Titel: Ueber Lampson's künstliche Mühlsteine; von K. W. Kunis.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 4 (S. 104–105)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi01_4

Ueber Lampson's künstliche Mühlsteine; von K. W. Kunis.

Dieselben sind aus französischem Rohmaterial (Süßwasserquarz von La Ferté sous Jouarre) hergestellt. Dieses Rohmaterial wird zerkleinert, gesiebt und sortirt und hierauf mit einem geeigneten Bindemittel vermischt in Formen gebracht. Die hergestellten Steine bilden in Folge dessen ein einziges Stück von durchaus gleicher Beschaffenheit und je nach Verlangen mehr oder weniger Porosität. Sie können deshalb sofort, nachdem die Haue genau in die Mitte eingelassen, in Betrieb gesetzt |105| werden, ohne das lästige Abwiegen vornehmen zu müssen. Der Fabrikant kann nach Wunsch Steine von größerer oder geringerer Härte, fein- oder grobkörnig liefern. Da die Steine aus einzelnen kleinen Stückchen mit scharfen Ecken und Kanten bestehen, welche sich zwar auch abmahlen, aber fortwährend durch neue ersetzt werden, so bieten dieselben trotz ihrer Geschlossenheit eine gute Mahlfläche, welche für gewisse Mahlzwecke nicht geschärft zu werden braucht. Wer Kraft genug zur Verfügung hat und weniger Werth auf das Schärfen der Mühlsteine legt, der kann Lampson's Mühlsteine getrost ohne Schärfe lassen; wer aber weniger mit Kraft, sondern mehr mit Kunst mahlen muß und wer nach dem Sprichwort: „Schärfen versäumt nicht“ gewohnt war, fast tagtäglich zu schärfen, der wird auch Lampson's Steine, wenn auch nicht zu oft, schärfen. Die künstlichen Mühlsteine erfordern in Folge ihrer Geschlossenheit tiefe Hauschläge, deren gute Instandhaltung sich der Müller angelegen sein lassen muß, wenn er die Steine auf ihre volle Leistungsfähigkeit ausnutzen will.

Was nun die Leistungsfähigkeit betrifft, so eignen sich diese Steine zwar für alle Mahlzwecke, stehen aber als Ausmahlsteine unübertroffen da. Ueber ihre Leistungen als Schrotsteine liegen dem Verfasser folgende Daten einer süddeutschen Mühle vor: „Zwei gleich große Quantitäten geringer Weizen (sogen. Abbruch) wurden abgewogen, davon die eine einem Gange mit frisch geschärften französischen Mühlsteinen übergeben, während alle übrigen Gänge außer Betrieb gesetzt waren. Der Gang wurde durch eine gewisse, genau regulirte Wassermenge in Bewegung gesetzt, und wurde das ganze Quantum in einem Zeitraum von 20 Minuten fein durchgeschroten. Die zweite gleiche Menge wurde nun dem mit künstlichen Mühlsteinen versehenen Gange übergeben, während der Wasserzufluß sowie alle übrigen Verhältnisse dem vorigen Versuche gleich waren. Die künstlichen Mühlsteine hatten das ganze Quantum in einem Zeitraum von 15 Minuten fein geschroten. Die Steine hatten durchaus gleichen Durchmesser und arbeiteten mit 102 Umdrehungen in der Minute. Das Mahlgut von den französischen Mühlsteinen fühlte sich etwas warm, von Lampson's Mühlsteinen dagegen vollständig kalt an. Beim Abwiegen der gewonnenen Producte ergaben Lampson's Steine 4 Proc. Griefe und 1 Proc. Dunst mehr, dagegen weniger Schrotmehl. Das Mehl, mit den französischen Steinen erzeugt, war eine Idee weißer, was seinen Grund darin hatte, daß die französischen Steine, wie schon erwähnt, 5 Proc. Gries und Dunst mit zu Mehl vermahlen hatten – ein Umstand, der in Süddeutschland, wie überhaupt bei Hoch- und Halbhochmüllerei, nur ungern gesehen wird.“

Als Ausmahlsteine sind Lampson's Steine, wie schon erwähnt, unübertroffen, sie leisten bis 25 Proc. mehr als andere und liefern dabei ausgezeichnete Producte. Versuche, welche sich über den Zeitraum von fast einem Jahre erstrecken, während welcher Zeit Lampson's Steine tagtäglich in Betrieb waren, sowie die Beobachtungen, welche Verfasser außerdem in verschiedenen andern Mühlen machen konnte, und die Mittheilungen bewährter Fachgenossen berechtigen zu diesem Urtheil. (Nach der Mühle, 1877 S. 258.)

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