Titel: Hall's Pulsometer.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225/Miszelle 1 (S. 102–103)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/mi225mi01_1

Hall's Pulsometer.

Es scheint in den mechanischen Bestrebungen unserer Zeit eine archaistische Tendenz Platz greifen zu wollen, indem alte und anscheinend längst aufgegebene Constructionen wieder aufgenommen und mit Erfolg durchgeführt werden. So feiert die Zahnstangenbewegung der Locomotiven seit Riggenbach's genialer Rigibahn alljährlich neue Triumphe, und nicht selten hört man dieses Princip als den Ausgangspunkt einer neuen Aera der Gebirgsbahnen preisen, obwohl doch, wie allgemein bekannt, der große Aufschwung, welchen die Locomotive seit Anfang dieses Jahrhunderts genommen, grade nur durch das Verlassen des Zahnstangeneingriffes und durch die Anwendung der Adhäsion allein ermöglicht wurde.

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Und in gleicher Weise begegnen wir jetzt der „ältesten Dampfmaschine“, wie sie Savery am Ende des 17. Jahrhunderts patentiren ließ, wieder, in der Gestalt der epochemachenden amerikanischen Erfindung des Pulsometers (1876 223 564). Es sei fern von uns, die Verdienste des Erfinders H. Hall zu schmälern, der Jahre langes ernstes Streben und ein Vermögen geopfert hat, bis er das Pulsometer zu dem jetzt erreichten Grad von Vollkommenheit brachte; aber es dürfte wohl schwer zu läugnen sein, daß an und für sich das Pulsometer ein zwar constructiv vollkommenes, aber physikalisch höchst unvollkommenes Instrument ist, das unter gar keinen Umständen mit einer wirklichen Dampfmaschine im ökonomischen Effect verglichen werden kann – ebensowenig in seiner Leistungsfähigkeit mit dem Injector. Es scheint den zahlreichen Lobrednern der neuen Erfindung ganz entgangen zu sein, daß ein Injector constructiv noch einfacher, theoretisch aber vollkommen die Function des Wasserhebens oder Ansaugens erfüllt, und daß er dabei den Vortheil hat, direct zum Kesselspeisen verwendbar zu sein, was dem Pulsometer bekanntlich nicht eigen ist, obwohl doch fast nur hier die dem Wasser durch die Condensation des Dampfes mitgetheilte Temperaturerhöhung nutzbar gemacht werden kann. Wasser mit Steinen nimmt freilich der Injector nicht an, es mag aber auch fraglich sein, wie sich das Pulsometer dabei befindet, und wenn in einer kürzlich publicirten Mittheilung dem Pulsometer nachgerühmt wird, daß er, 9m hoch über dem Flüssigkeitsspiegel aufgestellt, als vortrefflicher Condensationsapparat functionire, so läßt sich dem nur entgegnen, daß man bei solch disponibler Fallhöhe überhaupt keiner mechanischen Vorrichtung zur Abführung des Condensationswassers bedarf.

Die rationelle Anwendung des Pulsometers wäre daher nach unserer Meinung wohl ziemlich ausschließlich auf den Bergwerksbetrieb beschränkt, wo er jedenfalls, in Folge seiner leichten Beweglichkeit und der Fähigkeit, unreine Wässer aufzunehmen, wesentliche Dienste beim Abteufen leisten dürfte.

M.-M.

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