Titel: Darstellung durchsichtiger Metallhäutchen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225/Miszelle 5 (S. 402–403)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/mi225mi04_5

Darstellung durchsichtiger Metallhäutchen.

Um aus Vacuumröhren, in welchen Gasspectren untersucht wurden, die geringen Spuren von Quecksilberdampf zu entfernen, die, von der Luftpumpe herrührend, sich durch die entsprechenden Linien verriethen, brachte Arthur W. Wright Goldblättchen in die Röhren, die auch in der That das Verschwinden der Quecksilberlinien aus dem Spectrum zur Folge hatten. Unter gewissen Umständen entstand aber nun beim Durchgange des elektrischen Stromes eine spiegelnde zusammenhängende Haut auf dem Glase, die zweifellos durch Verflüchtigung des Goldes entstanden war. Ein weiteres Verfolgen dieser Erscheinung lehrte hier ein Mittel kennen, sehr dünne Metallhäutchen darzustellen, und es ergab sich die nachstehende Methode als die zweckmäßigste.

Reine Röhren aus weißem Glase, etwa 15m lang und 4 bis 6mm im Lichten, hatten in der Mitte ein kleines Zweigrohr zur Verbindung mit der Pumpe; an die Enden wurden die Elektroden gebracht, welche aus den Metallen bestanden, die man prüfen wollte, gewöhnlich in Form von Drähten. Sie lagen theilweise in dünnen Röhren, in welche ein Platindraht bis zur Berührung mit dem Metalle hineingeschoben war. Wurde nun der Gasdruck bis 1 oder 2mm reducirt und die Entladung einer Inductionsspirale hindurchgeschickt, so bildete sich nach wenigen Minuten auf dem Glase, welches der negativen Elektrode gegenüber lag, erst eine Verdunkelung oder Verfärbung, die bald tiefer wurde und schließlich Metallglanz zeigte. Bei leicht oxydirbaren Metallen muß natürlich die Röhre mit Gasen gefüllt sein, die das Metall nicht angreifen können. Die Vollkommenheit der Haut erwies sich abhängig von der Stetigkeit der elektrischen Wirkung und der passenden Regulirung der benutzten Stromstärke. Mit einer Holtz'schen Maschine wurde bei den angewendeten Gasdrucken keine Wirkung ohne Condensatoren erzielt.

Wright hat in dieser Weise nachstehende Metalle untersucht, denen wir gleich die Farbe sehr dünner Schichten beifügen wollen: Gold geht bei durchfallendem Lichte mit zunehmender Dicke der Schicht von Rosenroth zum Violett durch Blau und Blaugrün zum hellen Grün; bei reflectirtem Lichte zeigt es einen prachtvollen Glanz und volle goldige Farbe. Silber ist rein tiefblau durchscheinend; Kupfer dunkelgrün durchscheinend. Wismuth hat im durchfallenden Lichte eine Farbe, die gemischt scheint aus hellblau und rein grau. Platin läßt Licht durch von grauer Farbe mit leicht blauer Nüance. Palladium erscheint rauchig braun bei durchfallendem Lichte; ebenso Blei mit olivenfarbiger Nüance. Zink und Kadmium erscheinen tief graublau bei durchfallendem Lichte. Aluminium und Magnesium wurden nur sehr schwer verflüchtigt und gaben keine befriedigenden Resultate. Eisen schien mit reiner neutraler Farbe und einem ganz schwachen Anflug von Braun durch. Nickel und Kobalt, welche keine sehr guten Resultate ergaben, ließen eine graue oder braungraue Farbe im durchfallenden Lichte erkennen. Tellur ließ das Licht mit dunkel purpurner Farbe durch.

Ueber die relativen Energien der elektrischen Wirkungen, die nothwendig sind, um die verschiedenen Metalle zu verflüchtigen, waren die Beobachtungen nicht exact genug, um ein bestimmtes Gesetz erkennen zu lassen. Es läßt sich nur im Allgemeinen sagen, daß Wismuth am leichtesten verflüchtigt wurde, Gold und Silber mit nur etwas geringerer Leichtigkeit. Platin, Palladium, Blei, Zink und Kadmium werden weniger leicht verflüchtigt, während Kupfer, Eisen, Nickel und Kobalt schon verhältnißmäßig intensive Entladungen erfordern. Aluminium braucht schon eine energische elektrische Wirkung durch lange Zeit, und Magnesium bietet von allen untersuchten Metallen die größten Schwierigkeiten dar. Man sieht, daß die Metalle mit hohem Atomgewicht am leichtesten verflüchtigt werden, während die mit kleineren Atomgewichten der elektrischen Wirkung einen großen Widerstand darbieten, und die mit mittlerm Gewichte eine Mittelstellung einnehmen; aber die Schmelzbarkeit, Zähigkeit |403| und elektrische Leitungsfähigkeit scheinen gleichfalls einen Einfluß zu üben auf den Ort der verschiedenen Metalle in der Reihe. (Nach dem American Journal of Science, Januar 1877 S. 49 durch Naturforscher, 1877 S. 108.)

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