Titel: Kohlenstoffausscheidung im Hohofen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 8 (S. 551–552)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi05_8

Kohlenstoffausscheidung im Hohofen.

Beim Ausblasen des Holzkohlenhohofens in Ilsenburg fand man ein etwa 3k schweres Stück Kohle vom spec. Gew. 1,92. Bei 100° getrocknet bestand dasselbe nach der Analyse von A. Ledebur (Berg- und hüttenmännische Zeitung, 1877 S. 277) aus:

Kohlenstoff 92,28
Eisen 2,99
Alkalien 0,29
Stickstoff 0,19
Chlor 1,09
Schwesel Spur
Wasserstoff 1,07
Sauerstoff (als Differenz) 2,09
–––––
100,00.

Der Stickstoff war zum Theil in Cyanverbindungen vorhanden, welche sich in Wasser lösten, Wasserstoff vermuthlich zum großen Theile als Kohlenwasserstoff, vielleicht |552| auch zum Theil als Wasser, welches beim Trocknen nicht vollständig verflüchtigt war, und es ist wahrscheinlich, daß beide Körper erst während der langen Aufbewahrung aufgenommen, bezieh. gebildet worden sind. Chlor und Alkalien finden sich in jeder Beschickung; das Eisen konnte entweder als Eisenchlorid verflüchtigt und in der Rastgegend unter Zersetzung condensirt worden sein, oder auch aus dem Sandsteine selbst stammen. In letzterem Falle ist aber die Abwesenheit jeder Spur von Kieselsäure auffallend.

Weitere Versuche zeigten, daß ein Stück Eisenglanz, in einem Strome von Kohlenoxyd auf 350° erhitzt, aufschwoll, barst und sich mit Kohle bedeckte. Nach 11 stündiger Einwirkung betrug die Gewichtszunahme 8 Proc., nach 20 Stunden 39, nach 35 Stunden 166 und nach 41 Stunden 500 Proc. Diese wachsende Beschleunigung der Kohlenstoffausscheidung widerspricht der von Gruner aufgestellten Theorie, wonach die Zersetzung nach der Formel 3 FeO + CO = Fe₃O₄ + C und 3 Fe₃ O₄ + CO = 3 FeO + CO₂ vor sich geht; die Kohleabscheidung müßte hiernach gleichmäßig erfolgen.

Nach Ledebur wird nun die erwähnte Kohle in folgender Weise gebildet sein. Durch die Einwirkung des Kohlenoxydes auf eine eisenschüssige Stelle des Sandsteins wurde der Zusammenhang des letztern an dieser Stelle gelockert, er nahm Pulverform an und rieselte in das Gestell hinunter. Dadurch entstand allmälig eine sackartig Oeffnung in dem Steine. In derselben häuften sich nun immer größere Mengen Kohlenstoff an, schließlich das Herausfallen der Sandsteinkörnchen verhindernd und mit zunehmender Anhäufung sich mehr und mehr verdichtend. Mit dem Kohlenoxydgase traten verflüchtigte Cyan- und Chlorverbindungen in die Oeffnung, verdichteten sich dort und wurden auch wohl theilweise zersetzt. So bildete sich jene Ausfüllung, welche an der Außenfläche zwar die Spuren des Sandsteins trug, im Innern aber frei von Kieselsäure war und ihren bei der Analyse gefundenen Eisengehalt vielleicht nicht einmal dem Sandsteine verdankt; denn die Vertheilung des Eisens durch die ganze Menge der Kohle läßt sich wenigstens schwer erklären, wenn dasselbe gewissermaßen als Kern für die Kohlenstoffablagerung gedient hat.

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