Titel: Recepte für die Fabrikation schwarzer Papiere; von Julius Erfurt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 17 (S. 434–435)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi04_17

Recepte für die Fabrikation schwarzer Papiere; von Julius Erfurt.

Als Rohmaterial für die Herstellung schwarzer Papiere eignen sich besonders dunkelblaue Leinen- und Baumwollhadern, welche ungekocht verarbeitet werden, also sorgfältig sortirt und von öligen Stücken befreit sein müssen. Um dieselben frei von Staub und sonstigen Unreinheiten zu erhalten, werden die Hadern gestäubt und im Halbzeugholländer klar ausgewaschen, worauf in demselben vorgefärbt' und nach mehrtägigem Liegen im Abtropfkasten sodann im Ganzzeugholländer ausgefärbt wird. Die Flüssigkeit in den Holländern muß durch ein in dieselben einmündendes Dampfrohr auf eine beliebige Temperatur gebracht werden können. Die Farbstoffe und Chemikalien sind in den nachfolgenden Recepten auf 50k Stoff berechnet; sie werden in siedendem Wasser gelöst und filtrirt in den Halbzeugholländer A zum Anfärben und in den Ganzzeugholländer B zum Ausfärben gegeben.

Schwarz. 3k Catechu, mit der heißen Lösung von 2408 Kupfervitriol verkocht und filtrirt, werden mit dem Stoff in A gründlich vermischt, dann 300g zweifach chromsaures Kali, 10 Minuten später 1k Eisenvitriol und nach weiteren 10 Minuten 3k Campecheextract zugesetzt. Für das Ausfärben B werden 2k,5 Eisenvitriol genommen und 10 Minuten später 7k Campecheextract zugefügt. Wird nach dem Ausfärben noch der Absud von 3k Gelbholz oder von 2k Quercitronholz zugegeben, so wird Manchesterschwarz erhalten.

Chromschwarz (nicht echt). A: 5k Campecheextract, 1/2 Stunde später 1k zweifach chromsaures Kali und 1k Kupfervitriol. B: 10k Campecheextract, 2k zweifach chromsaures Kali, 2k Kupfervitriol; letztere Farbe wird zu Kohlschwarz durch Zusatz von 5k Gelb- oder 3k Quercitronholz. Nimmt man für A nur 0k,5, für B nur 1k zweifach chromsaures Kali, ohne Zusatz von Gelbholz, und nüancirt zuletzt mit Zinnsalz, so entsteht Violetschwarz.

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Blauschwarz (nicht echt). A: 4k Alaun, 1 Stunde später 3k Eisenvitriol, bei 40° 0k,5 Kupfervitriol und 7k,5 Campecheextract. B: 4k Alaun, 3k Eisenvitriol, 0k,5 Kupfervitriol und 7k,5 Campecheextract. – Durch Nüanciren mit Zinnsalz wird dieses Blauschwarz zu einem unechten Violetschwarz.

Englisch Schwarz. A: 5k Eisenvitriol, bei 40° 2k Quercitron und 6k Campecheextract. B: 5k Eisenvitriol, 2k Quercitron, 6k Campecheextract.

In den nun folgenden Vorschriften ist der Eisenvitriol mit Vortheil, namentlich in Rücksicht auf die Festigkeit der Faser und die Echtheit der Farbe, durch holzsaures oder auch essigsaures Eisen je vom spec. Gew. 1,0576 ersetzt. Auffallender Weise findet sich in keiner derselben holzsaure oder essigsaure Thonerde, entsprechend dem Alaun in obigem Blauschwarz, welches mit Hilfe von holzsaurem Eisen und holzsaurer Thonerde bedeutend echter hergestellt werden dürfte. Die Frage, ob holzsaures oder essigsaures Eisen vorzuziehen sei, wird sich wohl zu Gunsten des ersteren entscheiden, sofern in diesem Fall auch der Theergehalt des holzsauren Eisens zur Intensität des Schwarz beitragen wird.

Echtes Beinschwarz. A: 2 1/2 Eimer holzsaures (essigsaures) Eisen vom spec. Gew. 1,0576, 1 Stunde später 6k Campecheextract. B: 3 1/2 Eimer holzsaures Eisen, und 8k Campecheextract.

Tiefschwarz. A: 2 1/2 Eimer holzsaures Eisen, 1 Stunde später 3k Quercitron, 0k,5 Galläpfel, bei 60° 6k Campecheextract. B: 3 1/2 Eimer holzsaures Eisen, 3k Quercitron, 0k,5 Galläpfel, 8k Campecheextract.

Rabenschwarz (echt). A: 1k blausaures Kali, 1k,5 Eisenbeize, 8k Catechu, 6k Quercitron, bei 60° 8k Campecheextract. B: 8k Catechu, 6k Quercitron, 8k Campecheextract, 1k blausaures Kali, 1k Eisenbeize. Die Eisenbeize wird erhalten durch einstündiges Verkochen von 30k Eisenvitriol mit 10k Eisendrehspänen und nachheriges vorsichtiges Zufügen von 10k Salpetersäure. (Nach der Papierzeitung, 1877 S. 328.)

Kl.

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