Titel: Bericht über die deutschen chemisch-technischen Patentgesuche; von F. Capitaine.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 20 (S. 438–440)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi04_20

Bericht über die deutschen chemisch-technischen Patentgesuche; von F. Capitaine.

Thermometerkörper für Wagen zur Bestimmung des specifischen Gewichtes; von L. Reimann in Berlin. (Nr. 2940 vom 24. Oct. 1877.) Das Wesentliche besteht darin, daß die Kugel des Thermometers zur Bestimmung des specifischen Gewichtes von Flüssigkeiten sich in einem massiven Glascylinder fortsetzt. Durch Abschleifen desselben soll das Gewicht des Thermometerkörpers so geregelt werden, daß derselbe bei 150 genau 58 Wasser verdrängt.

Silberwage von J. Krüger in Berlin. (Nr. 2819 vom 11. Oct. 1877.) Zur Bestimmung des Silbergehaltes von Lösungen dient eine kleine Wage, die an einem Arm einen Kupferstreifen zur Reduction einer gewissen Menge der Silberlösung trägt. Der Silbergehalt wird durch die Gewichtszunahme des Kupferstreifens ermittelt, und zwar entspricht jedem Theilstrich der Scale 0g,1 reducirtes Silber.

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Gemisch zum Einfetten der Wolle; von J. Jüngst und Dr. Heinzerling in Biedenkopf. (Nr. 1754 vom 18. Oct. 1877.) Im Wesentlichen besteht die Neuerung in dem Zusatz einer Mischung von gepulvertem Colophonium, Ammoniakflüssigkeit und Glycerin zu den bis jetzt benutzten Fetten. (1 Th. Salmiakgeist, 1 Th. Harz, 10 Th. Wasser und 41 Th. Oel.) Angeblich sollen außer größerer Billigkeit noch die Vortheile eines feineren Spinnens und einer leichteren Entfettung mit dieser Mischung verbunden sein.

Apparat zum Verkohlen von Pflanzenstoffen in Wolle, wollenen Lumpen und Tüchern; von C. F. Gademann in Biberich. (Nr. 2592 vom 4. Oct. 1877.) Wolle oder Lumpen werden in einem rotirenden Cylinder mittels eines schlangenförmigen Dampfrohres auf 120 bis 130° erhitzt, die feuchte Luft wird mittels einer Luftpumpe entfernt und dann, während der Apparat rotirt, wird trocknes Salzsäuregas zugeleitet. In einem zweiten Apparat für Tuch, wird dieses als endloses Band bewegt, während das Gas zuströmt. Wichtig ist das abwechselnde Behandeln der Stoffe mit verdünnter Luft und trocknem Chlorwasserstoff.

Thonerdehaltige Seife von J. A. Kempf in Frankfurt a. M. (Nr. 524 vom 6. Oct. 1877.) 10 Th. kohlensäurefreie Natronlauge (spec. Gew. nicht angegeben) werden mit 15 Th. Natronwasserglas (1,25 spec. Gew.), dann mit 15 Th. Oelsäure und mit 20 Th. Wasser gemischt, worauf man nochmals 10 Th. Natronlauge zugießt. Die gebildete gallertartige Masse wird nun mit 100 Th. fetten Thon zusammengeknetet und dann zu Stücken geformt. Will man weiche Seife herstellen, so bleibt das Wasserglas fort.

Abwaschbarer Anstrich mittels alkoholischer Seifenlösung; von Dr. Reißig in Darmstadt. (Nr. 2475 vom 18. Oct. 1877.) Es wird namentlich eine Lösung von 508 stearinsaures Natron in 10008 Alkohol vorgeschlagen, doch sollen überhaupt alle Seifen (auch weiche) sich hierzu eignen. Zur Färbung können Drachenblut, Anilinfarben u. dgl. dienen. Auch Zusätze von Desinfectionsmitteln werden empfohlen.

Apparat zur Lackfabrikation; von Aug. Würth in Mannheim. (Nr. 1659 vom 18. Oct. 1877.) In einem besonderen Gefäße wird Alkohol auf dem Wasserbade erhitzt, die Dämpfe werden in einen geschlossenen Kasten geleitet, welcher die aufzulösenden Harze auf Hürden ausgebreitet enthält. Die abtropfende Lösung, der Lack, wird durch ein Abflußrohr am Boden des Kastens entfernt.

Verfahren zur Herstellung von Billardbällen aus Hartgummi; von G. Magnus in Berlin. (Landesrechtlich patentirt.) (Nr. 1803 vom 20. Oct. 1877.) Elfenbeinbälle haben den Schwerpunkt selten in der Mitte, weil sie nicht homogen sind, sie bekommen ferner leicht Risse. Beim Versuche, solche Bälle aus Hartgummi herzustellen, zeigten sich große Schwierigkeiten (Risse, Poren, unvollständig vulkanisirter Kern u. dgl.). Magnus vulcanisirt nun in starken, verschraubten Formen aus Gußeisen, und zwar bei allmälig gesteigerter Hitze 10 Stunden lang. Um dem Ball das nöthige Gewicht zu geben, werden 50 Proc. Schwerspath zugesetzt.

Neues Verfahren zum Vulcanisiren von Kautschuk; von C. W. Jul. Blanke u. Comp. in Merseburg. (Nr. 1370 vom 22. Oct. 1877.) Das Vulcanisiren geschieht bekanntlich entweder im Vulcanisirofen mittels heißer Luft, oder im Vulcanisirkessel durch gespannten Dampf, oder in der Vulcanisirpresse mit erwärmtem Preßkasten. Blanke verwendet statt dessen überhitzten Wasserdampf von etwa 1at(?) Spannung. In dem Gesuche wird auch ein Apparat zum Vulkanisiren von Gebissen beschrieben.

Herstellung der Fettkreiden; von H. Brüggemann in Berlin. (Nr. 2429 vom 4. Oct. 1877.) 1k Farbe wird mit 708 krystallisirtem Alaun und dann mit Wasser zerrieben. Nun nimmt man 1008 einer Mischung von 1,5 Th. gebleichtes Wachs und 1 Th. Paraffin, setzt sie der Farbe zu und reibt das Ganze mit Wasser nochmals durch. Alsdann fügt man noch 150g einer Mischung von 1 Th. Mohnöl, 0,16 Th. Petroleum, 0,1 Th. Zacköl, und 0,4 Th. Benzin hinzu. Die erhaltene Mischung wird mit in Wasser aufgelöstem Traganthgummi zu einem dicken Brei verrührt, den man zu Stiften formt und in Holz oder Rohr faßt. Der Strich dieser Stifte läßt sich mit einem Papierwischer verreiben. Das Patentgesuch beschreibt noch die Anwendung dieser Stifte in der Malerei.

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Farben aus Eisenabfällen; von R. und Ch. Steinau in Braunschweig. (Nr. 2841 vom 4. Oct. 1877.) Gelb und Roth werden aus schmiedeisernen Drehspänen hergestellt, da das Eisen hierzu möglichst frei von Kohlenstoff sein muß, Braun und Schwarz dagegen aus Gußeisen. Die Oxydation geschieht im bewegten Wasser. Zur Herstellung der Handelsfarben werden die Oxyde mit Kreide gemischt.

Verfahren zur Darstellung von Bleiweiß; von Ludw. Brumler in Eisenach. (Landesrechtlich patentirt.) (Nr. 1797 vom 19. Oct. 1877.) Ein Schaukelkasten ist zum Theil mit einer Lösung von essigsaurem Blei und mit metallischem Bleidraht gefüllt. Während der Schaukelbewegung wird ein Strom erwärmter Kohlensäure durch einen Ventilator eingeblasen. Die Operation wird in dieser Weise fortgesetzt, bis die Flüssigkeit neutral geworden ist. Das Gemisch von Bleilösung und Bleiweiß wird abgezogen, die Bleilösung wieder angesäuert und von neuem in beschriebener Weise auf das Blei wirken gelassen.

Herstellung von Permanentweiß; von C. A. F. Meißner in Berlin. (Landesrechtlich patentirt.) (Nr. 169 vom 23. Oct. 1877.) Eine Lösung von Schwefelbarium wird mit schwefelsaurem Zink zersetzt, der erhaltene Niederschlag an der Luft geröstet.

Darstellung weißer Pigmentfarben; von Th. Griffiths in Oxton-Birkenhead. (Nr. 1443 vom 23. Oct. 1877.) Eine heiße concentrirte Lösung von Zinkvitriol wird so lange mit einer Lösung von Schwefelcalcium versetzt, als noch ein Niederschlag entsteht. Diese Schwefelcalciumlösung soll durch mehrstündiges Kochen von 19 Th. Kalk und 14 Th. Schwefel erhalten werden. Die von dem Niederschlag (Schwefelzink und Gyps) abgegossene Flüssigkeit wird mit Chlorcalcium oder Chlorbarium versetzt und der erhaltene Niederschlag mit dem ersten gemischt und geglüht. Statt des Schwefelcalciums sollen auch ähnliche Verbindungen (Schwefelnatrium u. dgl.) benutzt werden können.

Verfahren, um Hölzer zu färben und mit dem Geruch anderer Hölzer oder Stoffe zu versehen; von G. A. Onken in Hamburg. (Nr. 3187 vom 22. Oct. 1877.) Die zu färbenden Hölzer werden in einen Kessel mit den Dämpfen von Alkohol und Wasser bei 4at behandelt, dann wird die Luft in dem Kessel verdünnt und die, wenn erforderlich, parfümirte Farbebrühe unter Druck eingepreßt. Es ist namentlich auf die Herstellung von imitirtem Cedernholz zu Cigarrenkisten abgesehen. Als neu soll das Auswaschen mit Alkoholdämpfen und die Anwendung von parfümirter Farbenbrühe gelten.

Gewinnung von Holzessig; von Dr. G. Scheffer in Pfungstadt. (Nr. 2410 vom 10. Oct. 1877.) In einem nach oben sich erweiternden Schachtofen mit Fülltrichter und Rost wird die erforderliche Hitze durch theilweise Verbrennung des verwendeten Holzes u. dgl. gewonnen. Die Gase entweichen oben an der Seite des Ofens und gelangen in den Kühlapparat.

Gewinnung von schwefelsaurem Kalium aus Kieserit und Chlorkalium; von D. G. Borsche in Leopoldshall. (Nr. 3078 vom 23. Oct. 1877.) Ein Gemisch von 5 bis 6 Aeq. Chlorkalium und 4 Aeq. Kieserit wird etwa 4 Mal mit wenig Wasser behandelt; als Rückstand bleibt fast reines Kaliumsulfat. Die letzten wenig Chlormagnesium haltenden Flüssigkeiten werden zum Auslaugen einer frischen Salzmischung benutzt.

Herstellung von Perlmutterglas; von C. Benoni in Dunkelthal bei Marschendorf in Böhmen. (Nr. 1582 vom 15. Oct. 1877.) Dieses Glas wird dadurch erzielt, 1) daß der Glimmer im zerkleinerten Zustand in den Schmelztiegel gebracht und ganz kurze Zeit mit verschmolzen wird, oder 2) daß man den Glimmer und die Schmelze einrührt, oder 3) daß die Oberfläche des Glases mit Emailfarbe versehen, dann mit Glimmer bestreut und letzterer in einer Muffel eingebrannt wird.

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