Titel: Davies' zerlegbarer Dampfkessel.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 2 (S. 210)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi02_2

Davies' zerlegbarer Dampfkessel.

Diese in Engineering, August 1877 S. 122 und 123 ausführlich illustrirte und sogar wirklich ausgeführte Construction bietet so ziemlich das Absurdeste dar, was noch je im Dampfkesselbau vorgeschlagen worden ist. Man denke sich zwei kurze Rundkessel direct über einander gelegt, von denen der untere zur Aufnahme und Vertheilung des Speisewassers, der obere als Dampfsammler dient. Auf beiden Seiten von diesen Centralkesseln sind nun in Zwischenräumen von je 300mm sechs Flachkessel neben einander ausgestellt, 3000mm hoch, 1200mm breit und von 150mm lichter Weite. Dieselben sind aus zwei großen Blechtafeln über einem U -förmigen Rahmen derart zusammengenietet, daß man überhaupt nicht begreift, wie die Nieten eingebracht und vorgehalten werden konnten; schließlich sind die beiden Tafeln, um dem Dampfdrucke Widerstand leisten zu können, durch Stehbolzen (Theilung 150mm) versteift, so daß ein Reinigen dieser Kesseltheile absolut unmöglich wird. Die Kessel sind schwach geneigt aufgestellt; ein siebenter, ähnlicher, aber entgegengesetzt geneigter Kasten bildet auf jeder Seite den Abschluß, während auf den Querseiten beiderseits noch je vier weitere Wände gleicher Construction angesetzt sind, um die inneren Räume abzuschließen und „die Einmauerung zu ersparen“.

Der an beiden Enden gebildete, dachförmige Raum enthält die Roste, von denen aus die Gase durch ein Heizthür ähnliches Loch in die obere Hälfte des angrenzenden Flachkessels entweichen, den nächstfolgenden Kesseltheil nach abwärts und dann nach aufwärts zu bestreichend, durch eine Oeffnung des dritten Flachkessels weiter ziehen u.s.f., und endlich längs des untern Rundkessels in den Schornstein gelangen.

Die Vertheilung des Speisewassers, sowie die Dampfentnahme geschieht durch je ein Längsrohr, das mit jedem einzelnen Kesseltheil durch Kupferrohre verbunden ist.

Der ganze Kessel besteht ohne die Rohrverbindungen aus nicht weniger als 26 Haupttheilen mit etwa 5000 Stehbolzen (während ein Locomotivkessel deren höchstens 500 hat), besitzt außerdem etwa 120 Flanschverbindungen und entwickelt bei einer effectiven Heizfläche von etwa 160qm eine Abkühlungsoberfläche von mindestens 100qm. Die Verdampffähigkeit muß schon deshalb weit hinter einem Röhrenkessel zurückstehen, weil die Blechstärke der flachen Wände, um einem Dampfdruck von 6at Widerstand zu leisten und den Stehbolzen hinreichendes Gewinde zu gewähren, mindestens 10mm stark sein muß. Der Preis eines solchen Kessels, dessen Theile schwieriger herzustellen sind wie die complicirteste Feuerbüchse, wird jedenfalls der eines Siederohrkessels gleicher Heizfläche um das Vielfache übersteigen.

Und doch wird in dem praktischen England solcherlei Mißgeburt nicht allein erdacht, sondern auch empfohlen, ausgeführt und in ausgedehnten Heizversuchen erprobt.

M-M.

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