Titel: Ueber Steinsägen mit Diamantspitzen und deren Ersatz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225/Miszelle 4 (S. 303–304)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/mi225mi03_4

Ueber Steinsägen mit Diamantspitzen und deren Ersatz.

Ueber die mit Diamantspitzen besetzten Steinsägen, welche auf der Weltausstellung in Philadelphia zu sehen waren, bringt Engineering, April 1877 S. 281 einen Bericht, welcher ein abfälliges Urtheil über den Werth der mit Diamantspitzen besetzten Steinsägen enthält. Hiernach werden in diesen Sägen (Kreissägen oder verticale oder horizontale Gattersägen) schwarze Diamanten als Zähne oder schneidende Punkte angewendet, welche in Brasilien gefunden werden und unter der Bezeichnung „Carbons“ bekannt sind. Dieselben sind weder schön noch werthvoll, sollen aber nach den Ankündigungen der Patentbesitzer von so erstaunlicher Dauerhaftigkeit sein, daß sie, ununterbrochen zum Schneiden harter und griesiger Felsstücke verwendet, während einer Periode von 4 Monaten aushalten. Das Neue in den verschiedenen ausgestellten Maschinen dieser Art schien blos in der verschiedenen Methode des Haltens der Carbons zu liegen. Hier aber liegt der schwache Punkt dieser Maschinen. Die von den Patentinhabern gewöhnlich als „theurer wie Gold und dennoch das billigste aller Werkzeuge für diesen Zweck“ bezeichneten Diamantspitzen haben das Bestreben, aus ihrer Fassung herauszufallen und dann mit dem losgetrennten Steinpulver weggewaschen zu werden. Die Diamantsteinsäge ist nämlich eine gewöhnliche Säge, deren Blätter abwechselnd rechts und links mit Diamantspitzen besetzt, welche so gefaßt sind, daß sie beim Durchgange durch den Stein eine genügend weite Schnittfuge erzeugen, daß sowohl das Sägeblatt als auch die Fassung der Diamanten unbehindert hindurch gehen kann. Diejenigen, welche das Steinsägen irgendwo, speciell aber in den mittlern Staaten von Amerika ausführen sahen, wo Dutzende von Gattersägen, in einfachen Schupfen stehend, mit Sand und Wasser arbeiten, würden es vermissen, irgend welchen Vortheil zu sehen, welcher durch die Substitution der Diamanten statt des sonst verwendeten Sandes als reibenden Elementes erreicht wäre. Die Kunst hierin bestehe, wie häufig anderwärts mehr in dem Verkaufe des Patentrechtes, als in dem Nachweise ökonomischer Vortheile seitens der Erfinder.

Brunton und Trier schließen hieran im Engineering, April 1877 S. 314 die Mittheilung, daß sie statt Diamant gewöhnlichen Stahl, ja sogar, und besser als |304| diesen, abgeschrecktes Gußeisen zur Bearbeitung jedes harten Granits anzuwenden in der Lage sind. Sie geben an, dies dadurch zu erreichen, daß sie sehr große Arbeitsgeschwindigkeiten zur Anwendung bringen.

Bezüglich der Verwendung abgeschreckten Gußeisens in der Form feiner Kügelchen zum Sägen harten Granits, statt des sonst gewöhnlich gebräuchlichen Sandes, fügen wir hier noch in Kürze eine von der Polytechnic Review, Januar 1877 S. 15 gebrachte Notiz bei. Mit Rücksicht darauf, daß mit gewöhnlichen Steinsägen, bei welchen Sand als reibendes Element in Anwendung kommt, nur 40 bis 50mm Granit pro Tag gesägt werden können, müssen diese für den genannten Zweck als unvortheilhaft bezeichnet werden. Es erregte deshalb der auf der Weltausstellung in Philadelphia von Struthers and Sons vorgeführte Proceß des Sägens von Granit unter Anwendung von gußeisernen Kügelchen besondere Aufmerksamkeit. Ein gegen einen dünnen Strahl geschmolzenen Eisens geleiteter Dampfstrahl zerstäubt das Eisen. Die so erhaltenen Kügelchen von etwa 0mm,5 Durchmesser fallen in kaltes Wasser und werden hierin abgeschreckt, wobei sie eine ganz bedeutende Härte erlangen. Diese Eisenkügelchen werden unter einem Sägeblatte aus weichem Eisen mit gleichzeitiger Anwendung eines Wasserstrahles genau so verwendet wie der Sand beim Sägen von Marmor. Man könnte glauben, daß die scharfen Sandkörnchen wirksamer wären als die runden Eisenlügelchen; indeß findet man bald, daß die Sandkörnchen rasch zu Staub zerdrückt sind, während die Eisenkügelchen einfach abgenutzt nur kleiner werden und lange Rinnen erzeugen, die sich auch auf der Unterseite des Sägeblattes zeigen, wo sie von einem bis zum andern Ende desselben reichen. (Vgl. Note 9 S. 17 Bd. 212) Auf diese Weise können 75 bis 100mm Granit pro Stunde gesägt werden, und zwar mit ganz geringen Kosten, da der Verbrauch an Eisen nur etwa 15k für 1qm Schnittfuge oder für 2qm Schnittfläche beträgt. Bei kleinen Blöcken, für welche eine Säge benutzt werden kann, welche kurz genug und daher steif genug ist, um einen hohen Druck aushalten zu können, ohne sich zu deformiren, wurde gefunden, daß man sogar 300 bis 350mm in der Stunde sägen kann. Die bei diesem Verfahren erzielte Schnittfläche ist viel reiner und besser zum Poliren geeignet als die durch Hammerschläge erzielte, bei welch letzterer oft 3mm und mehr weggeschliffen werden müssen, um eine reine Oberfläche zu erhalten.

J. P.

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