Titel: Verfälschung von Bier mit Wermuth.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225/Miszelle 21 (S. 109)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/mi225mi01_21

Verfälschung von Bier mit Wermuth.

Grießmayer (Bayerischer Bierbrauer, 1877 S. 31) hat nach der Dragendorff-Kubicki'schen Methode (1874 214 233) in einem Biere Absinthiin aufgefunden. Fahndet man direct auf Wermuth, so kann man folgendes vereinfachte Verfahren anwenden.

100cc Bier werden nach Ausfällung mit Bleiessig und Entfernung des überschüssigen Bleies durch Schwefelwasserstoff oder verdünnte Schwefelsäure auf die Hälfte eingedampft, mit Ammoniak im Ueberschusse und mit 50cc Amylalkohol versetzt. Man schüttelt das Ganze einige Minuten heftig durch, läßt absitzen, decantirt die obere Schichte und dampft sie im Wasserbade auf 1/3 ein. Hat man diese Concentration erlangt, so können sofort die folgenden Reactionen zur Constatirung des Absinthiins vorgenommen werden:

Salzsäure von 1,19 spec. Gew. gibt bei Gegenwart von Absinthiin sofort blauviolette Streifen, die in rothviolett übergehen. Ammoniakalische Silberlösung wird beim Erwärmen reducirt, Fehling's Lösung hingegen nicht.

Eine concentrirte Auflösung von Molybdänsäure in concentrirter Schwefelsäure gibt sofort tiefblau.

Golchlorid wird beim Erwärmen nur schwach reducirt, aber der wässerige Auszug reducirt es total. (Phosphormolybdänsäure gibt mit dem wässerigen Extracte braune, mit dem Amylauszuge gelbe Färbung.)

Auch hier wird nicht von einer betrügerischen Verfälschung, sondern nur von einer beabsichtigten Geschmacksverbesserung die Rede sein können; dennoch ist aber ein solcher Zusatz, wie die Redaction des „Bierbrauers“ bemerkt, gesetzwidrig, da Hopfensurrogate durch § 26 des Landtags-Abschiedes von 1861 für die Braunbierbereitung verboten sind. Derselbe lautet: „Die Verwendung anderer Stoffe oder Surrogate für Gerste, Malz und Hopfen zur Bereitung von Braunbier bleibt verboten“. (Dollmann: Die Gesetzgebung Bayerns. 2. Theil Bd. 6 S. 32.)

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