Titel: Ueber den Schwefelsäuregehalt des Weines.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225/Miszelle 18 (S. 518–519)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/mi225mi05_18

Ueber den Schwefelsäuregehalt des Weines.

Die Bestandtheile des echten Weines (Weingeist, Zucker, Weinstein, Glycerin, Bernsteinsäure und Aetherarten) kommen im Handel hinreichend billig vor, um bei der Fabrikation künstlicher Weine verwendet zu werden. Durch die quantitative Bestimmung dieser Stoffe können wir also den künstlichen vom echten Wein nur dann unterscheiden, wenn bei ersterm zu große Mengen derselben verwendet wurden. Anders ist es mit jenen Säuren, welche vorzugsweise den sauren Geschmack des Weines bedingen.

J. Neßler (Biedermann's Centralblatt für Agriculturchemie, 1877 Bd. 1 S. 229) hat immer nur ausnahmsweise kleine Mengen freier Weinsäure, aber nie Citronensäure im echten Wein gefunden. In neuerer Zeit sind mehrere Weinfabrikanten mit Recht streng bestraft worden, weil sie Schwefelsäure verwendeten. Es ist jedoch nicht gerechtfertigt, eine starke Trübung im Wein mit Chlorbarium schon als Nachweis einer Verfälschung mit Schwefelsäure anzusehen, da Most und Wein immer schon eine gewisse Menge Schwefelsäure erhalten. Ferner werden in Südfrankreich, Spanien und Griechenland die Trauben mit Gyps bestreut und wird so Schwefelsäure in den Wein gebracht; auch durch das Einbrennen der Fässer mit Schwefel wird der Wein schwefelsäurehaltig.

Neßler hat in reinen badischen Weinen 0,03 bis 0,06 Proc., bei einem sogar 0,15 Proc. Schwefelsäure, in drei echten französischen Rothweinen 0,096, 0,108 und 0,116 Proc. gefunden. Der Zusatz von Schwefelsäure zum Wein kann entweder unmittelbar stattfinden, um die nöthige Säure im Wein zu erhalten, oder aber sie kann in dem künstlichen Farbstoffe enthalten sein, der zum Färben des Weines verwendet wurde. Die Schwefelsäure, die in dem einen oder andern Fall in den Wein gelangt, ist nicht, oder bei den Farben zum kleinsten Theil, an Basen gebunden. Wenn sie sich nun auch zum Theil mit den im Wein enthaltenen Basen verbindet, so wird es doch neben der Bestimmung der Gesammtmenge Schwefelsäure vor Allem |519| wichtig sein, festzustellen, ob und in welcher Menge sie als freie Säure im Wein enthalten ist.

Im echten Weine ist bis jetzt noch niemals freie Schwefelsäure nachgewiesen, die Möglichkeit eines solchen Vorkommens ist jedoch zuzugeben. Löst man 5 Th. schwefelsaures Kali und 4 Th. Weinsäure in 1000 Th. Wasser und setzt 120 Th. Weingeist zu, so scheidet sich Weinstein ab und es entsteht freie Schwefelsäure oder saures schwefelsaures Kali. Eine gleiche Umsetzung kann auch während und nach der Gährung eines Traubensaftes stattfinden, wenn derselbe Weinsäure und Kaliumsulfat enthielt.

Zur Nachweisung freier Schwefelsäure wird der Wein meist eingedampft, dann mit Weingeist gemischt, das Filtrat abgedampft und im Rest die Schwefelsäure bestimmt. Diese Methode ist, wie Neßler zeigt, falsch; er empfiehlt zum qualitativen Nachweis folgendes Verfahren: 30 bis 40cm lange Streifen weißes Filtrirpapier werden senkrecht in der Weise aufgehängt, daß das untere Ende in die zu untersuchende Flüssigkeit taucht. Letztere steigt jetzt in dem Papier in die Höhe; da die freie Schwefelsäure nicht austrocknet, so concentrirt sie sich an der obern Grenze, bis zu welcher die Flüssigkeit aufsteigt. Nach 24 Stunden wird der Papierstreifen getrocknet und bis, aber nicht über 100° erwärmt. An der Stelle, bis an welche die Flüssigkeit aufgestiegen ist, wird jetzt bei Vorhandensein von freier Schwefelsäure das Papier braun oder schwarz und oft ganz brüchig. Durch kleine Mengen Zucker wird die Reaction viel empfindlicher, so daß sie bei einem Wasser mit 0,02 Proc. Schwefelsäure und 0,1 Proc. Zucker noch deutlich zu erkennen ist. Bei einem Zuckergehalt von über 0,5 wird die Reaction wieder weniger empfindlich; sie war bei 1 und 2 Proc. Zucker erst bei 0,04 bis 0,08 Proc. Schwefelsäure sicher zu erkennen. Einem Wein, der keinen Zucker enthält, ist etwa 0,2 Proc. von diesem zuzusetzen.

Wenn durch dieses Verfahren auch festgestellt werden kann, ob freie Schwefelsäure überhaupt und ob sie in größerer oder kleinerer Menge im Wein vorhanden ist, so dürfte doch bei gerichtlichen Untersuchungen durchaus nöthig sein, die vorhandenen Basen nach ihrer Sättigungsfähigkeit und die vorhandene Schwefelsäure quantitativ zu bestimmen, um hieraus richtige Schlüsse ziehen zu können.

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