Titel: Verwendung von Anthracitstaub in Nordamerika.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 9 (S. 552–553)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi05_9

Verwendung von Anthracitstaub in Nordamerika.

Beim Verladen des Anthracites entsteht eine Menge Staub (culm) – bis zu 25 Proc. des ursprünglichen Gewichtes – welcher bislang unbenutzt blieb. Man hatte zwar schon längst versucht, dieses Kohlenklein durch Vermengen mit Mehlwasser, Thon, Kalk, Theer, Backkohle u. dgl. als Brennmaterial zu verwerthen, aber erst seit Kurzem ist die Aufgabe praktisch gelöst worden. Die „Anthracit-Fuel Company“ erbaute im J. 1876 eine große Fabrik in Port Ewen am Hudson-Flusse (N. Y.), welche jetzt 250t täglich zu produciren vermag und ein für Dampferzeugung sehr geschätztes Brennmaterial liefert. Das Verfahren ist nach dem Engineering and Mining Journal, September 1877 S. 182 folgendes.

Der Anthracitstaub wird mit gepulvertem Pech (10 Proc.) gemischt, einer Hitze von 300° ausgesetzt und bei dieser Temperatur in Ziegel gepreßt. Die Ziegel sind 15cm lang, 25cm breit und 11cm dick; der Druck, welchen sie unterworfen werden, beträgt 15t. Die ganze Einrichtung ist auf Maschinenkraft basirt, so daß für die angegebene Production nur 25 Arbeiter beschäftigt werden. Das Brechen des Peches geschieht zwischen zwei leichten, cannelirten gußeisernen Walzen, und muß darauf geachtet werden, daß nie größere Mengen daran sich ansammeln, weil in diesem Falle, zumal bei feuchtem Wetter, der geringste Druck ein Aneinanderbacken des zerkleinerten Peches bewirkt. Die Größe der Stücke ist gleichgiltig; doch hat es sich ergeben, daß das Vorhandensein größerer Stücke einem Zusammenbacken entgegenwirkt. Culm und Pech werden durch eine Mengschraube in einem Behälter mit einander vermischt und aus diesem mittels eines Elevators in den Schmelzcylinder gebracht, welcher durch einen Dampfmantel auf 300° erhitzt ist. Derselbe steht über dem rotirenden Formtische, der ganz ähnlich wie bei einer gewöhnlichen Ziegelpresse eingericht ist. Er enthält 10 Formen, deren Böden bewegliche Stahlkolben bilden. Sobald eine Form unter den Schmelzcylinder kommt, füllt sie sich; bei weiterer Drehung gleitet der Bodenkolben über eine schiefe Ebene und übt so einen allmälig steigenden Druck gegen die Füllung der Form aus. Um zu starken Druck und dadurch Brüche zu vermeiden, |553| ist diese schiefe Ebene an dem einen Ende aufgehängt und an dem andern Ende mit Federvorrichtungen versehen. Bei weiterer Drehung kommen die gefüllten Formen unter der festen Deckplatte, welche bis dahin das Material zurückhielt, hervor, wobei der Bodenkolben etwas sinken gelassen wird; sodann aber wird derselbe durch eine steilere schiefe Ebene plötzlich ganz emporgehoben und drückt den fertigen Ziegel heraus, der nun auf einem Transportband zum Magazin gefördert wird.

Wie schon bemerkt, eignet sich dieses Brennmaterial besonders zur Dampferzeugung; es brennt mit kurzer Flamme, gibt wenig Rauch und bildet keine Schlacke auf dem Roste, trotz seines hohen Aschengehaltes. Letzterer könnte übrigens durch vorheriges Waschen des Staubes entfernt werden, was auch wegen des bedeutenden Schwefelgehaltes von großem Nutzen wäre.

W. K.

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