Titel: Ueber die Erkennung mit Traubenzucker gallisirter Weine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225/Miszelle 19 (S. 309)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/mi225mi03_19

Ueber die Erkennung mit Traubenzucker gallisirter Weine.

C. Neubauer (Zeitschrift für analytische Chemie, 1877 S. 201) macht weitere Mittheilungen über das optische Verhalten gallisirter Weine (vgl. 1876 219 146) 220 565). Bei der Untersuchung von Weißweinen füllt man dieselben je nach der Färbung in die 100 oder 200mm lange Röhre eines Polaristrobometers von Wild und prüft bei Natriumlicht, ob Rechtsdrehung eintritt. Von Rothweinen verdampft man 100cc auf 50cc, versetzt mit reiner Thierkohle, filtrirt und verwendet das auf 100cc verdünnte Filtrat zur optischen Untersuchung. Ist hierdurch keine Entfärbung erzielt, so versetzt man 100cc Wein mit 10cc Bleiessig, filtrirt und behandelt, wenn nöthig, vor der Verwendung noch mit Thierkohle.

Von den vom Verfasser mitgetheilten Analysen folgt hier die eines reinen 1874er Weißweines (I) und die eines gallisirten Weines (II):

I. II.
Alkohol 7,85 Proc. 6,66 Proc.
Freie Säure 1,99 0,50
Zucker 0,59 0,895
Drehung der Polarisationsebene nach rechts 0 6,4°.

Andere gallisirte Weine zeigten in einer 200mm langen Röhre 0,8 bis 2,5° Rechtsdrehung.

Der Verfasser bemerkt hierzu mit Recht, er könnte diese Blumenlese noch bedeutend vermehren; doch würden die mitgetheilten Beispiele genügen, um zu zeigen, daß die Keller unserer Weinhändler und Weinproducenten noch erhebliche Mengen dieser Kunstproducte beherbergen. Er wolle die oft besprochenen Fragen, ob gallisirte Weine gesundheitsschädlich sind oder nicht, und ob man das Gallisiren mit Kartoffelzucker verbieten soll oder nicht, nicht weiter berühren; mit Recht aber könne man verlangen, daß der Weinfabrikant sein Kind beim rechten Namen nenne. Wer einen mit Traubenzucker gallisirten Wein als Naturproduct verkauft, begeht, darüber sind wohl die Freunde wie Gegner des Gallisirens einig, eine Fälschung, die aufhören muß, sobald die hier besprochene Prüfungsmethode allgemein beim Ankauf der Weine in Anwendung gezogen wird.

Freilich ist das Gallisiren mit Kartoffelzucker nicht die einzige übliche sogen. Weinverbesserungsmethode. Zusätze von Rohrzucker, Alkohol, Wasser, Glycerin etc. sind ebenfalls an der Tagesordnung und können nicht immer, ja oft gar nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden. Allein der Verbrauch von unreinem Kartoffelzucker ist bis jetzt in der Weintechnik ein sehr bedeutender gewesen und wird es auch bleiben, wenn der Konsument sich nicht entschließt, von den Mitteln einstweilen Gebrauch zu machen, die ihm die Wissenschaft bis jetzt zur Entdeckung einer weit verbreiteten Fälschung zu bieten im Stande ist. Die sicheren Methoden, welche wir besitzen, um selbst Spuren von Fuchsin und Methylviolett in Rothwein zu entdecken, wird dem Unfug, Den man mit diesem Farbstoff in der Weintechnik getrieben hat, bald ein Ziel setzen. Die optische Prüfungsmethode der Weine wird, wenn sie auch das Gallisiren mit käuflichem unreinem Kartoffelzucker nicht beseitigt, doch den Fabrikanten zwingen sein Fabrikat als Kunstwein und nicht mehr als Naturwein in den Handel zu bringen.

Neubauer beschreibt und empfiehlt schließlich als einfach, billig und doch zuverlässig den optischen Weinprober vom Mechaniker W. Steeg in Homburg v. d. Höhe.

In einer andern Arbeit (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1877 S. 827) bespricht Neubauer die quantitative Bestimmung der Dextrose neben Levulose auf indirectem Wege.

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