Titel: Bode, über Concentration von Schwefelsäure.
Autor: Bode, Friedrich
Fundstelle: 1877, Band 225 (S. 491–500)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/ar225147

Ueber Concentration von Schwefelsäure auf 60° B. und über Denitrirung der nitrosen Schwefelsäure des Gay-Lussac'schen Apparates; von Fiedr. Bode, Civilingenieur in Hannover.

(Schluß von S. 382 dieses Bandes.)

4) Der Gloverthurm zum Concentriren und Denitriren benutzt, aber bei minderer Concentration der Röstgase an schwefliger Säure.

Bei den bisher beschriebenen Untersuchungen waren die Röstgase von normaler Concentration an schwefliger Säure von durchschnittlich 7,5 Vol.-Proc. Die Temperatur dieser Gase war eine sehr mäßige, jedenfalls eine solche, wie sie auch bei Verbrennung von armem Erzen, |492| Blei und Kupferstein den Röstgasen reichlich beiwohnt, wenn man sich mit dem Abstande des Gloverthurmes von den Röstöfen entsprechend einrichten kann. Ob es aber bei Verbrennung der genannten Materialien immer räthlich ist, die Röstgase möglichst heiß, also auf kurzen Wegen zu einem Gloverthurme zu führen, darüber wird im Abschnitt D noch Einiges zu sagen sein.

Ich würde nicht im Stande gewesen sein, noch weitere Untersuchungen vorzunehmen, besonders solche, durch welche auch der Einfluß von Röstgasen mit geringem Gehalt an schwefliger Säure auf die Functionen des Gloverthurmes festgestellt werden konnte, wenn nicht einer der Röstöfen schadhaft geworden wäre – ein Zufall, welcher für den Betrieb höchst verdrießlich, mir in dem Bestreben, den Einfluß von Röstgasen mit geringer Concentration an schwefliger Säure kennen zu lernen, Vorschub geleistet hätte. In der ersten 8tägigen Periode des so gestörten Betriebes, in welcher man mit Gasen von 6 bis 5 Vol.-Proc. schwefliger Säure arbeiten konnte, ergab sich die Temperatur der in den Thurm eintretenden Gase zu 150° im Mittel. Die ablaufende, völlig denitrirte Säure zeigte etwa 95°, die Temperatur der Pfannensäure sank, jedoch auch mit aus dem Grunde, weil die Kammersäure weniger vorgewärmt angewendet wurde. Es wurden auf den Thurm gedrückt 349,50 Ctr. Kammersäure von 51° = 287,50 Ctr. von 60°; mithin ist die tägliche Leistung 35,90 Ctr. 60°-Säure und die tägliche Verdampfung 7,75 Ctr. Wasser. In der zweiten Periode von 4 Tagen ergab sich Folgendes: Gehobene Säure 156,70 Ctr. 51°, welche 128,90 Ctr. 60°-Säure entsprechen; also tägliche Leistung an 60°-Säure 32,20 Ctr., an Wasserdampf 6,90 Ctr. Die Temperatur der Röstgase am Thurme war nur noch gegen 145°; die Denitrirung blieb vollkommen.

Die Zusammenstellung der ökonomischen Resultate, welche mit dem Gloverthurme zu erzielen sind, brauche ich hier nicht durchzuführen für solche Apparate, welche mit heißen Gasen hohe Leistung erzielen, da, wie auch die Motive des Ausschreibens betonen, für diese Fälle die Nützlichkeit des Gloverthurmes anerkannt ist. Es sei hier nur angeführt, daß die Concentration in derartigen Thürmen noch billiger ist als in mit Abhitze erwärmten Bleipfannen. Denn rechnet man das Anlagekapital eines Thurmes, wie ihn Lunge beschrieben hat, für unsere Verhältnisse mit 10000 M. und setzt die Ersparniß an Dampf für die Bleikammern gleich dem Dampfverbrauch zum Heben der Säure, so kosten bei 10 Proc. Instandhaltung des Apparates 75000 Ctr. 60°-Säure, welche der Thurm jährlich erzeugt, 1000 M., oder 1 Ctr. 60°-Säure 1,25 Pf., womit man im Durchschnitt diejenigen Auslagen erschöpft hat, auf welche bei frühern |493| Berechnungen ebenfalls nur Rücksicht genommen ist. Die Denitrirung hätte man dabei frei, unbelastet von irgend welchen Kosten.

Ich beschränke mich also hier lediglich auf eine genauere Ermittlung von ökonomischen Resultaten für solche Fälle, wo der Thurm betrieben wird mit ziemlich gekühlten und an schwefliger Säure wenig concentrirten Röstgasen, und halte dafür diejenigen Preise und Löhne bei, welche auch früher schon der Vergleichung wegen constant angesetzt sind. Ich will für diese Ermittlungen eine doppelte tägliche Leistung des Thurmes zu Grunde legen, das eine Mal 40 Ctr., das andere Mal 30 Ctr. 60°-Schwefelsäure, womit ich in beiden Fällen unterhalb der Resultate bleibe, welche in Vorstehendem ermittelt sind für normalen Betrieb des Thurmes und für einen Betrieb mit armen Röstgasen. Es wird sich überdies auch ferner zeigen, daß der untersuchte Thurm zufolge der Einrichtungen, welche die Beschaffenheit des verbrannten Schwefelkieses nöthig machte, viel ungünstiger gestellt ist, als Thürme zu sein brauchen, welche mit schwefelarmen Erzen, Blei und Kupferstein arbeiten, und daß also die ermittelten ökonomischen Resultate für Minima angesehen werden müssen, welche leicht werden überschritten werden können, sobald man nicht in Folge von kleiner Korngröße des zu verbrennenden Materials nöthig hat, auf Vorrichtungen zu denken, welche mit dem Absatze des Staubes auch eine unerwünschte Abkühlung der Gase herbeiführen.

Ich setze für die Abnutzung des Thurmes, über welche überhaupt kaum noch etwas Bestimmtes anzugeben ist, 10 Proc. des Neuwerthes und bin überzeugt, damit reichlich angesetzt zu haben. Dann ist die jährliche Ausgabe 650 M. Es mag sein, daß die Bedienung des Gloverthurmes etwas mehr Lohn erfordert als die von Kochtrommeln und von Cascaden. Dafür ist aber durch den Thurm wiederum der Kesselheizer entlastet, und da bei den Kochtrommeln und den Cascaden Arbeitslohn nicht eigens ausgeworfen ist, so hat es auch hier zu unterbleiben. An sonstigen Kosten sind noch folgende zu nennen: 75 Ctr. nitrose Schwefelsäure von 60° B. sind in das Gefäß über dem Thurme, etwa 15m hoch, zu heben. Desgleichen sind noch an Kammersäure von 50° B. zu heben 37 resp. 50 Ctr., ebenfalls 15m hoch.

Vergleicht man nun mit diesen gesammten Ausgaben für die Regeneration der Salpetergase beim Gloverthurm diejenigen, welche analog für Kochtrommeln und Cascaden ermittelt worden sind, so zeigt sich, daß, wenn alle Betriebskosten, welche der Gloverthurm verursacht, nur seiner denitrirenden Thätigkeit zur Last geschrieben werden, die Denitrirung noch immer billiger, ganz gewiß aber nicht theurer im Gloverthurm erfolgt als in Kochtrommeln oder auf Cascaden, selbst wenn man für |494| die Wiederverstärkung der verdünnten denitrirten Schwefelsäure auf 60° B. nur diejenigen ansetzt, welche sich bei Eindampfung auf Röstöfen ergeben.

Da Abnutzung, Löhne und sonstige Ausgaben bereits der Denitrirung angerechnet sind, so hat man die Concentration im Gloverthurm völlig unbelastet, und sie entspricht für den beschriebenen, wenig leistenden Thurm einer Geldersparniß, die man, wie folgt, veranschlagen kann. 30 resp. 40 Ctr. 60°-Schwefelsäure würden in Schlangenkästen concentrirt (1 Ctr. zu 10 Pf.) 3 bezieh. 4 M. kosten, was jährlich (bei 320 Betriebstagen) mit 960 resp. 1280 M. Auslagen gleich bedeutend sein würde. An Wasserdampf würde der Gloverthurm täglich 7 bezieh. 10 Ctr. in die Bleikammer entsenden oder jährlich 2240 bezieh. 3200 Ctr. Rechnet man auf 1k Kohle nur 5k,5 Dampf, so wäre die Kohlenersparniß für das Jahr 407 bezieh. 582 Ctr. oder (bei 75 Pf. für 1 Ctr.) 305 bezieh. 439 M. Bei völlig freier unbelasteter Concentration im Gloverthurme würde also der Geldgewinn für die angenommenen Leistungen jährlich immer noch 1265 bezieh. 1719 M. betragen, wobei die Entlastung des Dampfkessels noch nicht mit veranschlagt ist.

Man sieht, daß, wenn man die Ausgaben für Kochtrommeln und Cascaden neben diejenigen des Gloverthurmes setzen wollte, die letztern mit einem negativen Vorzeichen zu behaften wären. Hiernach ist es evident, daß der Gloverthurm, im Allgemeinen gesprochen, auch dann noch ein nützlicher Apparat bleibt, wenn nur wenig heiße und an schwefliger Säure wenig concentrirte Gase zur Verfügung stehen, bei welchem man von Nachtheilen nicht eigentlich reden kann. Gleichwohl dürfte er nicht überall am Platze sein, und ich möchte wenigstens die beiden Fälle, wo sich seine Anwendung verbietet, oder doch mit Einschränkung anzunehmen ist, kurz anführen.

Die von dem Gloverthurme ausgegebene 60°-Schwefelsäure ist verunreinigt 1) durch die organischen Substanzen, welche die nitrose Schwefelsäure aus der Kokesfüllung des Gay-Lussac-Apparates extrahirt hat, 2) Schwefelkiesverbrennung vorausgesetzt – durch Eisen.

Die organischen Substanzen färben die Säure braun und die Färbung ist sehr dunkel, wenn man es mit einem neugefüllten Gay-Lussac und mit frischen Kokes zu thun hat; lichter dagegen, wenn die Kokes schon länger in diesem Apparate gedient haben. Auch ist die Färbung ohne Zweifel lichter, wenn der Gloverthurm hohe Leistung an concentrirter Säure gibt, weil alsdann die färbende Substanz in einem größern Volum vertheilt ist; dunkler, wenn die Leistung gering ist. Der beschriebene Thurm gab anfangs fast schwarze Säure. Die Braunfärbung verschwindet nur sehr langsam. Wer somit helle und klare Säure nöthig |495| hat, der muß sie wenigstens für den Anfang nicht im Gloverthurme gewinnen wollen. Abhelfen ließe sich dieser Braunfärbung übrigens dadurch, daß man den Gay-Lussac-Apparat statt mit Kokes mit einer andern nicht färbenden Füllung versieht. Es ist dabei aber zu bemerken, daß es kaum irgend ein anderes billiges Material geben dürfte, welches sich in Hinsicht auf Porosität und Widerständigkeit gegen Säure so gut zur Ausfüllung dieser Thürme eignet, als grade Koke.

Was die Verunreinigung durch Eisen anbetrifft, so fehlt dieselbe wohl keiner rohen, durch Schwefelkiesverbrennung erzeugten Schwefelsäure. Aber die Verunreinigung ist bei Anwendung eines Gloverthurmes meist stärker als sonst. Wenn derselbe die ganze Production an Kammersäure auf 60° B. verstärkt, so könnte man vielleicht schließen, daß die Höhe des Eisengehaltes dieselbe sei, als wenn die Kammersäure anderweit auf 60° B. gebracht wäre, weil nämlich dieselbe Menge Staub, die beim Fehlen des Thurmes in die Kammersäure geflogen wäre, nun einfach im Thurme zurückgehalten und in der äquivalenten Menge 60°-Säure vertheilt ist. Dieser Schluß würde aber in den meisten Fällen falsch sein und zwar, weil man, ohne Gloverthurm arbeitend, die heißen Gase abkühlen lassen muß, ehe sie in die Kammer gehen, und diese Abkühlung wenigstens gewöhnlich durch längere Canäle, auch durch besondere Kühlkammern (welche bald bereits Säure erzeugen, bald nicht) erfolgt, wobei zugleich auch ein besserer Absatz des Staubes erzielt wird. Vermehrt aber gradezu wird der Eisengehalt der 60°-Säure auch dann noch bei solchen Thürmen, die nur einen Theil der Production auf 60° B. verstärken. Dieser Theil ist, wenn man so sagen darf, mit der Eisenmenge extra belastet, welche der Thurm vermöge seiner Einrichtung zurückzuhalten sehr geeignet ist, und um welche dafür der Rest an Kammersäure entsprechend entlastet wird. Wenn man also auf relativ eisenfreie 60°-Säure zu sehen hat, so ist entweder der Gloverthurm gar nicht oder nur dann am Platze, wenn man ihn weit genug von den Oefen abstellt und nicht mit möglichst heißen Gasen betreibt.

Weitere Einschränkungen allgemeiner Natur für die Anwendung des Gloverthurmes wüßte ich nicht zu machen, selbst nicht für feinen Schwefelkies. Als besondere Annehmlichkeiten des Apparates sind noch folgende hinzustellen. Zunächst macht er die Anlage von besondern Kühlkammern entbehrlich, welche zur Kühlung der Gase häufig angewendet werden. Sodann vermag er über 60° zu concentriren – ein Vortheil, der sich allgemein schwer in Geld abschätzen läßt, aber unter Umständen sehr hoch geschätzt werden muß. Endlich denitrirt er auch eventuell mit die empfangene Kammersäure.

|496|

Ueber die Frage, ob man bei Anwendung des Gloverthürmes wegen Reduction der Stickstoffsäuren zu Stickoxydul oder Stickstoff, mehr Salpeter oder Salpetersäure braucht als ohne denselben, kann ich exacte Angaben nicht machen. Und unter solchen würde ich nur Resultate verstehen können, welche gewonnen sind an ein und demselben Bleikammersystem, welches unter denselben Verhältnissen einmal mit, das andere Mal ohne Gloverthurm gearbeitet hat. Nur so viel kann ich sagen, daß mir an dem Bleikammersysteme, zu welchem der beschriebene Thurm gehört, keineswegs ein vermehrter Salpetersäureverbrauch aufgefallen ist. Dagegen sind auf den Schwefelsäurefabriken zu Oker Versuche zu dem Zwecke angestellt worden, zu ermitteln, ob Bleikammern, mit Gloverthürmen betrieben, in der That mehr Salpersäure bedürfen, als ohne dieselben. Ich bin nicht in der Lage, Zahlen anzugeben, aber es hat sich herausgestellt, daß der Salpetersäurebedarf sich eher zu Gunsten der Gloverthürme, als zu ihrem Nachtheile gestellt hat. Die Thürme zu Oker gehen, wie man sehen wird, ziemlich heiß. Ich theile zum Schlusse noch einiges über andere Gloverthürme mit.

a) Ein cylindrischer Thurm von 5m totaler Höhe und 2m Durchmesser des Bleimantels, welcher innen auf die ganze Höhe 1 Stein stark mit scharf gebrannten Kranzsteinen ausgesetzt ist, gehört zu einem Kammersystem, welches die Röstgase empfängt von 32 Ctr. westphälischem Schwefelkies von Altenhundem und 18 Ctr. Thonstöckeln (bereitet aus 150 Th. Thon auf 1000 Th. Schwefelkiesabfälle von 30 Proc. Schwefel). Bei 37 Ctr. zu zersetzender nitroser Schwefelsäure kann der Thurm eine Extraleistung an 60°-Säure von rund 16 Ctr. täglich geben, die aber, da man nur Kammersäure zur Düngerfabrikation braucht, nicht gewünscht wird, weshalb man theilweise Wasser mit der nitrosen Säure in den Thurm laufen läßt. Direct über dem Thurme haben die Gase im Ausgangsrohre, welches in der Thurmdecke angesetzt ist, eine Temperatur von 110°.

b) Auf den Hütten zu Oker gehen eine Reihe von Gloverthürmen mit armen und mit reichen Erzen. Ich nahm mit gütiger Erlaubniß des Betriebsdirigenten an 5 Thürmen Temperaturmessungen vor und erhielt am Kopfe des Thurmes

A
B
35°
32°
gehen mit Gasen
aus armen Erzen.
C
D
E
50°
49°
45°
gehen mit Gasen
aus reichen Erzen.

Die armen Erze haben einen Schwefelgehalt von 27 Proc. im Ganzen, davon indessen nur 22 Proc. an Eisen gebunden, der Rest ist in Blende und Schwerspath vorhanden. Der Schwefelgehalt der reichen Erze ist |497| 40 Proc., und zwar zum allergrößten Theile an Eisen, im Uebrigen an Kupfer gebunden.

Die zu den Thürmen A und B gehörigen Bleikammern erzeugen täglich jede 67,5 Ctr. 60°-Schwefelsäure, monatlich 2500 Ctr. Kammersäure von 50° B. Die Thürme haben 1m,88 zu 1m,88 Basis, sowie 5m,71 totale Höhe. Bei E ist die Basis 2m,5 zu 2m,5. Sie sind 157mm stark, mit Steinen ausgesetzt und mit Quarzbrocken ausgefüllt. Für eine Anzahl Thürme hat man unten durchbrochene Gewölbe gewählt, unterhalb deren das Gasrohr einmündet; für andere hat man lediglich größere Quarzstücke gewölbartig gesetzt und das Gasrohr in die erhaltene Höhlung eingeführt. Die Gase aus armen Erzen haben 5 Vol.-Proc. schweflige Säure und zeigten 3 bis 3m,5 hinter den Oefen, jedoch noch 2,5 bis 3m vor dem Thurme, 250 bis 280°. Die Abkühlung bis zu dem Thurme selbst kann nur unerheblich sein, weil der Gascanal im Terrain liegt, aus welchem erst dicht am Thurme das Gasrohr etwas mehr als 1m hoch aufsteigt.

Die Thürme gaben sämmtlich am Ablauf jeder etwa 120 Ctr. 60°-Schwefelsäure, wovon 70 Ctr. als nitrose Schwefelsäure aufgegeben werden. Die selbstständige Leistung ist also 50 Ctr. 60°-Säure aus Kammersäure von 50° B. Wenn man sie nur zum Concentriren benutzte, so gaben sie täglich 60 Ctr. 60°-Säure aus 48°-Kammersäure, 70 Ctr. 60°-Säure aus 50°-Kammersäure.

Die Thürme leisten 50 Ctr. 60°-Säure bei einer Production der Kammern von 67,5 Ctr. 60°-Säure. Um die Leistung zu erhöhen, wäre eine Vergrößerung derselben unnütz, da die (armen) Gase (bei 22° Lufttemperatur) bereits mit 35° und 32° austreten. Würden die Thürme aber noch näher an die Oefen gestellt, also mit heißen Gasen betrieben, oder würde vielleicht auch nur die Menge der nitrosen Schwefelsäure reducirt, so daß ein weniger großes Volum Säure zu erwärmen wäre, so würde auch bei so armen Gasen, wie sie hier disponibel sind, die Leistung des Thurmes an 60°-Säure die Production des Bleikammersystems ganz oder doch nahezu ganz erreichen.

c) Auf einer belgischen Fabrik fand ich zwei Gloverthürme von 8m,9 Höhe und 2m,5 zu 2m,5 Grundriß von Blei zu Blei. Sie sind innen ausgesetzt bis zur halben Höhe 1 1/2 Stein stark, darüber 1 Stein stark und ausgefüllt mit Feuersteinbrocken. Das äußere Gerüst ist gänzlich in Winkeleisen construirt. Die Bleikammern, zu welchen die Thürme gehören, bedingen (eine jede) einen täglichen Verbrand von 7200k Schwefelkies von 42 Proc. Schwefel. Das eine System geht mit Graupenöfen Walter'scher Construction, das andere mit Stückkiesöfen. Auf |498| den letztern ist eine ausgedehnte Anlage von Bleipfannen, bei den erstern hinter den Oefen (und also vor dem Thurme) eine Staubkammer vorhanden, so daß die Gase ziemlich gekühlt in die Thürme treten. Temperatur der eintretenden Gase?, der austretenden 45 bis 50°. Die Verdampfung an Wasser pro Thurm und Tag beträgt im großen Durchschnitt 530k. Man entledigt sich in derselben Fabrik auch der schwachen Destillatsäure von den Platinapparaten, indem man sie in den Gloverthürmen zur Verdünnung der nitrosen Schwefelsäure verwendet. Auch gehört die Fabrik zu denjenigen, welche die Salpetersäure flüssig mit in den Gloverthurm geben, der nitrosen Schwefelsäure beigemengt. Auf ganz besondere Anfrage meinerseits und mit Hinweis auf die Versuche Vorster's wurde mir bemerkt, daß der Salpetersäureverbrauch nicht höher sei, als man es von sonsther ohne Thurm gewohnt ist. (Vgl. S. 474.)

d) Folgende Notizen rühren von einem Gloverthurme der Kupferkammerhütte bei Hettstedt her. Das mit Mansfelder Kupfer(roh)stein betriebene Kammersystem leistet 150 Ctr. Kammersäure von 50° B. in 24 Stunden bei Röstgasen von 5,5 Vol.-Proc. schwefliger Säure, welche aus Kilns herrühren. Der Gloverthurm steht 6m,28 von den Oefen entfernt; der verbindende Canal ist gut geschützt und extra überdacht. Temperatur der Eintrittsgase 140 bis 150°, der Austrittsgase 40 bis 50°. Der Thurm wird nicht zum Denitriren, sondern nur zum Concentriren und Entselenisiren der Kammersäure benutzt (da bekanntlich selenige Säure durch Einwirkung von schwefliger Säure reducirt und Selen ausgefällt wird, wozu sich der Gloverthurm vortrefflich eignet). Je nach der Jahreszeit bringt der Thurm, der überdies nur zum Vorconcentriren verwendet wird, 120 bis 150 Ctr. 50°-Säure auf 55° B. (kalt gemessen). Läßt man ihn 60°-Säure fertig stellen, so ist die tägliche Leistung nur 60 bis 75 Ctr. von 60° B.

D) Temperaturen und Concentration der Röstgase an schwefliger Säure, welche man erzielen kann bei der Röstung von armen Erzen, Blei- und Kupferstein.

Ich habe zum Schlusse nur noch einige Daten anzuführen, welche sich beziehen auf die Temperatur und die Concentration der Röstgase an schwefliger Säure, welche man bei der Abröstung von armen Erzen, Blei- und Kupferstein erhalten kann. Verschiedene von diesen Daten sind nur zu recapituliren, da sie im Vorigen bereits enthalten.

Arme Erze. Zu Oker geben arme Erze mit 27 Proc. Schwefel im Ganzen, wovon aber nur 22 Proc. an Eisen gebunden, der Rest in Zinkblende und Bariumsulfat vorhanden ist, Röstgase mit 5 Vol.-Proc. |499| schwefliger Säure. Dieselben haben bei etwa 3m,5 Entfernung von den Oefen noch 250 bis 380° Temperatur. – Ein Schwefelkies von 38 Proc. Schwefel liefert Gase von 7,5 Vol.-Proc. schwefliger Säure, welche 2m hinter dem letzten Ofen eine Temperatur von 240° haben. Die Oefen sind lebhaft rothglühend. Derselbe Fabrikant, welcher mir diese Mittheilung macht, verarbeitet auch arme Kiese von 18 bis 20 Proc. Schwefelgehalt und fügt hinzu, daß die Oefen, welche dieses Material verarbeiten, in demselben Grade glühen wie die vorigen. – Auf einer Fabrik, welche 22proc. Kiese verbrennt, wurden in die Canäle unter den Bleipfannen, welche über den Kilns stehen, Bleibleche auf Thonscherben eingeschoben. Das Ofengewölbe und die obere Schicht der Röstpost sind rothglühend, das Blei war aber nicht zum Schmelzen zu bringen, jedenfalls wegen der starken Wärmeentziehung seitens der Bleipfannen.

Bleistein. Derselbe läßt sich mit Röstgasen von 5 bis 5,5 Vol.-Proc. schwefliger Säure in Kilns abrösten. In den Füchsen hinter den letztern sprangen behufs Temperaturbeobachtungen eingelassene Glasthermometer wegen zu hoher Temperatur; man darf also wohl zum mindesten 300° annehmen. 3m vom letzten Kiln, aber schon inmitten einer sehr geräumigen Staubkammer, welche reichlich Wärme ausstrahlt, ist die Temperatur der Gase nur noch 110°.

Kupferstein. Röstgase aus Mansfelder Kupferrohstein mit etwa 34 Proc. Kupfer, 28 Proc. Eisen und 28 Proc. Schwefel, in Kilns erhalten, zeigen etwa 6m hinter dem letzten Kiln noch 140 bis 150° Temperatur bei 5,5 Vol.-Proc. schwefliger Säure.

Aus diesen Angaben geht hervor, daß an sich sowohl die Temperatur, wie auch die Concentration der Röstgase an schwefliger Säure ausreichend für einen durchaus nutzbringenden Betrieb des Gloverthurmes bei Anwendung von armen Erzen, Blei und Kupferstein wären. Gloverthürme könnten bei diesen Materialien, indem man sie nur nahe genug an die Oefen stellt, noch mit heißeren Gasen arbeiten, als der von mir beschriebene Thurm für Betrieb mit Kiesgraupen, und würden dann auch noch bessere Leistungen ergeben, wie dies die Mittheilungen von den Okerschen Thürmen mit armen Erzen und von dem Mansfelder Thurme mit Kupferstein in der That ausweisen. Ob man aber gleichwohl bei diesen Materialien immer gut thun wird, etwa beabsichtigte Gloverthürme möglichst heiß zu betreiben, das wird immerhin sehr von der Natur des betreffenden Erzes oder Productes abhängig bleiben. Sind die Erze oder Steine – auch bei der Röstung in Formen von Stuffwerk – in der Hitze sehr zu Staubbildung geneigt und sind kostbare Metalle darin enthalten, so wird man vorziehen, Staubkammern oder lange Canäle |500| anzuwenden, womit ein intensiver Gang des Gloverthurmes fortfällt. Hat man es ferner mit stark arsenhaltigen Producten oder Erzen zu thun, so muß man ebenfalls zu größern Staubkammern greifen, schon weil die arsenige Säure die Canäle oder Rohrleitungen oder den Thurm selbst verstopfen würde, und auch hier kann man also den Gloverthurm nur mit der Hoffnung auf mäßige Leistung anwenden.

Man kann daher sagen, daß der Gloverthurm, etwa zwei Fälle ausgenommen, welche früher näher ausgeführt sind, sei es zum Concentriren allein, sei es zum Concentriren und Denitriren allgemein mit Nutzen in der Schwefelsäurefabrikation anwendbar ist und daß er in dieser allgemeinen Anwendbarkeit direct hinter dem Gay-Lussac-Apparat rangiren dürfte, für dessen Anwendung ich allerdings gar keine Einschränkungen zu machen wüßte.

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