Titel: Sauerstoffgehalt des Meerwassers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 14 (S. 554–555)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi05_14

Sauerstoffgehalt des Meerwassers.

Der Chemiker der Challenger-Expedition J. Y). Buchanan (Chemical News, Juli 1877 Bd. 36 S. 6) hat in einer der letzten Sitzungen der Royal Society in Edinburgh Mittheilungen über seine Versuche zur Bestimmung der im Meerwasser gelösten Luft gemacht.

Nach Beschreibung der von ihm angewendeten Schöpfflasche, welche es gestattet, aus jeder beliebigen Tiefe Wasser heraufzuholen, sowie der innern Einrichtung an Bord des Challenger, kommt er zu den Resultaten, welche sich aus seinen Untersuchungen ergeben haben, und die wir kurz zusammenfassen: Die absolute Menge Sauerstoff und Stickstoff, welche das Meerwasser fähig ist aufzunehmen, ist geringer |555| als die, welche Süßwasser aufnimmt; das Verhältniß zwischen den beiden gelösten Gasen selbst ist jedoch fast genau dasselbe. Der Gehalt sowohl an permanenten Gasen als an Kohlensäure ist von der Temperatur abhängig; in keinem Falle findet sich in einem Wasser aus irgend einer Tiefe mehr Gas aufgelöst, als dasselbe bei der gleichen Temperatur an der Oberfläche aufnehmen würde; kurz, das Wasser der Tiefen unterscheidet sich in physikalischer Hinsicht durchaus nicht von dem der Oberfläche.

Die Ansicht, daß Wasser aus großer Tiefe so stark mit Gas beladen ist, daß es, an die Oberfläche gebracht, aufbraust, ist nicht ganz falsch. In der heißen Zone kann nämlich ein Wasser aus großer Tiefe eine Temperatur haben, welche nahe am Gefrierpunkt liegt, und wird demnach eine entsprechende Menge Luft in Lösung enthalten. An die Oberfläche gebracht, wo die Temperatur 24 bis 32° sein kann, ist das Wasser nicht mehr fähig, dieselbe Menge Gas in Lösung zu halten, und sieht man, wie die Wände des Glases sich mit feinen Gasbläschen bedecken, ähnlich wie bei natürlichem Selters-Wasser, welches eine zeitlang an offener Luft gestanden hat.

Der Sauerstoffgehalt (O + N = 100 gesetzt) des von der Oberfläche des Meeres entnommenen Wassers schwankt zwischen 33 und 35 Proc. In den Grundwässern ist die absolute Menge an Sauerstoff am größten im Süden und wird gewöhnlich nach Norden hin kleiner. An den aus verschiedenen Tiefen gesammelten Wässern wurde die bemerkenswerthe Beobachtung gemacht, daß der Sauerstoffgehalt abnimmt bis zu einer Tiefe von 300 Faden (etwa 550m) herab. Hier erlangt derselbe seine Minimalgrenze und nimmt in weitern Tiefen wieder zu.

In folgender kleinen Tabelle finden sich die gefundenen Zahlen:

Tiefe. Sauerstoffgehalt
Faden m (N + O = 100)
0 0,0 33,7
25 45,7 33,4
50 91,4 32,3
100 182,9 30,2
200 365,8 23,4
300 548,7 11,4
400 731,5 15,5
800 1463,2 22,6
Zwischen 800 und dem Grund. 23,5.

Buchanan folgert hieraus, daß in der Tiefe von 200 bis 400 Faden die Thierwelt am stärksten vertreten ist, und findet sich damit in Uebereinstimmung mit den Ansichten Murray's, welcher nachwies, daß die Pflanzenwelt selten bis zu einer größern Tiefe als 100 Faden herabgeht, und die Thierwelt in erheblicher Menge nur bis zu 400 Faden. Unter 400 Faden (731m) ist das Thierleben nur spärlich im Meere vertreten.

S–t.

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