Titel: Doppelzersetzung von Bromkalium und Chlornatrium.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 21 (S. 558)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi05_21

Doppelzersetzung von Bromkalium und Chlornatrium.

Bei der Zusammenstellung analytischer Resultate verbindet man bekanntlich die stärksten Säuren mit den stärksten Basen; wenn z.B. Ba, K, SO₃ und N₂O in einer Verbindung gefunden sind, so verbindet man Barium und Schwefelsäure, Kalium und Salpetersäure. Ebenso stellen wir bei der Analyse, im Falle K, Na, Cl und Br gefunden sind, Cl mit K, und Br mit Na zusammen; mischt man gar zwei Lösungen von Bromkalium und Chlornatrium mit einander, so nimmt man doppelte Umsetzung in Chlorkalium und Bromnatrium an. Wenn man nun für den ersten Fall sich auf die Unlöslichkeit des Bariumsulfates in Wasser stützen kann, um die Wahrscheinlichkeit einer solchen Anordnung klar zu legen, so läßt sich für die Wahrscheinlichkeit der letztern Lagerung nichts als die „Analogie“ anführen, da die Haloidholze des Kaliums wie des Natriums fast dieselbe Löslichkeit in Wasser, dieselbe Krystallform haben, da beim Mischen ihrer Lösungen kein Niederschlag, keine Farbenveränderung entsteht und durch nichts bewiesen werden kann, daß die chemischen Beziehungen der verschiedenen Körper geändert sind.

Interessant ist es daher, wie ein amerikanischer Arzt, J. H. Bell (im American Journal of Science and Arts, 1877) beweist, daß eine solche Umsetzung in der That vor sich geht. Gibt man 5 bis 6g Bromkalium einem gesunden Mann ein, so zeigt sein Urin in den folgenden 24 Stunden nachstehende Veränderungen. Fast alles mit dem Bromkalium eingenommene Kalium findet man im Urin, nebst dem an und für sich anwesenden, verbunden mit Chlor, dessen Gehalt sich proportional mit dem eingenommenen Brom vermehrt hat; der Natriumgehalt ist fast ungeändert geblieben und nur geringe Mengen Brom sind im Harn ausgeschieden. Dagegen findet man noch 2 Wochen nach dem Einnehmen des Bromkaliums Bromide im Harn, während der gesteigerte Kaliumgehalt nur nach dem ersten Tage festgestellt werden kann. Aus diesen Thatsachen darf der Schluß gezogen werden, daß das eingenommene Bromkalium durch das Chlornatrium des Blutes in Chlorkalium, welches im Urin ausgeschieden wird, und in Bromnatrium, welches im Blut an Stelle des Chlornatriums substituirt wird, umgesetzt wurde, und da hier sicher kein Grund vorliegt, eine besondere „Lebenskraft“ an Stelle der chemischen Wirkung zu setzen, so dürfen wir in dieser Erscheinung wohl nur das Resultat einfacher chemischer Verwandtschaft erblicken.

Bill gibt nach Beschreibung seiner analytischen Methode, welche nichts Neues enthält, die Durchschnittszahlen aus 3 Analysen, als kein Bromkalium eingenommen war, und die Durchschnittszahlen von 6 Analysen, wo das Versuchsobject 5 bis 10g Bromkalium eingenommen hatte.

Kalium. Natrium. Chlor. Brom.
g g g g
Kein Brom
eingenommen
4,21 7,67 9,56
Durchschnittlich
7g Brom
eingenommen

6,52

7,82

11,45

0,04.

S–t.

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