Titel: Sterling's neue Erdöllampe.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 17 (S. 110–111)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi01_17

Sterling's neue Erdöllampe.

Von Zeit zu Zeit stattfindende Explosionen, sowie das umständliche Füllen und Beschneiden bei den gebräuchlichen Erdöllampen haben einer kürzlich erschienenen verbesserten Lampe von Sterling in Boston schnellen Eingang verschafft, da bei dieser Lampe eine Explosion undenkbar und das Auffüllen des Oeles äußerst bequem bewerkstelligt, ja sogar während des Brennens der Lampe vorgenommen werden kann. Neben diesen Vorzügen verbindet diese Lampe, welche als Wandlampe ihre Anwendung |111| findet, noch manche Annehmlichkeiten; sie hat ein gefälliges Aeußere, ist leicht zu reinigen, und wirft beinahe gar keinen Schatten.

Eine gegossene façonnirte Platte mit seitlichen Vorsprüngen wird entweder direct an die Wand oder auf ein Holzschild festgeschraubt; in diese Platte wird der Arm, welcher die Lampe trägt, eingehängt. An einem Ende des Armes, zunächst der Wand, befindet sich das Oelreservoir, welches unten mittels einer Sehschraube festgehalten wird und oben einen Metallaufsatz trägt, der als Trichter zum Aufgießen des Oeles dient und durch einen metallenen, ornamentirten Stöpsel geschlossen wird; durch diesen Aufsatz geht eine Messingröhre bis nahe zum Boden des Oelgefäßes und durch den hübsch ornamentirten, 30 bis 40cm langen Lampenarm, welcher als Heber dient und an dessen äußerstem Ende sich ein verticales Rohr befindet, das weit genug ist, um den Docht und etwas Oel aufzunehmen; der Brenner mit Cylinder und Schirm wird oben aufgeschraubt. Meistens kommt bei diesen Lampen eine Art neuer Brenner in Anwendung, der in zwei Theilen angefertigt und mit einem Scharnier versehen ist. Der Schirm wird mittels einer Feder festgehalten, und es kann somit der Brenner, ohne Schirm und Cylinder abzunehmen, mit diesen aufgeklappt werden, um den Docht zu beschneiden. Im Arm und Dochtbehälter der Lampe liegt ein Messingfutter (ein in Heberform gebogenes Messingrohr mit verticalem Cylinder), welches vor dem Gießen des Armes in die Form gelegt wird, somit fest mit dem Arm verbunden ist, daher das Oel nur durch Messing geführt wird. Dadurch wird die Fabrikation etwas kostspielig, doch hat sich diese Anordnung als sehr zweckmäßig erwiesen, da jedes billigere Material das Erdöl nach und nach durchsickern läßt. Im Handel kommt diese Lampe ohne Brenner auf 16 Dollars das Dutzend zu stehen; ein Dutzend der oben beschriebenen Brenner kostet 2 Dollars und 50 Cents. (1 Dollar = 4 M. 20 Pf.)

Bei dem erstmaligen Anbrennen der Lampe ist es nothwendig, das Glasreservoir und den Metallaufsatz bis über die Mündung in den Arm zu füllen, damit letzterer seine Function als Heber beginnen kann; fernerhin arbeitet derselbe continuirlich, bis das Oel consumirt ist. Sollte alles Oel aufgezehrt sein und der Arm sich mit Luft füllen, so muß das Reservoir wieder ganz aufgefüllt werden wie beim Beginn. Oel in den Dochtbehälter zu gießen, ist völlig unnöthig. Ein kleines Loch befindet sich im Stöpsel, um Luft in das Reservoir dringen zu lassen; dieses sollte immer offen, nie verstopft sein. Die Lampe brennt immer gleichmäßig und eignet sich insbesondere für Schreibtische, Werkbänke und öffentliche Locale. E. Bilhuber. (Gewerbeblatt aus Württemberg, 1877 S. 145.)

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