Titel: Zur Untersuchung der Rauchgase.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225/Miszelle 19 (S. 213–215)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/mi225mi02_19
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Zur Untersuchung der Rauchgase.

Der Rauch sämmtlicher Quecksilberöfen in Idria entweicht, nachdem er die mit Wasser gekühlten Condensationsröhren, dann ein System von Kammern und Canälen durchzogen, und die zur Herstellung des nöthigen Zuges am Fuße des am Gebirgsabhange sich hinanziehenden Centralcanales eingerichtete Rostfeuerung passirt hat, durch die am Endpunkte dieses 270m langen Canales stehende 14m hohe Esse. Die geringe Menge Quecksilber, welche mit dem Rauche durch die Esse entweicht, ist nicht als Dampf, sondern mechanisch mit den fixen Rauchbestandtheilen, dem Ruß oder Stupp, gemengt vorhanden. Der Quecksilbergehalt des Rußes ist sehr verschieden und wechselt nach Teuber (Oesterreichische Zeitschrift für Berg- und Hüttenwesen, 1877 S. 123) zwischen 1 und 47 Proc. Quecksilber, welches als Metall, als Salz, namentlich basisch schwefelsaures Quecksilber, und als Schwefelquecksilber vorhanden ist. Vier Rußproben enthielten z.B. an Quecksilber:

als Salz 7,32 3,06 6,10 12,69
metallig 3,12 14,59 0,92 0,17
als Schwefelquecksilber 27,33 1,83 3,40 9,80
–––––––––––––––––––––
37,77 19,48 10,42 22,66.

Nach drei Versuchen von Patera im Sommer 1876 entwichen 201, 770 und 1088, im Durchschnitt 686g Quecksilber aus der Centralesse, etwa 0,007 Proc. der Erzeugung.

Da das im Rauche enthaltene Quecksilber vorwiegend als Schwefelquecksilber vorhanden ist, so sind die Befürchtungen der Schädlichkeit dieses Rauches für die Umgegend jedenfalls übertrieben.

Die erste Rußprobe hatte folgende Zusammensetzung:

Hg in metallischer Form 3,12
HgO, SO 10,83
HgS 31,10
FeO, SO 6,02
MgO, SO 7,50
KaO, SO 1,24
NH₄, SO 0,54
SiO 2,20
Organische Stoffe mit Aether extrahirt 5,00
Kohle 19,80
Wasser und aromatische Stoffe 10,30
–––––
97,65.

Der gasförmige Theil des Essenrauches besteht aus Schwefelwasserstoff, Schwefligsäure, Kohlenoxyd, Kohlensäure, Sauerstoff, Stickstoff und Wasserdampf. Schwefelwasserstoff und Schwefligsäure wurden gewichtsanalytisch, die übrigen volumetrisch nach Bunsen bestimmt. Von mehreren nicht wesentlich von einander abweichenden Analysen sei folgende angeführt:

SH = 0,004
SO = 0,050
CO = 5,636
CO = 1,740
O
N
=
=
15,400
77,170
= Luft
N
73,33
19,24
–––––––
100,000.

Endlich winde das der Centralesse binnen 24 Stunden entströmende Gasquantum überhaupt aus dem Essenquerschnitte (1qm,331) und der Rauchgeschwindigkeit bestimmt; letztere ließ sich mittels kleiner Papierstückchen aus der Zeit, welche sie vom Auslassen bis zum Erscheinen an der vom Eintragspunkte in 14m Höhe ausmündenden Essenkrone benöthigten, für diesen Zweck hinreichend genau ermitteln und beträgt selbe in der Secunde durchschnittlich 1m,66. Hiernach gibt die Esse täglich etwa 5cbm,9 Schwefelwasserstoff, 73cbm,5 Schwefligsäure, 8285cbm Kohlensäure und 2558cbm Kohlenoxyd in die Atmosphäre. Von der Wirkung auch des gasförmigen Theiles dieses Rauches |215| ist daher wenig zu fürchten, wie dies auch die tadellose Vegetation um die Centralesse und am ganzen von dem Rauche bestrichenen Gebirgsabhange zeigt. (Vgl. 1876 220 87.)

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