Titel: Zur Malzfabrikation.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225/Miszelle 15 (S. 308)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/mi225mi03_15

Zur Malzfabrikation.

Nach J. Thausing soll das Darrmalz stets eine lichte Farbe besitzen. Es ist unzweckmäßig, selbst zur Erzeugung von dunklem Bier ein braunes Malz herzustellen, und immer besser, man bereitet nur lichtes Malz und gibt der Würze die gewünschte Färbung durch Zusatz von Farbmalz. (Vgl. J. Thausing: Theorie und Praxis der Malzbereitung und Bierfabrikation. Leipzig 1877.)

Lintner (Bayerischer Bierbrauer, 1877 S. 108), welcher das genannte Werk warm empfiehlt, bemerkt jedoch hierzu, daß er es für unbedingt nöthig halte, dem Malz für die echten bayerischen Biere auf der Darre einen gewissen Grad von Bräunung zu geben. Die sogen, bayerischen Biere aus lichtem Malz mit Anwendung von Farbmalz haben weder den Geschmack noch die Wirkung der echten bayerischen Biere; grade das Darren des Malzes übt einen wesentlichen Einfluß auf den Charakter des Bieres aus. Was es um ein richtig bereitetes Malz für die bayerischen Biere ist, davon konnte die Staatsbrauerei Weihenstephan vom August vorigen Jahres an bis Anfangs Januar dieses Jahres sich hinlänglich überzeugen, indem dieselbe wegen des Umbaues der Darre genöthigt war, lichtes Kaufmalz mit Farbmalz zu versieden. Die daraus erhaltenen Biere waren weinig und so verschieden von dem sonstigen Charakter des Weihenstephaner Bieres, daß nicht nur in der nächsten Umgebung, sondern auch im Export der Nachlaß an Absatz sehr fühlbar wurde. Seitdem die Brauerei ihre Darre nun wieder in Betrieb hat und die Biere den frühern mehr vollmundigen Charakter wieder zeigen, ist dieser Uebelstand überwunden.

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