Titel: Ueber Hartguß; von A. Ledebur.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 4 (S. 322–323)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi03_4

Ueber Hartguß; von A. Ledebur.

Wenn man das Gußeisen als ein Gemisch verschiedener Verbindungen und Lösungen, ähnlich den Legirungen, betrachtet, so liegt die Vermuthung nahe, daß es beim Erstarren ein der Saigerung der Legirungen ähnliches Verhalten zeige, also eine abweichende Zusammensetzung an den nach dem Gießen langsamer und rascher erkaltenden Stellen. Besonders geeignet für solche Untersuchungen ist der Hartguß, bei welchem ein Theil des flüssigen Gußeisens durch rasche Wärmeentziehung an bestimmten Stellen absichtlich rascher zum Erstarren gebracht wird, als der andere. Karsten erwähnt in seinem Lehrbuche der Eisenhüttenkunde, daß wie er durch zahlreiche Untersuchungen festgestellt habe, in allen Gußstücken der totale Kohlenstoffgehalt nach dem innern, langsamer erkaltenden Kerne zu abnehme, während der Graphitgehalt sich vergrößere, daß ebenso bei Hartgußstücken der innere graue Theil ärmer sei an totalem Kohlenstoff, als die weiße Rinde.

Mir lagen zur Untersuchung zwei Hartgußstücke vor. Das eine war ein Bruchstück eines Panzers für die Küstenbefestigung, von Gruson in Buckau gegossen. Dasselbe war 150mm stark, die Härtung betrug 60mm, der übrige Theil zeigte eine ähnliche Färbung und Textur wie graues Holzkohleneisen von garem Gange. Das andere Stück war ein Bruchstück eines gußeisernen Laufrades von der „Königin-Marienhütte“. Die Stärke desselben war 55mm, die Härtung betrug 15mm, der übrige Theil zeigte halbirte Bruchfläche mit deutlich erkennbarem weißem Grunde. Die Untersuchung ergab:

Panzerstück.

Weißer Grauer
Theil. Theil.
Kohlenstoff, total 3,31 3,03
Silicium 0,26 0,70
Schwefel Spur 0,08
Phosphor Spur
Kupfer 0,08 Spur
Kobalt Spur Spur
Arsen Spur
Mangan 1,03 1,08
Eisen 93,57 94,98
––––––––––––––
98,25 99,87.

Laufrad.

Kohlenstoff, total 3,27 3,06
Silicium 0,91 1,01
Schwefel 0,03 0,03
Phosphor
Kupfer Spur Spur
Mangan 1,64 1,01
Eisen 94,24 94,86
–––––––––––––
100,09 99,97.

Beide Untersuchungen bestätigen hinsichtlich des Kohlenstoffgehaltes Karsten's Angabe. Umgekehrt wie der Kohlenstoffgehalt aber verhält sich der Siliciumgehalt des Eisens; es ist bekannt, daß Kohlenstoff und Silicium sich gegenseitig im Eisen vertreten, daß ein Siliciumgehalt Graphitbildung veranlaßt und daher ein beträchtlicher Siliciumgehalt im weißen Theile des Gußstückes undenkbar sein würde. Aus |323| den abweichenden Schmelzpunkten siliciumarmen Holzkohlenroheisens und siliciumreichen Kokesroheisens läßt sich mit einiger Wahrscheinlichkeit der Schluß ziehen, daß ein Siliciumgehalt den Schmelzpunkt erniedrige, was mit obigen Ermittlungen im Einklange stehen würde. Während Karsten den größern Kohlenstoffgehalt der Rinde einer Wanderung des Kohlenstoffes zuschrieb, hervorgerufen durch das Bestreben, sich auszuscheiden, dürfte man jetzt in der Substitution eines Theiles Kohle durch Silicium und in dem niedrigern Schmelzpunkte des siliciumhaltigern Eisens den alleinigen Grund für die Anhäufung der Kohle nach dem Rande, des Siliciums nach der Mitte des Gußstückes hin zu suchen haben. (Berg- und hüttenmännische Zeitung, 1877 S. 278.)

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