Titel: Zeitdauer der Geschmacksempfindungen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225/Miszelle 15 (S. 614)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/mi225mi06_15

Zeitdauer der Geschmacksempfindungen.

Die Zeit, welche verstreicht zwischen dem Auftragen einer schmeckbaren Substanz auf die Zungenspitze und dem Zeichengeben nach bewußt gewordener Geschmacksempfindung, die Reactionszeit der Geschmacksempfindungen, haben M. v. Vintschgau und J. Hönigsschmied (Naturforscher, 1877 S. 155) durch zahlreiche Versuche an mehreren Personen gemessen. Die Versuche wurden derart ausgeführt, daß durch das Aufdrücken eines mit der concentrirten Lösung der schmeckbaren Substanz getränkten Pinsels auf die Zunge ein elektrischer Strom geschlossen und von der Versuchsperson bei der ersten Wahrnehmung des Geschmackes geöffnet wurde; die Zeit, während welcher der Strom geschlossen gewesen, wurde in bekannter Weise an einem rotirenden Cylinder angegeben und entspricht der gesuchten Reactionszeit. Im weitern Verfolg dieser Untersuchung wurde dieselbe dahin abgeändert, daß nicht einfach die Geschmacksempfindung beantwortet werden sollte, sondern es wurde die Zunge der Versuchsperson abwechselnd, und ohne daß diese vorher davon unterrichtet war, bald mit Wasser, bald mit einer schmeckenden Lösung betupft; und es sollte von der Person entschieden werden, ob der Pinsel mit Wasser oder mit der schmeckenden Substanz getränkt gewesen, nur im letzten Falle sollte der Kreis geöffnet werden. In einer letzten Versuchsreihe endlich wurden stets zwei schmeckende Substanzen geprüft; es wurde bald die eine, bald die andere angewendet, und die Versuchsperson sollte, ohne vorher etwas zu wissen, bei der einen Empfindung mit der einen Hand einen Strom öffnen, bei der andern mit der andern Hand; die Hände ruhten bereits auf den betreffenden niederzudrückenden Schlüsseln. Hier mußte also nicht nur die Geschmacksempfindung wahrgenommen, sondern die eine von der andern unterschieden und dann die richtige Wahl der zeichengebenden Hand getroffen werden. Die hierbei erlangten Zahlenwerthe sind in der nachstehenden Tabelle enthalten; die erste Verticalreihe gibt die Namen der schmeckenden Substanzen an; die zweite die Zeit in Secunden, welche zwischen dem Betupfen und dem Zeichengeben verstrich; die dritte die Reactionszeit, wenn die schmeckende Substanz abwechselnd mit Wasser angewendet wurde und von diesem unterschieden werden mußte; die vierte die Reactionszeit bei Vergleichung mit Kochsalz; die fünfte mit Säure; die sechste mit Zucker; die siebente mit Chinin.

Textabbildung Bd. 225, S. 614
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