Titel: Josten, über die Fortschritte in der Zündhütchenfabrikation.
Autor: Josten, H.
Fundstelle: 1877, Band 226 (S. 486–493)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/ar226123

Ueber de Fortschritte der Zündmittel für Feuerwaffen, mit besonderer Berücksichtigung der Fabrikation der Zündhütchen; von H. Josten in Barmen.

(Fortsetzung von S. 342 Bd. 225.)

Die Fabrikation der Zündhütchen1) zerfällt in drei Abtheilungen: 1) die Anfertigung der leeren Kapsel, 2) die Darstellung der Zündmasse und das Einbringen der letztern in die erstere, das sogen. Laden der Hütchen.

Die Bleche2) zur Anfertigung der leeren Kapseln werden vor Allem zunächst einer gründlichen Reinigung unterworfen, und hierbei schon zeigt sich ein bedeutender Fortschritt in der Fabrikation gegen früher, wo diese mühsame und unangenehme Verrichtung der mehr oder minder geschickten Ausführung des Arbeiters – der Handarbeit – anheimfiel, während sie jetzt in der ausgezeichnetsten Weise von der Maschine ausgeführt wird. Die Bleche werden zu diesem Behufe zunächst – 25 bis 30 an der Zahl, welche ein Gewicht von 200 bis 210k repräsentiren – in einen entsprechend großen Beiztrog gelegt, in welchem sich eine Beize, zusammengesetzt aus Wasser und Schwefelsäure, befindet, die hinreichend stark ist, um etwa fest anhaftende Unreinigkeiten von den Blechen zu lösen; letztere liegen im Troge auf einem Gestell, welches mit Leichtigkeit so hoch aus der Beize herausgehoben werden kann, daß es durch eine Drehung um 90° die aufgelegten Bleche in Verticalstellung bringt. Hierbei gleiten die Bleche in einen nebenstehenden Kasten mit vielfach durchlöchertem Boden. Ein kräftiger Wasserstrahl ergießt sich nun durch Oeffnen eines Hahnes über die Bleche in den Kasten, füllt diesen sehr bald, trotz des durchlöcherten Bodens, und reinigt so in sehr kurzer Zeit nicht nur die Bleche von allem Oxyd, sondern entfernt auch die anhaftenden Säuretheilchen, die ihren Zweck erfüllt haben und jetzt nur von schädlicher Einwirkung auf die Bleche sein könnten. Eine seitwärts in entsprechender Höhe angebrachte Ausflußöffnung verhindert das Ueberlaufen des Wassers über den Rand des Kastens. Auch dieser Kasten hat ein bewegliches Gestell, um die Bleche herauszuheben und wieder horizontal zu legen. Ist dies geschehen, so passiren sie ihrer ganzen Länge nach ein eigenthümlich zusammengesetztes Walzwerk, welches aus zwei rotirenden Walzenpaaren, |487| und einem Paar festliegender hohler Walzen besteht. Zunächst laufen die Bleche behufs Säuberung durch ein Paar Bürstenwalzen, dann durch ein Paar Metallwalzen, welche sie glätten, durch die Bürstenwalzen ziehen und zwischen den festliegenden Hohlwalzen durchschieben. Diese Hohlwalzen berühren sich nicht, lassen vielmehr eine Oeffnung von etwa 20mm Höhe frei und dienen zum Abspülen der durchpassirenden Bleche mittels Wasser, welches durch Löcher an den einander zugekehrten Seiten der Hohlwalzen unter einem Druck von 4at ausströmt. Von hier gelangen die Bleche, um das Ablaufen des Wassers zu begünstigen, auf eine schiefe ansteigende Ebene, welche aus einem mit vielen Oeffnungen versehenen Rahmen gebildet ist, zu einem etwas höher gelegenem Walzwerke, welches ebenfalls drei verschiedene Walzenpaare besitzt. Das erste führt die Bleche einem größern hohlen Walzenpaare, den Trockencylindern zu, welche mit Dampf von 4at Spannung geheizt werden und mit Vorrichtungen zum Ablassen des Condensationswassers versehen sind. Sie sind, wie der Name schon andeutet, dazu bestimmt, die Bleche zu trocknen und verrichten dies in kürzester Zeit in der befriedigendsten Weise. Unterstützt werden sie außerdem noch durch einen von einem Roots-Blower erzeugten und auf seinem Wege zu den Blechen stark erwärmten Luftstrom, welchen die Bleche, indem sie die heißen Cylinder verlassen, passiren müssen. Zwei kleine Walzen führen sie während dessen in schräger Richtung nach unten, wo sie ein Kasten aufnimmt, der ihnen bis zur weitern Verarbeitung als Aufbewahrungsbehälter dient. In der Regel unterwirft man auf einmal eine ganze Lieferung von 2000 bis 3000k dieser Behandlung, da ein solches Quantum für den Betrieb mehrerer Tage ausreicht.

Die so vorbereiteten Bleche werden nun in Partien von 50 bis 60k genau abgewogen; ein solcher „Posten“ wird mit einer laufenden Nummer versehen, die der Buchführung, sowie sämmtlichen Arbeitern, einschließlich des Controleurs, durch alle Stadien der weitern Verarbeitung, bei welcher das Princip der Arbeitstheilung streng durchgeführt ist, als Anhaltspunkt dient. Ein Posten Blech wird nun schön geordnet auf die Richtmaschine gelegt – ein genau abgehobelter gußeiserner Tisch mit einer gußeisernen Walze von entsprechenden Dimensionen und einem Gewicht von etwa 200k. Durch Maschinenbetrieb wird die Walze in rollender Bewegung über die Bleche – 15 Stück, je nachdem sie dicker oder dünner sind, mehr oder minder – hin und her bewegt, wodurch dieselben in wenigen Minuten gerichtet und geebnet sind. Der Tisch ist so lang, daß die Walze noch neben den Blechen Platz findet; der sie bewegende Mechanismus ist theils unter, |488| theils an der Seite des Tisches angebracht. Man kann dann bequem nach dem Richten die Bleche einzeln abnehmen, um dieselben unmittelbar durch die Einölmaschine – ein gepolstertes, mit Oel getränktes Walzenpaar – gehen zu lassen, welche jedes einzelne Blech an jeder Seite mit einer dünnen Schicht von Oel, dem etwas Petroleum beigemischt ist, überzieht. Es hat dies den Zweck die Schneidewalzen, welche die Bleche in Streifen schneiden, und diejenigen Walzen, die den geschnittenen Streifen die entsprechende Dicke zu geben bestimmt sind, sowie die Bleche selbst möglichst zu schonen. Von dieser Einölmaschine, deren Form wir im weitern Verfolg der Fabrikation, nur in kleinern Dimensionen, wieder begegnen werden, gelangt die Blechtafel direct zur Schneidemaschine, um von dieser selbstthätig in eine beliebige Anzahl Streifen geschnitten zu werden, deren Breite den daraus zu fertigenden Hütchen entsprechend gewählt werden muß. Schneide- und Walzmaschine sind für die Fabrikation der Kapseln von der größten Wichtigkeit. Sie werden deshalb mit vollem Recht „die Calculationsinstrumente der Fabrikation“ genannt. Die Schneidemaschine gestattet allenfalls noch eine Toleranz von 0mm,1 Differenz in der Breite der Streifen; die Walzmaschine gibt dagegen kaum 0mm,01 in der Dicke als Toleranz.

Früher, und in einigen Zündhütchenfabriken auch jetzt noch, diente die einfache Kreisschere mit oder ohne Dampfbetrieb – wenn nicht gar noch eine ältere Form beliebter war – zum Schneiden der Streifen, wobei jedesmal nur ein oder, wenn man mehrere Bleche auf einander legen konnte, einige Streifen von den Blechen abgeschnitten wurden. Die Neuzeit hat auch auf diesem Gebiete Abhilfe geschaffen. Meine Multiplications-Streifenschneidemaschine hat sich im Betriebs vollkommen bewährt; sie zerschneidet die Bleche mit einem Male in so viel Streifen, als gewünscht wird, und zwar in sechs verschiedenen Breiten. Der Uebergang von der einen Breite zur andern, d. i. der Wechsel dieser Systeme, erfordert nur 1/6 Umdrehung einer Kreisscheibe, in welcher die 6 verschiedenen Schneidewalzen gelagert sind, was in einer Minute ausführbar ist. Die Streifen werden in einen Kasten, der mit Rädern versehen ist, aufgefangen und der Walzmaschine zugeführt.

Die Walzmaschine, welche die Streifen jetzt zu passiren haben, ist ein System von Walzen, deren Gesammtzahl sich nach den verschiedenen Sorten der Kapseln richtet. Man hat deren 2 bis 8 Walzenpaare. Sie haben alle den gemeinschaftlichen Zweck, den Streifen in seiner ganzen Länge die größte Gleichheit bezüglich seiner Dicke zu geben. Dies beschränkt sich jedoch nicht blos auf den einzelnen Streifen, sondern selbstredend auf alle Streifen, aus welchen eine bestimmte Sorte |489| Hütchen hergestellt werden soll. Es ist dies keine kleine Aufgabe, und es gehört dazu, außer ausgezeichneten Walzen, eine fortwährende gewissenhafte Aufmerksamkeit, öftere Prüfung durch fleißige Handhabung der Meßinstrumente und ein feines Gefühl. Erleichtert wird dies durch genaue Meßinstrumente, von denen neben jedem Walzenpaar eines angebracht ist, und welche bis zu 0mm,01 genau angeben, welche Dicke der Streifen beim Durchgang des betreffenden Walzenpaares haben muß, damit dieses Walzenpaar selbst das entsprechende leistet und die nachfolgenden nicht überbürdet werden. Material und Maschine sind trotz enormer Leistungen möglichst zu schonen. Behufs Regulirung der Walzen an sich ist in jedem Etablissement eine eigens zu diesem Zwecke construirte Schleifmaschine vorhanden, welche 0mm,01 Ungenauigkeit in unzweifelhafter Weise in hundertfacher Vergrößerung anzeigt. Das Originalmeßinstrument, wonach alle Maße normirt werden, gestattet 0mm,05 genau zu messen und sicher abzulesen. Die auf richtige Dicke gewalzten Streifen müssen das letzte Walzenpaar in möglichst gerader Richtung verlassen und dürfen ihre Geschmeidigkeit noch nicht ganz eingebüßt haben.

Die die Walzmaschine verlassenden Streifen wurden früher entweder von Hand oder durch eine geeignete Vorrichtung aufgerollt, bis die Rolle einen gewissen Durchmesser erlangt hatte, dann entweder fest gebunden oder in einen Ring gesteckt, um das Wiederabrollen der einzelnen Streifen zu verhindern, und hierauf in einen Glühofen (Retorte oder ähnliche Form) gebracht, um die volle Geschmeidigkeit wieder zu erlangen. Jetzt führt man die von der Walzmaschine kommenden Streifen unmittelbar über ein System von Gasflammen, welche sie genugsam glühen, ohne Gefahr des Verbrennens. Der Glühapparat wird durch die Walze selbst regulirt, und der Streifen ist fast in demselben Moment, wo er die letzte Walze verläßt, bereits geglüht. Er wird bei dieser Operation in einen Kasten geleitet, der an beiden Enden und oben offen, dessen Boden einer Leiter nicht unähnlich ist, und welcher etwa 10 bis 15k Streifen faßt. Ist dieser Kasten gefüllt, so wird er über zweckmäßig angeordnete Rollen weiter befördert und gelangt sammt seinem Inhalt in einen Beiztrog, dessen Beize von der schon genannten Beschaffenheit ist. Hier verweilen die Streifen eine entsprechende Zeit, welche von deren Material und von der Stärke der Beize abhängig ist. Von hier aus gelangt der Kasten mit seinem Inhalt in einen andern mit Wasser halb gefüllten Kasten, dem beständig ein starker Strom reinen Wassers zufließt, das sich über die gebeizten Streifen ergießt, diese von Säure etc. befreit und am andern Ende des Kastens durch ein angebrachtes Rohr in ein Bassin abfließt, in welchem |490| das abgelöste Kupfer sich ablagert. Der angesammelte Niederschlag wird zur gelegenen Zeit als werthvolles Material an chemische Fabriken verkauft. Auch die gesättigte Beize in den Beiztrögen wird auf ähnliche Weise verwerthet; ebenso die gesammelte Kupferasche, die aber meistens dem Schmelzproceß unterworfen wird. Die in dem Kasten befindlichen, jetzt genügend entsäuerten Streifen passiren neuerdings ein Walzwerk, welches der Form nach Aehnlichkeit mit der Putzmaschine für Bleche hat, nur in bedeutend kleinern Dimensionen ausgeführt ist und sich außerdem noch von dieser dadurch unterscheidet, daß es wohl die Bürstenwalzen und die Glätte- bezieh. die Durchzugwalzen aufzuweisen hat, nicht aber die dann noch folgenden hohlen Spülwalzen. Die Streifen werden nämlich von dieser Putzmaschine direct in einen mit Wasser gefülltes Behälter geleitet, in welchem etwas Weinstein aufgelöst wurde, um sie glänzend zu erhalten. Dieses Wasser wird nur nach Erforderniß von Zeit zu Zeit erneuert. Die aus diesem Wasser ausgehobenen Streifen werden abtropfen gelassen, dann mittels heißer (von einem Roots-Blower zugetriebenen) Luft rasch getrocknet und hierauf einzeln auf die Einöl- und Glättmaschine gelegt. Hier passirt der Streifen zuerst ein Paar gepolsteter Walzen, die mit Oel, welchem etwas Petroleum beigemischt wurde, getränkt sind, und dann ein Paar durch Spiralfedern gegen einander gedrückter Metallwalzen. Von den letztern kommend, wird der Streifen sofort durch eine sinnreiche Vorrichtung aufgerollt, bis die Rolle etwa 10k aufgenommen hat und nun verschlossen werden kann. So vorbereitet wird diese Rolle nun vor die Kapselmaschine gebracht. Es ist diese Maschine insofern von größter Wichtigkeit, weil sie es ist, wonach sich alle andern Maschinen zu richten haben, und wird demnach mit Recht „der Regulator der Production“ genannt.

Es bedarf wohl kaum der Erwähnung, daß bei all den vorhin angeführten Arbeiten, sofern eine eben nennenswerthe Kraftanwendung in Betracht kommt, die zweckmäßigsten technischen Hilfsmittel zur Anwendung gelangen. Ebenso stehen neben der Kapselmaschine eine Reihe von exact arbeitenden Hilfsmaschinen in Thätigkeit zur Anfertigung der Hohl- und Vollstempel, zum Bohren von Löchern, zum Schleifen und Poliren der Werkzeuge u. dgl.

Bis zur Kapselmaschine wanderten die Streifen den gemeinsamen Weg, d.h. sie wurden, zu was für einer Sorte Hütchen sie auch verwendet werden sollten, derselben Behandlung unterworfen. Hier gehen nun ihre Wege aus einander. Die einen werden in „Kreuze“ verwandelt, andere in „Sterne“ erster oder zweiter Größe, und nur diejenigen, die |491| zu solchen Hütchen bestimmt sind, welche inwendig und auswendig annähernd noch die cylindrische Form beibehalten, finden auf der gewöhnlichen Kapselmaschine ihre Formvollendung. Ausgenommen hiervon sind jedoch solche Hütchen, deren Durchmesser zur Höhe in einem solchen Verhältniß steht, daß ihre Dimensionen mit einem Druck nicht zu erreichen sind, wie z.B. die Zünder für die Dynamitpatronen. Die gewöhnliche Kapselmaschine – hier im berechtigten Sinne „Zündhütchenmaschine“ genannt – schneidet zunächst ein Scheibchen aus dem Streifen, formt es zum Hütchen und schneidet dieses auf Länge ab. Es gibt solche, die bei einer Umdrehung der Maschine nur ein Hütchen erzeugen, und vervollkommnete, die es bis zu 5 Hütchen gebracht haben. Ihre Leistungen variiren zwischen 20 bis 120 Tausend im Tag (zu 10 Stunden) je nach Sorte und Größe der zu kapselnden Hütchen. Die Hütchen Pavillon de Guerre und Pavillon de Chasse, beides Hütchen mit Rand (Krampe), die sich nur durch ihre Größe hinsichtlich der Form und des Kalibers von einander unterscheiden, erfordern schon complicirtere Maschinen. Die vorgeschrittenste sah man auf der letzten Londoner Ausstellung 1862, die mit 6 Stempeln arbeitete und 35 000 Stück Hütchen in der Stunde lieferte, wobei sie sogar noch die „Kreuze“ selbst aus dem Streifen schnitt und sie den Stempeln in untadelhafter Form zuführte.

Eine ganze Reihe von Maschinen, mehr oder weniger complicirt, dient noch dazu, die verschiedensten Formen von Kapseln herzustellen; wir können sie hier aber nicht weiter berücksichtigen; nur diejenige für die Patronenhütchen M/71 (vgl. * 1875 216 230) sei noch kurz erwähnt. Sie wird von den Arbeitern nicht mit Unrecht Non plus ultra genannt und unterscheidet sich von der gewöhnlichen Kapselmaschine hauptsächlich dadurch, daß sie das Hütchen nicht abschneidet, sondern das ausgeschnittene Scheibchen (aus Messing) ganz zu einem Hütchen verwandelt. Auch diese Maschine hat trotz ihrer Jugend schon die verschiedensten Abänderungen erfahren.

Neben der Kapselmaschine3) sind noch zwei interessante Maschinen zu erwähnen, zunächst die Plättchenausschneidemaschine, welche in durchaus selbstthätiger Weise aus den dünnsten Kupfer-, Messing- oder Staniolstreifen runde Scheibchen ausschneidet und diesen die Form einer Halbkugel gibt. Dieselben werden später (von Hand) auf die Zündmasse in den Patenthütchen gelegt und mit derselben in den Hütchen festgepreßt, um die Zündmasse vor der Einwirkung äußerer Einflüsse, |492| feuchter Luft etc. zu schützen. Die Maschine hat sich lange auf der Höhe der Zeit erhalten und noch immer leistet sie gute Dienste; indessen ist sie doch in der neuesten Zeit von der Plättcheneinlegemaschine überflügelt worden, welche das Vollendetste in dieser Branche leistet. Sie schneidet mit größter Sauberkeit hundert Plättchen auf einmal aus und legt diese zugleich untadelhaft in die mit Zündmasse versehenen Hütchen, ohne die geringste Beihilfe der menschlichen Hand. Die zweite Maschine heißt Flobert-Maschine, welche an den Bd. 225 S. 341 erwähnten Floberthütchen (Kugelhütchen), nachdem diese den Zündsatz, der zugleich als Treibsatz dient, in sich aufgenommen, zunächst die Wulst (Kopf) anpressen, wodurch zu gleicher Zeit die Zündmasse im Boden des Hütchen festgepreßt und außen, am Boden des Hütchens, die Schutzmarke aufgedrückt wird. Dann legt sie eine Kugel auf die Oeffnung des Hütchens, drückt diese bis auf eine bestimmte Tiefe in dasselbe hinein und bringt das fertige Hütchen aus der Maschine in einen Kasten, der von Zeit zu Zeit geleert wird.

Eine Operation wird nun noch mit den Hütchen, sobald sie von der Maschine kommen, vorgenommen, nämlich der Grath entfernt, der sich an dem offenen Ende des Hütchens beim Kapseln gebildet hat. Es war dies lange Zeit ein ungelöstes Problem, welches zu sehr sinnreich construirten Maschinen Veranlassung gab, die aber alle den Erwartungen nicht entsprachen, bis man auf den Gedanken kam, eine ovale eiserne Trommel herzustellen, deren äußere Begrenzung aus eng zusammen gestellten runden Stahlstäben gebildet ist. In diese Trommel werden die Hütchen, etwa 25 bis 30k – soviel an Gewicht beträgt in der Regel ein Posten Hütchen – geschüttet und nach Verschluß der Trommel diese in Rotation gesetzt. Die Hütchen rollen auf den Stäben, der Grath reibt sich dadurch völlig ab und fällt durch die Zwischenräume, die so eng sind, daß sie keine Hütchen hindurch lassen, in einen untergestellten Kasten. In sehr kurzer Zeit ist der Zweck erreicht und somit der technische Theil, in Bezug auf die Form des Hütchens, zum Abschluß gebracht. Was jetzt noch mit den leeren Kapseln vorgenommen wird, dient lediglich dazu, ihnen einen schönen bleibenden Glanz zu geben, und es geschieht dies durch rein mechanische Mittel. Zu dem Ende werden sie zunächst in einer hölzernen Trommel durch Sägemehl von dem anhaftenden Oel befreit und dann „verlesen“, d.h. die schlechten, fehlerhaften Hütchen von den guten gesondert. Für diese Manipulation hat man wohl Hilfsmittel, aber keine Maschine. Es ist diese (Frauen-) Arbeit der Geschicklichkeit der Hand und dem Scharfblick des Auges anheimgegeben; sie wird ihnen verbleiben, so lange Hütchen |493| fabricirt werden. Nach dem „Verlesen“ werden die Hütchen der genauen Controle und der Calculation unterworfen, wobei die feinsten Wagen, die genauesten Meßinstrumente, Gläser mit 20facher Vergrößerung Anwendung finden. Was nicht die Prüfung besteht, wird sofort verworfen. Die als gut erkannten Hütchen (Kapseln) werden nun, um jede Spur etwa noch anhaftender Fett- oder Säuretheilchen zu entfernen – beide könnten der Zündmasse gefährlich werden – in Wasser, in welchem etwas Weinstein aufgelöst wurde, durch Dampf gekocht, darauf mit reinem Wasser abgespült, dieses in der Schleudermaschine möglichst aus dem Hütchen wieder entfernt, und dann in einer hölzernen Trommel mit trocknem Sägemehl polirt. Behufs Entfernens dieses Sägmehles aus und von den Hütchen nach erfolgter Politur werden die Hütchen von der Polirtrommel in ein rotirendes Sieb geschüttet. Die fertigen Hütchen werden in Säcke verpackt, mit den entsprechenden Marken versehen und bis zur weitern Verarbeitung im Magazin aufbewahrt.

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Vgl. auch die kurzen Notizen von Egestorff, 1864 173 311.

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Vgl. Fabrikation des Kapselbleches am Ural, *1862 164 94.

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Ueber Maschinen zur Kapselfabrikation vgl. 1856 * 139 102. * 141 161. 164.

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