Titel: Bronzeläufe für Handfeuerwaffen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 9 (S. 212–213)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi02_9

Bronzeläufe für Handfeuerwaffen.

Von Louis Müller, Metallwaarenfabrikant in Wien (Fünfhaus), wurden Bronzeläufe für alle Handfeuerwaffen patentirt, und ein Karabinerlauf für Werndl-Karabiner (als das Mittelding zwischen Infanterie- und Revolverlauf) auf sein Ansuchen vom k. k. technischen und administrativen Militär-Comité mit Bewilligung, des k. k. ö. Reichs-Kriegsministeriums einer eingehenden Erprobung unterzogen. Wir wollen im Folgenden die wichtigsten Eigenschaften, sowie die Vortheile dieser Bronzeläufe, denen wohl schon heute besondere Aussichten für die Zukunft vorhergesagt werden können, näher besprechen und, daran anschließend, die äußerst werthvollen und interessanten Ergebnisse der Prüfung mittheilen.

Bohrung, Eintheilung und Tiefe der Züge sowie die äußeren Dimensionen, Durchmesser und Länge der Bronzeläufe stimmen mit jenen der Stahlläufe überein. Die zur Herstellung derselben verwendeten Materialien sind reines Kupfer und Zinn, welche auf chemischem Wege durch Phosphor gereinigt, somit von allen Oxyden befreit sind. (Vgl. die Notiz über Phosphorzinn und Phosphorbronze 1877 225 514).

Die Vortheile, welche solche Bronzeläufe den Stahlläufen gegenüber besitzen, sind folgende: 1) Hat die Bronze, welche zu Handfeuerwaffen verwendet wird, bei gleicher Härte eine bedeutend größere Elasticität und Zähigkeit als der Stahl. |213| 2) Sind Läufe aus dieser Bronze durch Anwendung von bei Gewehren üblichen Pulverladungen, oder bei Verwendung von Knallpräparaten als Triebmittel, Ausbrennungen nicht unterworfen. 3) Ist eine Abnutzung der Züge selbst nach einer großen Anzahl von Schüssen bei Läufen aus dieser Bronze nicht zu bemerken. 4) Ist die Conservirung der Läufe höchst einfach, da ein Oxydiren sowohl, als ein Rosten derselben nicht eintreten kann, eine Vernachlässigung der Reinigung der Laufbohrung daher ganz ohne nachtheilige Folgen ist. 5) Ist der Anschaffungspreis solcher Bronzeläufe nicht höher als der guter Stahlläufe, und repräsentirt der Bronzelauf (falls wirklich einmal unbrauchbar) immer 50 Proc. des Anschaffungswerthes, wogegen der Werth des unbrauchbar gewordenen Stahllaufes gleich Null ist. 6) Wird man nicht in die Nothwendigkeit versetzt, wie bisher Nachschaffungen für die durch mangelhafte Conservirung verdorbenen Läufe zu machen.

Aus dem Berichte des oben genannten Militär-Comité ist hervorzuheben, daß „die Visitirung des eingelieferten Laufes, nachdem aus demselben der Angabe des Erfinders gemäß 300 Schüsse abgegeben worden waren, weder bemerkenswerthe Fehler, noch Abweichungen in den Dimensionirungen ergab. Die Schußpräcision des Laufes war befriedigend und ebenso gut wie jene des normalen Werndl-Karabiners. Nach Abgabe von weiteren 500 scharfen Schüssen, worunter 10 mit reißenden Patronenhülsen, und wobei der Lauf nach je 25 Schüssen gereinigt wurde, hat die Schußpräcision des Laufes nicht im mindesten abgenommen. Zwar wurden nach dieser Schußzahl kleine Rauhigkeiten im rückwärtigen Theile der Bohrung sichtbar, welche erfahrungsgemäß bei Bronzeläufen früher oder später immer eintreten; doch haben dieselben keinen Einfluß weder auf die Schußpräcision, noch auf die Güte oder Haltbarkeit des Laufes. Sonst hatte die Bohrung keine meßbare Veränderung erfahren, die Zugkanten blieben scharf – ein Beweis für die genügende Härte des Materials. Ein Verbleien der Bohrung trat nicht ein, und es ließ sich dieselbe stets leicht und schnell reinigen. Aus diesen Versuchen, sowie aus den vorhandenen Erfahrungen läßt sich der Schluß ziehen, daß entsprechend sorgfältig bearbeitete Bronze recht gut zu Läufen für Handfeuerwaffen verwendet werden kann, und daß solche Läufe den wesentlichen Vortheil der leichtern Conservirung gegenüber den Stahlläufen besitzen. Hingegen dürfte die Herstellung einer homogenen und dichten Bronze, sowie die nachherige Bearbeitung des Laufes etwas schwieriger als bei Verwendung von Stahl sein. Das Gewicht der Bronze verhält sich zu dem des Stahls wie ungefähr 9 : 8.“

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: