht diese entweder nur eine oder mehrere ganze Umdrehungen, oder aber eine oder mehrere ganze Umdrehungen und einen Bruchtheil einer solchen.

Es ist leicht einzusehen, daß die Theilung auf diese Weise mit jedem beliebigen Grade der Genauigkeit bewerkstelligt werden kann. Um diese aber noch zu erhöhen, genügt schon die Anwendung eines Schneckenrades von mehr als 200 Zähnen; überdies kann noch ein zweites Schneckenrad mit zugehöriger Schnecke in die Theilvorrichtung eingeschaltet werden. Insbesondere ist es von Wichtigkeit, daß man mit dieser Theilvorrichtung auch jede beliebige Primzahl findet, wie z.B. bei einem Schneckenrade mit 200 Zähnen die Zahl 201. In dem durch dieses Beispiel gegebenen Falle ist es zur Eintheilung nur nöthig, 200 : 201 = 0,995 Umdrehungen der Handkurbel zu machen, wozu der Schieber mit dem Anschlage auf 0,995 eingestellt wird. Bei der gewöhnlichen Anordnung mit Wechselrädern ist dies eine Unmöglichkeit, wenn nicht ein Wechselrad von 201 Zähnen schon im Satze der Maschine vorhanden ist. In dem Vorgesagten liegt auch die Begründung dafür, daß die Reihe der mit der neuen patentirten Scott'schen Theilvorrichtung möglichen Eintheilungen praktisch unbegrenzt ist.

J. P.

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