Titel: Verhalten von Stahlbandagen unter der Einwirkung der Bremsen; von Stambke.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225/Miszelle 3 (S. 511–512)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/mi225mi05_3
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Verhalten von Stahlbandagen unter der Einwirkung der Bremsen; von Stambke.

Die Ursache von Härterissen ist zurückzuführen entweder auf eine ungleichmäßige, in den Kern des zu härtenden Stückes nicht eindringende Abkühlung, in Folge welcher die Spannung der äußeren Fasern die Elasticitätsgrenze überschreitet und Formveränderungen (Risse) entstehen, oder aber auf eine zu intensive Erhitzung, die anderseits, namentlich bei sehr hartem, kohlenstoffreichem Stahl, Risse im Kern des Stückes zur Folge hat. Härterißartige Sprünge werden ferner hervorgerufen durch Schleifen des Stahles unter großem Drucke, womit die Einwirkung der oft noch ungeschickt bedienten Bremsen auf die Räder der Eisenbahnfahrzeuge identisch ist. Bei Feinkorn- und Puddelstahl-Bandagen wurden diese Härterisse bisher nicht beobachtet, was der größern Zähigkeit des Materials gegenüber dem Gußstahl zuzuschreiben ist. Dagegen wurden bei stark gebremsten Gußstahl-Bandagen sehr oft tief gehende Härterisse gefunden. Daß derartige Querrisse außerordentlich gefährlich sind, bedarf keines weitern Beweises. Da indessen auch Puddelstahl-Bandagen nicht selten in der Schweißstelle springen, Langrisse und ungleichmäßiges Material zeigen, so wurden Versuche angestellt, ob nicht auch Gußstahl-Bandagen mit solcher Zähigkeit hergestellt werden können, wie sie dem Puddelstahle eigen ist. Dieselben sind als gelungen anzusehen und haben zu Fabrikationsvorschriften geführt, welche das zulässige Maximum der absoluten Festigkeit und das Minimum der Längenausdehnung und der Querschnittsverminderung beim Zerreißen festsetzen. Für zu bremsende Wagenradbandagen soll danach die absolute Festigkeit zwischen 50 und 60k auf 1qmm, die Längenausdehnung bis zum Zerreißen 20 bis 25 Proc., die Querschnittsverminderung in der Bruchfläche 35 bis 45 Proc. betragen. Außerdem sind Schlagproben unter dem Fallwerk vorgeschrieben. Locomotivbandagen müssen härter sein und eine größere absolute Festigkeit haben. Im Allgemeinen ist zu bemerken, daß für die meisten Maschinentheile aus Gußstahl eine große absolute Festigkeit (60k und mehr) wegen der damit verbundenen Sprödigkeit gradezu schädlich ist. (Wochenschrift des Vereines deutscher Ingenieure, 1877 S. 107.)

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