Titel: Ueber die Gold- und Silberproduction der Vereinigten Staaten von Nordamerika.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 11 (S. 553–554)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi05_11

Ueber die Gold- und Silberproduction der Vereinigten Staaten von Nordamerika.

Richter, welcher zu den seitens des Handelsministers zum Besuche der Weltausstellung in Philadelphia entsendeten Bergbeamten gehörte, berichtet eingehend über das Vorkommen von Blei- und Silbererzen und des Goldes in Nordamerika, über die Art der Verwerthung und Preise der Bergwerks- und Hüttenproducte, sowie die Productionsmengen und den Preis der Edelmetalle. (Zeitschrift für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen im preußischen Staate, 1877 S. 77 bis 118.)

Hiernach ist die hohe Silberproduction der Vereinigten Staaten in den letztvergangenen Jahren vorzugsweise der Ergiebigkeit der Silberbergwerke in Virginia City zuzuschreiben. Sie wird, so lange das reiche Erzvorkommen am Comstock noch ausreicht, |554| voraussichtlich nicht abnehmen, selbst wenn das Silber noch mehr im Preise sinken sollte, als in den letzten Jahren der Fall war, da die eigentlichen Productionskosten der reichen Bergwerke, aus denen der größere Theil des gewonnenen Silbers entnommen wird, so niedrig sind, daß auch ein ungewöhnlich tiefer Stand des Silberpreises eine Beschränkung des Betriebes nicht nothwendig zur Folge haben müßte. Späterhin wird sie zwar abnehmen, immerhin sich aber dauernd auf einer ansehnlichen Höhe erhalten.

Die Goldproduction wurde namentlich in den 50 er Jahren dieses Jahrhunderts in Folge der Entdeckung goldreicher Gebirgsseifen gehoben und ist, nachdem die letzteren mehr und mehr erschöpft sind, wieder gesunken. Aber auch sie wird sich voraussichtlich noch lange auf einem ansehnlichen Niveau erhalten, da Gold als Nebenbestandtheil von Erzen bei der Verhüttung der letzteren in zunehmendem Betrage gewonnen wird, auch die goldhaltigen Gebirgsgänge noch lange Zeit bebaut werden können, ehe sie erschöpft werden möchten.

Das relative Werthverhältniß zwischen Gold und Silber ist weniger von den Gewichtsmengen abhängig, welche von diesen Metallen in einem gewissen Zeitraume gewonnen werden, als vielmehr in erster Linie von der Stärke des Verbrauches. Man schätzt bekanntlich die Jahresproduction von Silber zu Ende des 18. und bei Beginn des 19. Jahrhunderts auf 40 Millionen Dollars an Werth, die des Goldes auf 15 Millionen, mit anderen Worten: es nahm damals Silber mit 72,2 Proc., Gold mit 27,8 Proc. an dem Gesammtwerthe der Gewinnung von Edelmetall Antheil. Im J. 1846 stellte sich dieses Verhältniß auf 52,3 Proc. Gold und 47,7 Proc. Silber. Trotzdem hatte sich gegen 1800 der relative Werth beider Metalle kaum verändert, indem das Werthverhältniß 1800 wie 1 : 15,42 und 1846 wie 1 : 15,66 stand. Im J. 1853 wird die Goldproduction der Erde auf 165 Millionen, die Production von Silber aber auf nur 70 Millionen Dollars angegeben, und dennoch stand das Werthverhältniß beider Metalle zu einander wie 15,83 : 1, also zu Gunsten des Goldes, welches damals zu Münzzwecken sehr begehrt wurde.

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