Titel: Ueber die Herstellung der Nietlöcher.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225/Miszelle 3 (S. 207–209)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/mi225mi02_3

Ueber die Herstellung der Nietlöcher.

Ingenieur J. Barba hat in seinem Werke: Étude sur l'emploi de l'acier dans les constructions (2. Auflage. Paris 1875. J. Baudry) eine eingehende experimentelle Vergleichung der verschiedenen Verfahrungsweisen bei Herstellung der Nietlöcher in Eisen- und Stahlblech durchgeführt. Zu den Herstellungsweisen auf der Bohrmaschine allein (1) und auf dem Durchschnitte allein (2) fügt Barba die von ihm lebhaft empfohlene dritte Methode der combinirten Herstellung durch Ausscheren und Ausbohren zugleich (3): auf dem Durchschnitt wird ein Loch hergestellt, dessen |208| Durchmesser um etwa 4mm kleiner ist als die Dicke des Nietbolzens, und auf der Bohrmaschine wird dasselbe zur vollen Weite vergrößert; da nach Barba's Versuchen die beim Ausscheren eintretende Schwächung des Materials nur bis zu einer Tiefe von etwa 1mm vorschreitet, so wird durch Methode 3 die schädliche Wirkung des Durchschnittes wieder völlig beseitigt, und man vereinigt gewissermaßen die Vortheile der beiden ältern Methoden 1 und 2. Den von Barba angestellten Vergleichen der Methoden 1 und 3 hinsichtlich des verhältnißmäßigen Arbeitsverbrauches liegen folgende Versuchsergebnisse der Herstellung von je 915 Löchern in Stahlblech von 8mm Dicke bei 2mm mittlerer Lochweite zu Grunde:

bei Methode (1) Betriebszeit der Bohrmaschine
Arbeitsstunden eines Arbeiters
65,3
65,3
Stunden


bei Methode (3)

Betriebszeit des Durchschnittes
„ der Bohrmaschine
Zusammen
Arbeitsstunden beim Ausscheren
„ „ Bohren
Zusammen
8,15
29,15
37,30
33,0
29,15
62,15



1)

Diese Vergleiche werden nun von Dr. Hartig (Civilingenieur, 1877 S. 171) auf Grund der von ihm im J. 1873 veröffentlichten Versuche über Werkzeugmaschinen (1874 212 188) 267. 1876 220 283) schärfer durchgeführt, wobei der Einfachheit wegen nur die vom Werkzeuge verbrauchten Arbeitsgrößen (also ohne Rücksicht auf Leergangsarbeit der angewendeten Maschinen) und zwar für Bleche von weichem Eisen in Betracht gezogen werden. Hiernach ergibt sich die zur Herstellung eines Loches von d mm Weite in Eisenblech von δ mm Dicke aufzuwendende Arbeit (in Meterkilogramm) beim

Bohren aus dem Vollen (1): A₁ = (πd² δ)/4000 (270 + 10800/d),
Ausscheren (2): A₂ = (πdδ)/100 (25 + 1,45δ).

Daraus ergibt sich für den Vergleich der Methoden (1) und (2) der Quotient A₁/A₂ = (10800 + 270d)/(1000 + 58δ); derselbe läßt erkennen, wie viel mal der Arbeitsverbrauch beim Ausbohren größer ist als beim Ausscheren; das folgende Täfelchen enthält seine Größe für 9 ausgewählte Fälle:

Blechdicke. Durchmesser des Nietloches
mm d = δ d = 2 δ d = 3 δ
5 9,42 10,5 11,5
10 8,55 10,3 12,0
15 7,94 10,1 12,3

Die Ueberlegenheit des Durchschnittes über die Bohrmaschine in kraftökonomischer Hinsicht ist daher sehr beträchtlich.

Ferner ergibt sich für die aufzuwendende Arbeit beim Ausscheren des Loches von (d – 4)mm Weite

A₃ = (d – 4) (πδ)/100 (25 + 1,45 δ),

beim Erweitern desselben auf den Durchmesser d durch Ausbohren

A₃' = 0,54 δ (d – 2) π,

daher sich für den Vergleich der Methoden (1) und (3) der Quotient

Textabbildung Bd. 225, S. 208

ergibt, dessen Werthe für die vorgenannten 9 Fälle folgende sind:

|209|
Blechdicke. Durchmesser des Nietloches
mm d = δ d = 2 δ d = 3 δ
5 7,82* 5,40 5,38
10 5,04 5,05 5,62
15 3,80 5,21 6,08

*Dieser Fall ist aus bekannten Gründen nach Methode (3) praktisch unausführbar.

Man kann hiernach annehmen, daß der unmittelbare Arbeitsverbrauch bei Herstellung der Nietlöcher auf dem Durchschnitte allein (2) etwa 1/10, bei Herstellung durch Ausscheren und Nachbohren (3) etwa 1/5 von derjenigen Arbeitsgröße beträgt, welche beim Ausbohren aus dem Vollen (1) erforderlich ist.

|208|

Am Durchschnitt waren 4 Arbeiter erforderlich.

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