Titel: Ueber Wassermesser.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225 (S. 442–449)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/ar225139

Ueber Wassermesser.

Mit Abbildungen.

(Fortsetzung von S. 142 dieses Bandes.)

46. Ein Wassermesser eigenthümlicher Construction wurde am 19. Februar 1855 Nr. 364 dem Georg Redfield Chittenden aus London patentirt. Fig. XI gibt einen Verticalschnitt dieses Apparates. Derselbe ist im Princip ein Kolbenwassermesser, bei welchem jede Reibung zwischen Cylinder- und Kolbenwand dadurch vermieden ist, daß der sich hin- und herbewegende Kolben im Wasser schwimmt und die Trennung des ober- und unterhalb des Cylinders befindlichen Wassers durch Luft oder eine mit Wasser nicht mischbare, specifisch leichtere Flüssigkeit bewirkt wird. Der Apparat besteht aus einem Metallcylinder A, in dessen oberm Theil ein kürzerer Cylinder von etwas geringerm Durchmesser dicht angelöthet ist, so daß zwischen den beiden Cylinderwänden ein geringer Zwischenraum bleibt. In der Mitte des Bodens des innern Cylinders befindet sich ein oben und unten offenes Rohr C, an dessen Seiten Luftkammern D angebracht sind. Ein unten geschlossener, oben offener Cylinder EF bildet den Kolben, dessen Seitenwände in den Raum zwischen den beiden Cylindern A und B hineinreichen. Am Boden dieses Kolbens ist ein Luftgefäß E' angebracht von solcher Größe, daß es denselben im Wasser schwimmend erhält. Die Kolbenstange G geht nach oben durch das Rohr C zu dem Steuerungs- und Registrirmechanismus. An dieser Kolbenstange G sitzen zwei in der Figur nicht sichtbare Daumen, welche ungefähr um die Länge des Hubes von einander entfernt und gegen einander verstellbar sind; diese stoßen abwechselnd am Ende jedes Kolbenlaufes gegen den Balancier I, versetzen denselben in eine schaukelnde Bewegung und veranlassen dadurch ein Schließen oder Oeffnen der Ventile P und P'. Die Federn j und J dienen dazu, den Balancier und die Ventile P und P' in ihrer jeweiligen Stellung festzuhalten. Diese Ventile führen (in der durch die Figur abgebildeten Stellung) das bei S' einströmende Wasser durch K in das Innere von B, wo es durch C auf die Oberfläche des Kolbens E gelangt. Durch das zufließende Wasser wird die in den Kästen D und in dem Zwischenraume von A und B enthaltene Luft zusammengepreßt, und zwar so lange, bis über und unter dem Kolben E der gleiche Druck hergestellt ist. Alsdann wird durch den Ueberdruck des einströmenden Wassers der Kolben sich nach abwärts bewegen, das unter dem Kolben befindliche Wasser wird durch das an der äußern Seite des

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Fig. 11., Bd. 225, S. 443

Cylinders A aufsteigende Rohr N nach oben gedrückt und fließt durch die Oeffnung O aus. Ist der Kolben an seiner tiefsten Stelle angelangt, so wird durch den gegen den Balancier stoßenden obern Daumen eine Umsteuerung erfolgen, und das Wasser fließt von S' nach N und |444| unter den Kolben E, während das über dem Kolben befindliche Wasser in das Abflußrohr gedrückt wird. In dem Raum zwischen A und B befindet sich also stets eine Luftschichte, die entsprechend dem Wasserdruck zusammengepreßt ist, und welche die Trennung der über und unter dem schwimmenden Kolben befindlichen Flüssigkeit bewirkt. Die auf- und absteigende Bewegung des Kolbens wird wie gewöhnlich durch ein Registrirwerk notirt. Die an der Kolbenstange sitzenden Daumen, welche die Umsteuerung des Balancier bewirken, können durch Stellschrauben gegen einander verschoben werden; dadurch kann man die bei jedem Hub aus dem Apparat fließende Wassermenge leicht und genau reguliren.

47. Der Wassermesser, welcher am 24. Juni 1855 unter Nr. 1166 dem William Smith aus London und Nathaniel Fortescue Taylor (von letzterm stammt auch der Wassermesser Nr. 12, Bd. 223 S. 375) patentirt wurde, ist nach Art der trocknen Gasuhren construirt. An einer senkrechten Scheidewand im Innern eines cylindrischen Gehäuses sitzen zwei birnförmige elastische Gefäße, welche durch Umstellen eines Vierweghahnes abwechselnd mit Zufluß und Abfluß in Verbindung gesetzt, demnach ausgedehnt oder zusammengepreßt werden. Die äußern Wände der beiden elastischen Gefäße drücken bei ihrer Bewegung auf zwei mit einander zu einem Parallelogramm verbundene Balancierstangen, an deren oberem Verbindungsstück zwei Daumen angebracht sind, welche das Umschlagen eines T-förmigen Hebels nach der einen oder andern Seite veranlassen. Der fallende Hebel schlägt gegen einen mit dem Vierweghahn fest verbundenen Arm und veranlaßt die Umsteuerung. Gewöhnlich combiniren die Erfinder zwei solche Apparate zu einem Wassermesser.

48. Edward Aldridge aus Boston erhielt am 25. Mai 1855 Nr. 1186 ein Patent auf einen sehr einfachen Diaphragma-Wassermesser. In ein aus zwei Kugelsegmenten zusammengesetztes Gefäß ist ein Diaphragma eingeklemmt. Am obern Theil desselben befindet sich ein Vertheilungsschieber, welcher abwechselnd eine dieser Abtheilungen mit dem Zufluß oder Abfluß in Verbindung setzt und eine Bewegung des Diaphragmas nach der einen oder andern Seite veranlaßt. Diese Bewegung wird von einer dicht durch die Wand des Gehäuses gehenden Stange, welche auf dem Mittlern Theil des Diaphragmas befestigt ist, dem untern Theil eines aufrechtstehenden Hebels mitgetheilt. Dieser Hebel trägt an seinem obern Ende ein Gewicht und ist mit einem horizontalen Schlitz versehen, in welchen ein auf der Stange des Vertheilungsschiebers sitzender Stift eingreift. Sobald das Diaphragma |445| seine Ausbiegung nach der einen Seite vollendet hat, wird das Gewicht nach der andern Seite fallen, der Hebel stößt auf die Stange des Vertheilungsschiebers, und es erfolgt die Umsteuerung.

49. David Chadwick aus Salford, Herbert Frost, Georg Hanson und John Chadwick aus Manchester. Das Patent der Genannten Nr. 2173 vom 29. September 1855 repräsentirt eine weitere Entwicklung der unter 19 (S. 255 Bd. 224) und 40 (S. 140 Bd. 225) beschriebenen Wassermesser, bei welchen durch den Ueberdruck des einströmenden Wassers ein elastisches Gefäß aufgebläht und eine Walze, welche dasselbe zusammenpreßt, in der Richtung des Wasserlaufes fortgerollt wird. Die Erfinder beschreiben zwei verschiedene Anordnungen solcher Wassermesser: 1) Die untere Hälfte eines wagrecht liegenden Cylinders ist innen mit einer elastischen Platte ausgekleidet; auf der einen Seite tritt das Wasser zwischen die Wand und die elastische Membran ein und gelangt an der diametral entgegengesetzten Seite zum Ausfluß. Im Innern des Cylinders befindet sich eine um ihre Achse drehbare Trommel, an deren Umfang in gleichen Abständen drei Walzen angebracht sind, welche die elastische Membran gegen die feste Wand des Gehäuses pressen. Das hinter einer Walze unter Druck einströmende Wasser erzeugt eine Ausbauchung der Membran, diese schiebt die Walzen vor sich her und versetzt dadurch die Trommel in Umdrehung. Die Achse dieser Trommel trägt eine Schraube ohne Ende, welche die Bewegung einem Zählwerk mittheilt. – 2) Bei der zweiten Modification ist ein elastisches Band in der Weise um einen Cylinder herumgelegt, daß von jenem und der Cylinderwand ein Raum abgeschlossen wird, der am einen Ende mit dem Innern des Cylinders, am andern um den Cylinderumfang davon entfernten Ende mit dem Gehäuse des Wassermessers communicirt. Dieses Band wird durch eine feststehende, um ihre Achse drehbare Rolle gegen die Cylinderwand gedrückt. Strömt Wasser aus der hohlen Achse des Cylinders in den Hohlraum, der durch die Rolle abgeschnürt wird, so erfolgt eine dem Wasserlauf entgegengesetzte Drehung des Cylinders, welche durch ein Zählwerk notirt wird.

50. Richard Archibald Brooman erhielt am 19. November 1855 ein Patent Nr. 2604 auf einen Wassermesser mit zweikammerigem Kippgefäß. Der Erfinder glaubt seinen Apparat auch für Hochdruckleitungen gebrauchen zu können, wenn er das Kippgefäß mit einem dicht schließenden Gehäuse umgibt, in welchem sich die Luft comprimirt. Bei längerm Gebrauch des Apparates wird die Luft von dem Wasser absorbirt werden und der Apparat würde dann nicht mehr functioniren; |446| deshalb muß der Wassermesser von Zeit zu Zeit durch eine am Boden angebrachte Oeffnung entleert und wieder Luft zugelassen werden.

51. Am 30. November 1855 Nr. 2700 nahmen John Ramsbottom aus Accrington und John Charles Dickinson aus Blackburn ein Patent auf einen Diaphragma-Wassermesser mit zwei linsenförmigen Kammern, welche durch horizontale elastische Scheidewände in je zwei Hälften getheilt sind; in der Mitte jeder Scheidewand ist eine Stange befestigt, welche an einer Kurbel wirkt und die Hauptachse in Umdrehung versetzt. Durch ein auf der Hauptachse sitzendes Zahnrad wird ein Hahn mit vier Bohrungen gedreht, welcher die beiden Abtheilungen der Kammern abwechselnd mit Zufluß oder Abfluß in Verbindung setzt. Die Umdrehungen der Hauptachse werden auf ein Zählwerk übertragen und dadurch die Menge des durch den Apparat strömenden Wassers gemessen.

Fig. 12., Bd. 225, S. 446

52. Das Princip, nach welchem die Wassermesser construirt sind, die von Edward O. W. Whitehouse aus Brighton unter Nr. 2828 |447| am 14. December 1855 patentirt wurden, ist nicht neu, doch sind die einzelnen Theile in sehr zweckmäßiger Weise angeordnet. Figur XII zeigt einen von den im Patent beschriebenen und abgebildeten Apparaten im Verticaldurchschnitt. Eine horizontale Scheibe A trägt an ihrem Umfang eine Anzahl kreisförmiger Flügel C, welche sich in einem ringförmigen Canal D frei bewegen können. Der letztere besitzt überall gleichen Querschnitt und hat nach innen einen Schlitz, um die Scheibe A durchzulassen. Das Wasser tritt durch M in tangentialer Richtung in den ringförmigen Canal, versetzt die Scheibe mit den Flügeln in Umdrehung und verläßt den Apparat durch einen ringförmigen Ausschnitt unterhalb A. Um bei der Uebertragung der rotirenden Bewegung auf das Zählwerk jede Reibung zu vermeiden, geschieht dieselbe nach dem Vorschlage von Siemens durch zwei Magnete E, welche sich mit der Scheibe A im Kreise bewegen und auf einen andern Magnet an dem Zählwerk im Gehäuse O wirken. Die erstern sind in einen Kasten GH eingeschlossen, um das Wasser abzuhalten. Die ganze Vorrichtung ist an der Achse I, welche mit einer Spitze J in einer Stahlpfanne läuft, gewissermaßen aufgehängt. Die Achse I ist ebenfalls von einem wasserdichten Gehäuse K umschlossen, welches mit Oel ausgefüllt ist, um die Reibung der Stahlspitze in der Pfanne zu vermindern.

Fig. 13., Bd. 225, S. 447

53. Das Patent von Henry Worthington aus New-York, Nr. 122 vom 16. Januar 1856, bezieht sich auf einen Kolbenwassermesser, dessen eine Hälfte in Fig. XIII im Durchschnitt dargestellt ist. Statt eines massiven Kolbens bewegen sich in jedem Cylinder zwei Scheiben d₁ und d₂, welche durch eine Stange c' fest mit einander verbunden sind. Die Steuerung des Wasserlaufes wird durch eine dritte Scheibe G' |448| bewirkt, welche zwischen den beiden auf derselben Achse befestigt ist und in eine vertiefte Rinne des Vertheilungsschiebers D' eingreift, der auf der innern Wand des Cylinders gleitet. Am Ende jedes Kolbenhubes stößt diese Scheibe gegen den Vertheilungsschieber und steuert um. Zwei solcher Cylinder sind nun in der Weise in dem Apparat verbunden, daß die Räume zwischen den als Kolben wirkenden Scheibenpaaren communiciren. In diese Räume tritt das Wasser aus dem Zuleitungsrohr ein und gelangt durch den Vertheilungsschieber des einen Kolbencylinders abwechselnd nach den beiden Enden des andern Cylinders. Die mittlere Scheibe des ersten Cylinders dient demnach dem zweiten Cylinder als Steuerung. Dadurch, daß die beiden Scheibenpaare bei der Thätigkeit des Apparates sich in verschiedenen Phasen des Hubes befinden, wird ein Stillstehen des Apparates auf dem todten Punkt vermieden und die Bewegung continuirlich.

54. Der Kolbenwassermesser von Thomas T. Jopling, Patent Nr. 505 vom 27. Februar 1856, besteht aus zwei Cylindern, welche so angeordnet sind, daß der Vertheilungsschieber des einen direct von der Kolbenstange des andern Cylinders bewegt wird. Zu dem Ende ist an zwei einander zugewendeten Seiten der Kolben je eine Stange befestigt, welche durch eine Dichtung des Cylinders hindurchgeht und außen zwei Nasen trägt, die am Ende des Kolbenlaufes gegen einen Stift des Vertheilungsschiebers stoßen und die plötzliche Umsteuerung bewirken. Der ganze Apparat ist von einem wasserdichten Gehäuse umgeben, in welches das Zuflußrohr einmündet. Von hier aus wird das Wasser durch die Schieberventile nach den beiden Meßcylindern geleitet, und das bei jedem Kolbenlauf verdrängte Wasser gelangt in ein gemeinschaftliches Ausflußrohr. Das Zählwerk wird durch die eine Kolbenstange in Bewegung gesetzt, welche zu diesem Zwecke eine Nuth mit schrägen Flanken hat, in die immer je ein Zahn des Antriebsrades vom Zählwerk tritt. Der Apparat ist ausführlich in diesem Journal, * 1857 146 334 beschrieben und abgebildet.

55. Die Eigenthümlichkeit des Wassermessers von Joseph und Alfred Sturge Nr. 608 vom 13. März 1856 besteht in der Anwendung eines Rades mit schraubenförmig gewundenen Flügeln, nach Art der Schiffsschrauben, dessen Achse in einen Hohlcylinder senkrecht eingesetzt ist. Durch diesen cylindrischen Canal strömt das Wasser; bevor es jedoch auf die Flügel des Rades gelangt, wird es durch eine siebartig durchlöcherte Platte in einzelne Strahlen getheilt, welche die Bildung von Wirbeln verhüten und das Wasser senkrecht auf die Flächen |449| der Flügel führen. Die Achse des Flügelrades geht durch eine Stopfbüchse am obern Theil des Gehäuses und setzt durch eine Schraube ohne Ende ein Zählwerk in Bewegung.

(Fortsetzung folgt.)

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