Titel: Ueber die Bestimmung von Methylalkohol zu Farbzwecken.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225/Miszelle 22 (S. 311–312)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/mi225mi03_22

Ueber die Bestimmung von Methylalkohol zu Farbzwecken.

Nach den frühern Untersuchungen (1875 215 83) gaben 5cc Methylalkohol nicht 7cc,8 Jodmethyl, wie es die Theorie verlangt, sondern nur 7cc,2. Die Vermuthung, daß dieser Verlust theilweise durch Bildung von Methylphosphorsäure verursacht werde, hat sich nach neueren Versuchen von G. Krämer und M. Grodzki (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1876 S. 1928) nicht bestätigt.

Reiner Methylalkohol, aus Methylformiat hergestellt und über gebrannten Kalk, dann über metallisches Natrium rectificirt, gab jetzt 7cc,45 Jodmethyl; die noch 0cc,35 betragende Differenz mit der berechneten Zahl 7,8 ist auf Spuren sich bildenden Methylphosphins und dem Angefülltbleiben des Apparates mit Jodmethyldampf zu schieben. Die früher gefundene niedrigere Zahl (7,2) erklärt sich, wie weitere Versuche zeigten, aus geringen Beimengungen des damals angewendeten Alkohols und einem kleinen Wassergehalte desselben, obwohl er durch Aetzbaryt getrocknet war.

Zur Aufklärung der Wirksamkeit des Aetzbaryts gegenüber der des Natriums haben die Verfasser vergleichende Versuche angestellt. 200g Methylalkohol von 98 Proc. Tralles gaben nach dem Trocknen mit 4g Natrium 7cc,38. Jodmethyl, von Neuem mit 38 Natrium behandelt, 7cc,45. Dieselbe Menge desselben Alkohols mußte nach einander mit 40, 30, 20 und nochmals 20g Aetzbaryt getrocknet werden, um endlich die Zahl 7,45 zu ergeben. Das Trocknen von Alkoholen mittels Natrium ist also entschieden als zuverlässiger dem mittels Aetzbaryt vorzuziehen.

Leider hat sich gezeigt, daß diese Bestimmung als Jodmethyl nicht in allen Fällen maßgebend ist für die Güte des Methylalkohols, wovon sich die Methylanilinfabrikanten oft zu ihrem Schaden überzeugen müssen. Es sind demnach im Holzgeist Körper vorbanden, die zwar Jodmethyl geben, aber nicht methylirend auf das Anilin wirken. Es hat sich nun gezeigt, daß 5cc Metlylacetal, eines Bestandtheiles des rohen Holzgeistes vom Siedepunkt 63,2 bis 64,8°, der Jodprobe unterworfen, 5cc,3 Jodmethyl |312| geben – eine Zahl, welche dafür spricht, daß nur die beiden Methylgruppen als Jodmethyl abgespalten werden, nicht aber der Aldehyd zu Alkohol reducirt und auch dieser in Jodäthyl übergeführt wird. Mit dieser Annahme würden sich aus 5cc 5cc,8 Jodmethyl berechnen – eine mit dem Ergebniß der Analyse befriedigende Uebereinstimmung. Da ein sehr geringer Bruchtheil des erhaltenen Jodmethyls etwas höher siedet, so ist eine partielle Reduction des Aldehyds nicht ausgeschlossen.

Bei Benutzung der technischen Prüfungsmethode des Methylalkohols ist also sehr auf diesen Umstand Rücksicht zu nehmen. Beispielsweise würde ein Gemisch von 10 Proc. Methylacetal und 90 Proc. Methylalkohol unter Zugrundelegung der gefundenen Werthe (5,3 × 10 + 7,45 × 90) : 100 = 7cc,23 Jodmethyl ergeben, welche Zahl nach der Berechnungsmethode 7,23 : 7,45 = 97,1 Proc. Methylalkohol entgegen dem thatsächlichen Verhältniß anzeigen würde. Ein Gemisch gleicher Volume Methylalkohol und Methylacetat gab in gleicher Weise 6cc,2 Jodmethyl, anstatt der berechneten 6cc,3, was wiederum 6,2 : 7,45 = 83,2 und nicht 400 : 425 = 48,4 Proc. entspricht.

Die Bestimmung des Volumgewichtes zur Prüfung des Holzgeistes auf Methylalkohol hat zu keinem befriedigenden Resultat geführt.

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