Titel: Widerstandsfähigkeit des Eisens gegen Säuren; von A. Ledebur.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 8 (S. 431–432)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi04_8

Widerstandsfähigkeit des Eisens gegen Säuren; von A. Ledebur.

Dieselbe ist stets von Wichtigkeit, wo das Eisen zu technischen Verwendungen dienen soll, bei denen es mit freien Säuren in Berührung kommt, also vorzugsweise in solchen Fällen, wo dasselbe zu Kesseln, Pfannen etc. für chemische Fabriken, Goldscheideanstalten u. dgl. benutzt wird. Es ist zwar bekannt, daß ein Gehalt an gebundener |432| Kohle im Allgemeinen Widerstandsfähigkeit des Eisens gegen chemische Einflüsse erhöht; um jedoch ein bestimmtes Bild hiervon zu erhalten, wurden aus verschiedenen Eisensorten Würfel von gleicher Größe angefertigt, gewogen, mittels eines Hanffadens in ganz verdünnter Schwefelsäure (spec. Gew. 1,05) frei eingehängt und deren Einwirkung 65 Stunden hindurch ausgesetzt. Dann wurden sie herausgenommen, in reinem Wasser abgespült, getrocknet und abermals gewogen. Die Gewichtsabnahme betrug:

bei Spiegeleisen aus Troisdorf (Friedrich-Wilhelmshütte) 14,15 Proc.
bei weißem grellem Roheisen von Ilsenburg (bei stark
übersetztem Gange erblasen)

19,70

bei tief grauem Kokesroheisen von der Mathildenhütte
bei Harzburg

27,59

bei garem Holzkohlenroheisen von Ilsenburg 37,70
bei englischem Gußstahl (Werkzeugstahl), ungehärtet 66,50
bei Schmiedeisen 88,60

Im Allgemeinen bestätigt das Ergebniß der Prüfung die eben mitgetheilte Regel. Auffallend kann es vielleicht erscheinen, daß das tief graue siliciumreiche Mathildenhütter Eisen eine größere Widerstandsfähigkeit zeigte, als das jedenfalls reinere, durch seine Festigkeit sich eines guten Rufes erfreuende graue Ilsenburger Eisen. Da jedoch grade der Gehalt an reinem körnigen Eisen, wie wir es am vollkommensten im Schmiedeisen auftreten sehen, die Festigkeit und Zähigkeit einer Eisensorte bedingt, daneben aber, wie aus obiger Untersuchung hervorgeht, offenbar die Widerstandsfähigkeit derselben gegen Säuren vermindert, so dürfte ein Hinweis auf diese Thatsache genügen, jene Erscheinung zu erklären. Selbst Verbindungen des Eisens und Mangans mit Silicium, Schwefel, Phosphor, wie sie vorherrschend im Kokesroheisen auftreten und dessen Festigkeit verringern, dürften weniger rasch durch Säuren angegriffen werden als jenes reine Eisen.

Es kommt also bei dem Gusse von Gußstücken, welche derartigen Einflüssen ausgesetzt sind, darauf an, eine Eisensorte zu wählen, oder durch Gattirung herzustellen, welche gebundene Kohle in solchem Maße enthält, als irgend thunlich ist, ohne daß die Sprödigkeit allzu sehr gesteigert wird. Hierzu eignen sich nun vorzugsweise manganhaltige Roheisensorten, weil ein Mangangehalt die Eigenschaft des Eisens erhöht, auch bei langsamer Abkühlung Kohlenstoff in gebundener Form zurückzuhalten. Bei dem Gusse flacher Pfannen dürfte selbst die Anwendung einer eisernen Gußschale für die innere Seite statt des Lehmkernes nicht unausführbar sein und die Widerstandsfähigkeit des Abgusses beträchtlich erhöhen. (Berg- und hüttenmännische Zeitung, 1877 S. 280.)

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