Titel: Zur Phylloxera-Frage.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225/Miszelle 18 (S. 407–408)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/mi225mi04_18
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Zur Phylloxera-Frage.

A. Blankenhorn und J. Moritz (Annalen der Oenologie, 1875 S. 94 bis 134) besprechen in einer sehr ausführlichen Abhandlung, die durch gute Abbildungen erläutert ist, das Vorkommen der Reblaus (Phylloxera vastatrix) und die Mittel zur Bekämpfung derselben.

L. Weigelt (Annalen der Oenologie, 1877 S. 192) hat den Kaligehalt amerikanischer und europäischer Rebhölzer verglichen. Schon Neßler wies auf die durch Kalidüngung in Frankreich erzielten günstigen Erfolge hin, um die durch Phylloxera inficirten Rebfelder gegen die Verheerungen dieses Insektes widerstandsfähiger zu machen. Diese Thatsache läßt zwei Erklärungen zu:

1) Das Kali wirkt als Düngemittel, bahnt reichliche, kräftige Ernährung an, erhöht dadurch die Lebenskraft des Stockes und dieser wird in Folge dessen befähigt, den zerstörenden Einflüssen der Wurzellaus besser zu widerstehen. Die erhöhte Wurzelthätigkeit und dadurch bedingte gesteigerte Saftproduction vermag eine gesteigerte Saftconsumtion seitens des Insektes auszuhalten, ohne daß dadurch der zu ernährende Stock Nahrungsmangel fühlt.

2) Das Kali wirkt als Gift auf den Kerf. Die nach Kalidüngung kalireicheren Wurzelsäfte der Vitis sind für die Ernährung des Schmarotzers ungeeignet, schädigen seine Lebenskraft, schwächen dadurch die Massenhaftigkeit seiner Vermehrung ab und bewahren so den Stock vor der Ueberzahl von Angriffen, welche ihn unzweifelhaft tödten müßten.

Die erstere Ansicht scheint die verbreitetere zu sein; so weit Verfasser wenigstens Gelegenheit hatte, Aeußerungen über vorliegende Frage zu hören, gipfelten dieselben meist in der Düngungsfrage: „tausendjähriger Rebbau hat unsere Rebfelder erschöpft, besonders das Kali fehlt, das Kali, dessen die Rebe in so großer Menge bedarf, und welches wir als Weinstein in unsern Gährungsfässern zur Ablagerung bringen und den Weinbergen nicht wieder zuführen.“

Weigelt zeigt nun durch die Aschenanalysen amerikanischer und deutscher Reben, daß letztere Angabe nicht zutreffend ist, daß aber die widerstandsfähige amerikanische Rebe deshalb die Angriffe der Reblaus zu überdauern vermag, weil der Kalireichthum des Holzes und Saftes derselben dem Insect die für seine Ernährung, Wachsthum und Gedeihen erforderlichen günstigsten Bedingungen nicht bietet.

H. W. Dahlen (Annalen der Oenologie, 1877 S. 217) bespricht das Auftreten der Reblaus in Bollweiler (Oberelsaß). Er schließt aus seinen Beobachtungen, daß ein zeitiges Vernichten aller befallenen Reben noch immer das einzige Mittel ist, der Phylioxera-Gefahr mit Erfolg zu begegnen.

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