Titel: Verzeichniß der durch den Brand des Patentamtgebäudes zu Washington zerstörten Modelle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 19 (S. 435–438)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi04_19

Verzeichniß der durch den Brand des Patentamtgebäudes zu Washington zerstörten Modelle.

Der Vorstand der Modellsammlung des Patentamtes gibt die Anzahl der zerstörten Patentmodelle auf ungefähr 87 000 an. Rechnet man die zurückgestellten Modelle der abgewiesenen Patentgesuche hinzu, deren Zahl sich auf etwa 49 000 beläuft, so beziffert sich der Gesammtverlust auf ungefähr 136000 Modelle. Folgendes Verzeichniß gibt einen ziemlich genauen Begriff von dem Umfang der Zerstörung in den verschiedenen Classen.

Classe 1. Kohlensäure- und Flaschenfüllapparate. Exstinctoren, Faßspunde, Luftspunde, Faß- und Flaschenfüller, Stöpsel und Dichtungsringe.

Cl. 4. Bäder und Closets, umfassend Badeeinrichtungen, Wasser- und Erdclosets, Pissoirs, Sinkkasten, Geruch- und Wasserverschlüsse und sonstige Hilfsvorrichtungen, Waschbecken, Waschtische.

Cl. 6. Bienenstöcke, Bienenhäuser, Bienenfütterungsapparate, Räucherapparate, Honigbüchsen, Mottenfallen, Schwarmanzeiger.

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Cl. 10. Bolzen, Muttern, Nieten und Unterlegscheiben. Hiervon wurde gerettet: Schraubenschlüssel, Gewindebohrer, Schneideisen und Kluppen; dagegen sind sämmtliche Maschinen zur Fabrikation dieser Artikel zu Grunde gegangen.

Cl. 13. Brechmaschinen 1) und Egrenirmaschinen zur Bearbeitung von Rohbaumwolle, Flachs und Hanf; Instrumente zum Noppen von Werg und Haar, sowie zum Spalten von Hülsen.

Cl. 14. Brücken. Hierzu gehören Pfeiler und Widerlager, Gitterwerkträger, Fahrbahnen und Bedachungen.

Cl. 15. Bürsten und Besen einschließlich Matten, Utensilien zum Reinigen und Putzen und der zur Fabrikation dienlichen Maschinen.

Cl. 17. Metzgereimaschinen. Alles, was sich auf das Schlachten, Enthäuten, Zurichten, Schneiden des Fleisches, Wurstmachen, das Fesseln des Schlachtviehes, das Haarreinigen u.s.w. bezieht.

Cl. 20. Zimmerei. Umfaßt alle Holzconstructionen für Häuser (mit Ausnahme der Gebinde und Träger), Eisen- und Holzlatten nebst Maschinen zum Benageln derselben, Baugerüste, Leitern, Feuerrettungsapparate, Holz- und Metalljalousien.

Cl. 21. Wagen aller Art, Schlitten, Rollwagen, Velocipede und Armaturen derselben.

Cl. 22. Gießerei. Alle Maschinen und Gerätschaften mit Ausnahme jene der Letterngießerei.

Cl. 31. Milcherei. Alle Maschinen und Utensilien zum Melken, zur Butter- und Käsebereitung mit Ausnahme der Milchkühler und der zur Milchprobe dienlichen Instrumente.

Cl. 37. Excavatoren. Alles, was sich auf das Ausgraben, Bohren, Planiren, auf Brunneneinfassungen, artesische Brunnen, Steinbohrer, Sandpumpen, Baggermaschinen etc. bezieht.

Cl. 39. Umzäunungen, Gatter, Pfosten, Pfostentreiber, Drahtspanner für Zäune u.s.w.

Cl. 40. Feilen, Raspeln, Feilenhau- und Schärfmaschinen.

Cl. 45. Einrichtungsgeräthschaften. Von dieser Classe wurde mit Ausnahme weniger Artikel, wie Besenständer, Wichsbüchsen, Cigarrenständer etc. alles gerettet.

Cl. 47. Gartengeräthschaften (nicht Maschinen) zum Graben, Urbarmachen, Pflanzen, Versetzen, Jäten, Schützen, Einmachen, zur Obstbaumzucht, zur Vertilgung der Insecten, zum Einsammeln der Früchte und des Ahornsaftes, Hirseabstreifer.

Cl. 49. Glas. Alles, was Bezug hat auf Composition, Utensilien, Maschinen, Pressen, Oefen, Häfen, auf das Schneiden, Rauhschleifen und Verzieren von Glasgegenständen.

Cl. 51. Schleifen und Poliren, d.h. alle Apparate, Werkzeuge und Vorrichtungen zum Schleifen und Poliren von Glas, Metall, Stein und Holz.

Cl. 53 enthält alle Hilfsmittel zur Fabrikation von Eisen- und Stahlwaaren (hardware), mit Ausschluß der fabricirten Artikel selbst.

Cl. 55. Eggen aller Art. Instrumente zum Mähen und Schneiden des Korns und der Baumwollenstauden; Vorrichtungen zum Aufsammeln der Ackersteine.

Cl. 56. Erntemaschinen. Alle Gattungen von Maschinen und Geräthschaften zum Einsammeln und zur Sicherung der Ernte (mit Ausschluß der Handrechen und Heugabeln). Sämmtliche Modelle, mit Ausnahme von ungefähr 30 alten Sichel- und Sensenmodellen, sind vernichtet.

Cl. 57. Aufzüge, Aufladevorrichtungen, Maschinen zum Ausreißen der Baumstümpfe, Erdwinden und Ankerwinden.

Cl. 59. Hufeisen und Maschinen zur Anfertigung derselben; erstere wurden gerettet, letztere gingen zu Grunde.

Cl. 60. Schläuche. Das meiste wurde gerettet, aber Schlauchkupplungen, Schlauchbrücken und Schraubenschlüssel wurden vernichtet.

Cl. 61. Hydraulische Maschinen. Alles, was sich auf Wasserleitungen, Canäle, Häfen, Wellenbrecher, Docks, Quais, Untersuchungen und Arbeiten unter Wasser, Flußcorrection u.s.w. bezieht.

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Cl. 64. Zapfenlager und Lagerstühle. Außerdem Kupplungen und Universalgelenke, Schmierbüchsen, Riemenführer, Riemenspanner und Riemenscheiben.

Cl. 65. Küchengeräthschaften. Mit Ausnahme der Apfel-Schäl-, Auskern- und Schneidmaschinen wurde alles gerettet.

Cl. 72. Maurerei. Dahin gehören sämmtliche Constructionen aus Stein, Ziegeln, Beton und Eisen, Pflaster und Pflastererwerkzeuge.

Cl. 74. Maschinentheile. Dahin gehört alles zum Göpel, alles Räderwerk, Bremsvorrichtungen, Kurbeln, Schubstangen, Tretschämel, Mittel zur Umwandlung und Fortpflanzung der Bewegung, Sperrräder, Excenter, Kammräder, Zugräder, Federmotoren, Schwungräder und Fluthmühlen.

Cl. 75 bis 82 bezieht sich auf Metallbearbeitung. Alles ist zerstört mit Ausnahme folgender Artikel: Nägel, Krampen, Maschinen zum Einschneiden von Schraubengewinden in Metallkapseln, Maschinen zur Fabrikation der Schnürlochöhre, Düsen, Legirungen, Schraubenschlüssel, Holzschrauben, Gewindebohrer, Schneideisen und Kluppen; Apparate zur Fabrikation der Nähmaschinenschiffchen und Spindelröhren; Maschinen zum Anfertigen, Stauchen und Biegen der Radbandagen; ferner Wagenachsen, Achsenbüchsenfutter, Hufschmiedewerkzeug, Ambose, Maschinen für Drahtseile.

Cl. 83. Mühlen. Lohmühlen, Zucker-, Kaffee-, Getreide-, Pulver-, Farben-, Gewürzmühlen; Beutelwerke, Siebzeuge, Mühlen zum Reinigen, Enthülsen und Poliren von Reis und Früchten überhaupt.

Cl. 85. Nägel. Die verschiedenen Nägelsorten und Krampen blieben erhalten, wogegen sämmtliche zu ihrer Anfertigung dienlichen Maschinen der Zerstörung anheimfielen.

Cl. 86. Fabrikation von Steck- und Nähnadeln. Sämmtliche Maschinen und Apparate mit Ausnahme von Crosby's Maschine wurden vernichtet.

Cl. 90. Erze. Vorrichtungen und Maschinen zum Zerquetschen und Mahlen von Erz, Stein, Kohle oder Knochen, zur Trennung der edlen Metalle von den Erzen, sei es auf mechanischem Wege oder durch Amalgamation.

Cl. 94. Pflasterung. Umfaßt alle auf das Material und die Komposition bezüglichen Patente, ferner die Anlegung und Ausbesserung von Trottoirs und Straßen, Pflasterergeräthe, Abfallgräben, Gewölbeindeckungen und Lichtschachte.

Cl. 97. Pflüge. Alle Maschinen zum Pflügen, Graben, Abstechen des Bodens, zum Wurzelgraben und zum Legen von Drainageziegeln.

Cl. 98. Pneumatik. Dahin gehört jede nutzbare Verwendung der Luft und anderer elastischer Flüssigkeiten zu mechanischen Zwecken (ausgenommen zu Motoren); Ballons und Ventilation.

Cl. 100 und 101. Pressen aller Art, mit Ausschluß der hydraulischen Presse, der Buchdrucker- und Copirpresse; die beiden letzteren, zur Cl. 101 gehörig, wurden gerettet, die hydraulische und die andern Pressen aber vernichtet.

Cl. 103. Pumpen. Alle Maschinen zum Pumpen und Heben von Flüssigkeiten, Stoßheber und andere hydraulische Maschinen.

Cl. 104 bis 106. Eisenbahnen. Alles, was sich auf Eisenbahnen, Waggons und Zubehör bezieht.

Cl. 107. Fabrikation von Eisentheilen für den Eisenbahnbetrieb. Dahin gehören alle Maschinen zur Fabrikation oder Reparatur von Schienen, Wagenbeschlägen, Achsen, Räder und Armaturen.

Cl. 108. Bedachung. Einschließlich Material und Kompositionen aller zur Dachdeckerarbeit und zur Construction der Oberlichte gehörigen Apparate und Geräthschaften, Dachtraufen, Abfallrohre und deren Befestigungsmittel.

Cl. 110. Sägen und Sägemaschinen.

Cl. 111. Säe- und Pflanzmaschinen. Alles wurde zerstört mit Ausnahme der Baumwollpflanzmaschinen, von denen nur wenige Exemplare zu Grunde gingen.

Cl. 113. Blech. Alle Maschinen und Werkzeuge zur Fabrikation von Blechwaaren.

Cl. 119. Stallung. Alles, was sich auf die Wartung von Pferden, Vieh, Schafen und Federvieh, auf Schuppen und Ställe, auf die Futterbereitung, auf das Füttern und Striegeln bezieht.

Cl. 121 bis 123. Dampf. Begreift alle Arten von Dampfmaschinen, Locomotiven u.s.w. in sich. Straßenlocomotiven, Schmierapparate, Dampf- und Luftbremsen fielen der Vernichtung anheim, das übrige wurde gerettet.

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Cl. 125. Steine, Kalk und Cement. Dahin gehört das Miniren, Brechen und Bohren des Gesteins, die Bearbeitung des Marmors und Schiefers, die Fabrikation von Kunststeinen, Kalk, Mörtel und Beton.

Cl. 130. Dreschen. Alle Maschinen und Gerüche zum Aushülsen, Dreschen, Schälen, Schwingen, Aufschichten des Getreides.

Cl. 131. Tabak. Alle zur Tabaksfabrikation dienlichen Maschinen und Geräthe; Rauchrequisiten u.s.w.

Cl. 134. Röhren und Draht. Alle zur Fabrikation dienlichen Maschinen.

Cl. 137. Wasserleitung. Röhrenleitungen, Filter, Kupplungen, Springbrunnen, Hydranten, Vorrichtungen und Apparate zur Bewässerung und Straßenbesprengung; Eisenbahn-Wasserreservoire.

Cl. 133. Wasserräder. Alle Modelle der verschiedenen Wasserradgattungen nebst Wehren, Ueberfällen und Schützen.

Cl. 140. Draht. Umfaßt die Fabrikation von Drahtarbeiten aller Art; alles wurde zerstört, ausgenommen Drahtgewebe und Drahtwebstühle, sowie die Maschinen zur Anfertigung von Drahtlitzen.

Cl. 141. Holzschrauben. Viele der verschiedenen Patentschrauben wurden gerettet; die zu ihrer Fabrikation dienlichen Maschinen dagegen gingen alle zu Grunde.

Cl. 142 bis 145. Maschinen und Werkzeuge zur Holzbearbeitung. Alle Modelle dieser vier wichtigen Abtheilungen, welche sämmtliche Maschinen und Werkzeuge zur Holzbearbeitung mit Ausnahme der Sägen und Sägemaschinen (Cl. 110) umfassen, sind verbrannt.

A. P.

Die Abschaffung des Modellzwanges in dem amerikanischen Patentamte ist gelegentlich dieses Brandes neuerdings angeregt worden. In einem sehr verständigen Artikel des Scientific American wird daraufhingewiesen, daß die z. Z. giltigen amerikanischen Patentgesetze noch von dem J. 1790 herdatiren, und damals allerdings die Vorschrift wohl berechtigt war, jedes Patentgesuch mit einem Modell zu begleiten, wo in einem Jahre nur 20 bis 30 Erfindungspatente eingereicht wurden und das technische Zeichnen noch so unentwickelt war, daß ein Modell vielleicht das beste Mittel darbot, dem Erfinder selbst und Andern die zu patentirende Idee anschaulich zu machen. In der gegenwärtigen Zeit jedoch bilden die jährlich in der Zahl von 20 000 und mehr einlaufenden Modelle sowohl Schwierigkeit der Aufbewahrung für das Patentamt, als auch wie kürzlich nur zu drastisch nachgewiesen wurde, mit dem ausgetrockneten und gefirnißten Holzwerk, aus welchem die meisten Modelle bestehen, eine schwer zu bekämpfende Feuersgefahr. Anderseits verursachen die Modelle dem Erfinder oft genug bedeutende Kosten und Zeitverluste, während der Werth für die Examinatoren bei den überwiegend meisten Fällen bedeutend geringer ist als eine halbwegs gut ausgeführte Zeichnung. Bleibt somit nur die Anziehungskraft, welche eine derartige Modellsammlung für das Publicum besitzt, das, wie besonders in der Ausstellung zu Philadelphia bemerkbar, mit einem allgemeinen Gefühle der Bewunderung an den aufgestapelten Spielzeugen vorübergeht, während kaum ein Fachmann für länger als eine Stunde den Muth haben dürfte, sich in das Studium dieses wilden Chaos zu versenken.

M.

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Brakes wofür im Patentblatt S. 37 irrthümlich „Bremsen“ gesetzt ist. Die Aufzählung daselbst ist unvollständig und nicht ganz richtig.

Die Red.

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