Titel: Antl's Verbesserung an Schramm's Doppeljacquardmaschine.
Autor: Antl, L.
Fundstelle: 1877, Band 226 (S. 354–357)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/ar226092

Verbesserung an Schramm's Doppel-Jacquardmaschine; von L. Antl, Director der Manufactur-Zeichen- und Webschule in Wien.

Mit einer Abbildung auf Taf. VIII [d/3].

Die Verbesserung betrifft jene Jacquardmaschine, die, in Wien unter dem Namen Schramm's Doppelmaschine1) bekannt, zur Erzeugung von Schafwollen-Damentüchern, Doppelstoffen, zweifärbigen Kidderminster-Teppichen, überhaupt solchen Stoffen dient, welche für jede Seite eine eigene Kette und besondere Schußfäden bedingen, so daß z.B. alle ungeraden Ketten- und Schußfäden die untere Seite, alle geraden Ketten- und Schußfäden die obere Seite des Stoffes bilden.

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Mit dieser Maschine kann man in Vergleich zu einem gewöhnlichen Jacquard mit der Hälfte Nadeln und mit der Hälfte Karten ein Muster erzeugen. Um dies zu erreichen, sind in jeder Nadel zwei gleichlange Platinen mit den Rücken an einander gestellt, so daß ihre Nasen auswärts stehen und je nach Erforderniß einmal die hintere (ungerade) oder die vordere (gerade) Platine von den Messern des Hebzeuges erfaßt und gehoben werden. Die ungeraden Platinen heben alle ungeraden Fäden (für die untere Seite des Stoffes), die geraden Platinen alle Fäden für die obere Seite. Die Messer sind beweglich, d.h. es läßt sich ihre Kante nach Bedarf entweder unter die Nasen der ungeraden oder der geraden Platinen stellen, um die einen oder die andern zu heben. Die Bewegung der Messer wird, wie sofort noch näher erwähnt, durch eine Platine des kleinen Cylinders bewirkt.

Um die Hälfte Karten zu ersparen, ist der Cylinder (Prisma) in zwei Stücke getheilt, so daß er einen kurzen und einen langen Cylinder bildet, wovon jeder für sich allein drehbar ist und seine eigene Laterne und seine eigenen Hunde besitzt. Der längere Theil des Cylinders o (Fig. 18) dient zur Aufnahme der Figurkarten, welche das Muster ohne alle Bindung enthalten; der kleine Cylinder p enthält die Karten für die Grundbindung des Gewebes, sowie die Löcher für Messerwechsel, für Hebung des Hundes an dem Figurcylinder, dann für die Hebeschäfte (Tringles).

Soll mit dieser Maschine ein zweifärbiges Muster gewebt werden, in welchem die Grundbindung Croisé ist und fortwährend ein lichter mit einem dunklen Schuß wechselt, so wird hier für alle zwei Schüsse, d.h. für den lichten und dunklen, nur eine Figurkarte geschlagen – und zwar so, als ob das Muster nur einfärbig zu arbeiten wäre; diese Karte wird auf den Figurcylinder aufgelegt. Für den kleinen Cylinder sind blos 8 Karten nöthig.

Die Bewegung der beiden Cylinder ist eine solche, daß sich der kurze Cylinder bei jedem Hub der Maschine dreht, während der Figurcylinder sich erst nach jedem zweiten Hub einmal wendet, daher ein und dieselbe Karte zweimal vor das Nadelbret bringt. Daß der lange Cylinder sich immer erst bei dem zweiten Schuß oder Hub dreht, wird dadurch erreicht, daß in jeder 1., 3., 5 . . . . Karte des kleinen Cylinders ein Loch für die Platine a geschlagen ist, wodurch diese Platine bei allen ungeraden Karten mitgehoben wird; da sie mit den Hebeln b und c verbunden ist, so werden die beiden Hunde d und d' so hoch gehoben, daß der Figurcylinder nicht erfaßt, also nicht gedreht wird.

Bei jedem 2., 4., 6 . . . . Hub dreht aber der obere Hund d den |356| Cylinder wie gewöhnlich, und es rückt dadurch eine neue Karte vor; gleichzeitig stellen sich die Messer so, daß sie auf ein und derselben Figurkarte bei dem ersten Hub die Platinen mit den Kettenfäden für die untere Seite, bei dem zweiten Hub die Platinen mit den Kettenfäden für die obere Seite des Stoffes aufheben, wodurch, wie man sieht, durch ein Kartenloch zwei Fäden verschiedene Bewegung erhalten, daher statt einer gewöhnlichen 1200er Maschine hier eine 600er sogen. Doppelmaschine ausreichen würde. Ebenso werden die Hälfte Karten dadurch erspart, daß jede Karte zwei Mal arbeitet.

So vortheilhaft diese Maschine in ihrer Anwendung für die eingangs erwähnten Stoffe auch ist, so konnte sie doch nicht die ihr gebührende Verbreitung finden, indem sich nur wenige Arbeiter damit befreunden konnten, wodurch viele Fabrikanten gezwungen waren, wieder zur alten Maschine zurückzugreifen. Die Ursache davon lag in der ungleichartigen Bewegung der Hunde, welche das Suchen eines verlornen Schußfaches (z.B. bei abgerissenem oder ausgegangenem Schuß) sehr erschwert und, weil dies oft vorkommt, äußerst zeitraubend macht, da hier zuerst durch Anzug der Schnur f die Karte vom Figurcylinder zurückgenommen und das Figurfach gesucht, dann erst zu dem gefundenen Fach durch Anzug der Schnur e die Karte des kleinen Cylinders zurückgetreten und das Schußfach für die Grundbindung dazu gesucht werden mußte, während bei der gewöhnlichen Jacquardmaschine ein einfaches Anziehen der Repetirschnur genügt, um die Karten zurückzunehmen und in kürzester Zeit zu dem verlorenen Fach zurückzukehren.

Dem Verfasser ist es nun gelungen, dem besprochenen Uebelstand in einfachster Weise abzuhelfen, so daß jetzt bei der Doppelmaschine eben so leicht wie bei der gewöhnlichen Maschine das verlorne Schußfach zu finden ist, wobei es gleichgiltig ist, ob die Karten eben vorwärts oder rückwärts gearbeitet wurden.

Es wird zu diesem Zwecke ein schwaches Litzeneisen zu einem kleinen Haken gebogen, wie in der Figur bei h zu sehen ist. Dieser Haken wird an den Hund d' unter Einschaltung einer Spiralfeder angehängt und zwar so hoch, daß der Haken h mitten in die Drahtschlinge g des Hebels b eintrifft; eine Schnur mit einem kleinen Bleigewicht i zieht den Haken von der Drahtschlinge g zurück. Weiter wird vorn in dem Loch des Hakens h eine Schnur m angeknüpft, durch die Drahtschlinge g über die Leitrolle k gezogen und mit dem Hund l' nach Einschaltung einer Spiralfeder verbunden.

Werden nun die Hunde d, d' und l, l' durch Gewichte, welche an das Ende der Schnüre e und f angehängt sind, gehoben, so zieht die |357| Schnur m den Haken h in die Drahtschlinge g hinein; wird ferner gleichzeitig die Platine a gehoben, so zieht diese mittels des Hebels b und des Hakens h die Hunde d, d' wieder nieder – jedoch nur so weit, daß dieselben den langen Cylinder o frei zwischen sich durchgehen lassen, letzterer also sich nicht dreht.

Soll nun ein Muster vorwärts wie gewöhnlich gearbeitet werden, so müssen die Gewichte an den Schnüren e und f wieder ausgehängt werden, damit blos die oberen Hunde d und l in Thätigkeit kommen; soll aber ein verlornes Schußfach gesucht, d.h. die Karte zurückgenommen werden, so sind die beiden Schnüre e und f gleichzeitig anzuziehen, so daß die unteren Hunde d', l' eingreifen, kurz es ist beim Vorwärts- und beim Rückwärtsarbeiten ebenso zu verfahren wie bei einer gewöhnlichen Jacquardmaschine. Es ist noch zu bemerken, daß die zwei Spiralfedern an den Hunden d' und l' einen etwas schärfern Zug haben müssen als die übrigen.

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Vgl. Kick und Rusch: Beiträge zur Spinnereimechanik (Wien 1868) S. 68. Grothe: Die Spinnerei, Weberei und Appretur auf der Weltausstellung zu Paris 1867 (Berlin 1868) S. 90. F. Kohl: Geschichte der Jacquardmaschine (Berlin 1873) S. 127.

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