Titel: Alfred Brandt's Gesteinsbohrmaschine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 225/Miszelle 2 (S. 608–609)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj225/mi225mi06_2

Alfred Brandt's Gesteinsbohrmaschine.

Nach Oberingenieur Franz Rziha (Wochenschrift des österreichischen Ingenieur- und Architectenvereines, 1877 S. 231) ist die Brandt'sche Bohrmaschine (vgl. Patentertheilung 1877 223 552) berufen, eine Umwälzung in der Arbeit auf Felsgesteine herbeizuführen. Das neue Bohrprincip ist folgendes: Brandt drückt mittels einer hydraulischen Presse einen gezahnten stählernen Hohlbohrer sehr mäßig tief in das Gestein, spült mit dem Ausströmwasser das Bohrmehl (Druckmehl) fort und dreht, wieder mit Wasserkraft, den Bohrer, dessen Zähne nun durch Reißen und Wegbröckeln ein ringförmiges Loch herstellen helfen.

Man sollte nun im ersten Augenblicke meinen, das neue Princip sei deshalb unpraktisch, weil sich die Bohrer zu rasch und zu grell abnutzen würden; in der That ist aber diese Abnutzung eine äußerst geringe und eine sehr langsame, und erklärt sich diese interessante technische Erscheinung dadurch, daß hier alle jene Momente fortfallen, welche den Schlagbohrer zunächst so gewaltsam abnutzen und die im Wesen des Stoßes, in der Funkenerzeugung, in der Wärmeerzeugung durch Reibung des Bohrers an den Bohrlochswänden und in der Concentration des gewaltsamen Stoßes auf einzelne Schneidenelemente des Meißels beruhen.

Der Brandt'sche Hohlbohrer hat 78mm äußeren Durchmesser, 9mm Fleischstärke, 5 Zähne und bohrt ein zirkelrundes Loch von 82mm Weite, da die Kerne immer sofort ausbröckeln. Die angewendete Druckkraft beträgt etwa 7000k; die 5 scharf zugeschliffenen Zahnkanten stellen eine Schneidenlänge von 5 × 9 = 45mm dar, und bei einer beobachteten Einpressung des einzelnen Zahnkeiles bis zur Basisbreite von etwa 1mm eine Zermalmfläche von ungefähr 45qmm; auf 1qmm dieser letztern Fläche entfällt also etwa 160k zermalmender Druck. Dieser Druck entspricht annähernd der Kraftäußerung des Schlagbohrens und ist, wie es seitdem die Erfahrung gezeigt hat, hinreichend, das härteste Gestein zermalmen. (Thatsächlich zeigen ja die Bauschinger'schen Versuche, daß der härteste Granit schon bei 1430k Druck auf 1qc zerspringt.) Der Brandt'sche Bohrer dringt also in jedes Gestein ein, welches überhaupt mit dem Meißelbohrer noch bearbeitet werden kann. Dieses Eindringen ist ein sehr ruhiges und stetiges und in immerwährender Verbindung mit der Drehung; es ist also ein spiralförmiges, und wechselt die Höhe des Schraubenganges mit der Festigkeit des Gesteins; selten beträgt sie mehr als 4mm. Die Kraft zum Drehen bezieh. zum Wegbrechen des Gesteins ist nahezu eben so groß, als jene zum Einpressen des Instrumentes.

|609|

Die Brandt'sche Bohrmaschine ist in ihrer äußern Erscheinung sehr einfach. Der Bohrer sitzt an dem Kolben einer hydraulischen Presse; dieser Kolben ist drehbar eingerichtet, und wird die Drehung durch zwei kleine Wassersäulenmaschinen hervorgebracht, indem dieselben eine Schraube ohne Ende bewegen, die in ein um den Kolben herumgelagertes Schraubenrad eingreifen. Die Vorpressung und die Drehung werden getrennt gespeist, und kann ein Arbeiter die beiden Speisehähne dirigiren, was sogar eine Nothwendigkeit ist, weil manches Gestein eine stärkere Pressung als Drehung des Bohrers und umgekehrt bedingt, also nach dem Gefühle eines einzelnen Menschen behandelt werden muß. Die Bohrmaschine sitzt auf einer Spreize in Röhrenform, aus der ebenfalls ein hydraulischer Preßkolben herauskriecht und sich so mit zermalmender Kraft zwischen die Stollenwände klemmt. Das Druckwasser wird durch schmiedeiserne Röhren in den unterirdischen Bau eingeleitet, hat eine Spannung von 80 bis 85at, und bedarf eine Bohrmaschine keines größern Motors als 12 bis 13e, selbst bei Leitungen von etwa 800m Stollenlänge. Der Wasserverbrauch beträgt für eine Bohrmaschine und Stunde etwa 2cbm.

Die Brandt'sche Bohrmaschine wurde im Sonnsteintunnel (1429m lang auf der Strecke Gmunden-Ebensee) der Salzkammergutbahn zum ersten Mal praktisch und mit durchschlagendem Erfolge erprobt: mit nur einer Bohrmaschine ist bei einem Profile zwischen 6 und 7qm nach dem ersten Arbeitsmonate ein durchschnittlicher Stollenfortschritt von 2m,3 in 24 Stunden erzielt worden. Das Gestein im Sonnstein ist außerordentlich fest; es ist vorherrschend Dolomit von solchem Quarzreichthum durchfahren worden, daß jeder Meißelschlag der Handbohrung von Funkensprühen begleitet war, und trotz der größten Anstrengungen ein größerer täglicher Fortschritt als 1m,0 mit Handarbeit nicht erzielt werden konnte.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: