Titel: Ueber das Treiben der Cemente.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 6 (S. 106)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi01_6

Ueber das Treiben der Cemente.

Nach den Mittheilungen aus dem mechanisch-technischen Laboratorium der Polytechnischen Schule in München von Prof. J. Bauschinger (1877 Heft 7) sind mittels der sogen. Glasprobe folgende 7 Cemente auf Treiben untersucht worden:

1) Dyckerhoff und Söhne in Amoeneburg,

2) Schifferdecker und Söhne in Heidelberg,

3) Perlmooser Cement,

4) Böcking und Dietsch in Malstadt bei Saarbrücken,

5) Espenschied in Friedrichsfeld bei Mannheim,

6) Stuttgarter Cementfabrik, Blaubeuern,

7) Delune und Comp. in Grenoble.

Diese Cemente wurden sowohl rein, wie in drei verschiedenen Sandmischungen mit gewaschenem Isarsand, der durch ein Sieb mit 5 Maschen auf 1qc gegangen war, mit so viel Wasser angemacht, daß man eine leicht ballende plastische Masse erhielt. Diese wurde in kleine Zuckergläser von 7cm Höhe und 5cm,5 Durchmesser unter Aufklopfen derselben eingefüllt; nun wurde beobachtet, ob und wann die so bis zum Rande völlig gefüllten Gläschen, zusammen 132 Stück, von dem Cement gesprengt würden. Innerhalb 80 Tagen sprangen an Gläschen:

Dickerhoff
und Söhne.
Schifferdecker
und Söhne.
Perlmoos. Böcking und
Dietsch.
Espenschied. Blaubeuern. Delune.
1 Cement und
5 Sand.
1 4 1 4 5 4 1
1 Cement und
4 Sand.
1 2 5 4 4 4 3
1 Cement und
3 Sand.
2 2 2 2 5 3 0
Reiner
Cement.
0 1 1 2 5 4 0

Es ist bemerkenswerth, daß kein einziger der sieben untersuchten Cemente die Probe völlig bestanden hat. Die Thonindustriezeitung, 1877 S. 190 bemerkt dazu, man solle meinen, daß, wenn ein Cement treibt, auch sämmtliche Proben desselben treiben müßten, bei der Glasprobe wurde aber nur ein Theil der Gläschen zertrümmert. Es ist ferner auffallend, daß grade die sandreichen Proben mehr Gläser zersprengt haben, während doch reiner Cement stärker treiben müßte als mit Sand vermischter. Die Glasprobe ist demnach für praktische Zwecke unbrauchbar; vollends untauglich erscheint sie aber, wenn man die mit den Cementen ausgeführten Festigkeitsversuche berücksichtigt. So fand Bauschinger für den Cement von Blaubeuern bei Erhärtung unter Wasser eine Zugfestigkeit nach 60 Tagen von 25k, nach 144 bis 160 Tagen von 32k für 1qc, also einerseits eine an sich völlig befriedigende Zugfestigkeit, anderseits eine beträchtliche Zunahme derselben in der weitern Erhärtungsfrist, und gleichwohl hatte der reine Cement bei sämmtlichen vier damit angestellten Glasproben die Gläser zertrümmert.

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