Titel: Zur Untersuchung von Portlandcement.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 12 (S. 644–645)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi06_12

Zur Untersuchung von Portlandcement.

Die Probestücke von John Grant zur Bestimmung der Zugfestigkeit der Cemente sind bekanntlich in ihrer Grundform nach einem Würfel gestaltet und haben in der Mitte eine Verschwächung, in welcher der Stabquerschnitt auf 14qc,5 reducirt ist. Die Uebergänge des schwächeren Theiles in die beiden stärkeren erfolgen scharf, d. J. ohne Benutzung von Ausrundungen. Bei dem Londoner „Metropolitan Board of Works“ ist für jene Probekörper eine Zugfestigkeit von 357k, d. i. rund 25k für 1qc vorgeschrieben.

Deacon hat nun mit Probeformen gearbeitet, die nicht nur geringeren Querschnitt als die Grant'schen Formen besaßen, sondern von diesen auch dadurch sich unterschieden, daß die Uebergänge des kleineren Querschnittes in die beiden großen unter Verwendung von ausrundenden Flächen hergestellt waren. Deacon's Versuche haben gezeigt, daß bei Verwendung dieser Probeformen, bei sonst gleicher Mischung und Behandlung der Körper und Prüfung nach 7tägiger Erhärtungsdauer in Wasser, die Zugfestigkeit des Cementes um etwa 16 Proc. sich erhöht, und daß nach den Resultaten, die sich bei einjähriger Fortsetzung seiner Versuche ergeben haben, bei Probekörpern von 14qc,5 kleinstem Querschnitt eine Zugfestigkeit nach 7 Tagen von nicht weniger als rund 30k für 1qc verlangt werden kann. Deacon hat ferner als passende Form für Erprobung auf relative Festigkeit Stäbe von 263mm Länge und 37mm Seite des Querschnittes in Vorschlag gebracht; die Unterstützungen des Stabes sind 250mm weit zu legen, und es ist der Stab in der Mitte mit einem Einzelgewicht von 68k zu belasten. Wenn von drei belasteten Stäben während der Zeitdauer von 1 Minute nach Aufbringen der Last mehr als ein Stab zerbricht, soll die Zurückweisung der Waare erfolgen können. Es ist hierbei ein mit Sand unversetzter Cement, Pressen des Mörtels in der Form und 7tägige Erhärtung unter Wasser zu denken. (Nach der deutschen Bauzeitung, 1877 S. 430. Vgl. 1877 225 565.)

Mann bestätigt den Einfluß der feinen Mahlung auf die Festigkeit des Cementes. (Thonindustriezeitung, 1877 S. 299.)

Gelegentlich eines Besuches der Cementfabrik Amöneburg bei Bieberich1) unter |645| freundlicher Führung des Hrn. R. Dyckerhoff, hatte Referent Gelegenheit, sich von der vorzüglichen Beschaffenheit des Amöneburger Cementes zu überzeugen. Nach 28tägiger Erhärtungsdauer gab (als Durchschnitt von 10 Proben) 1 Th. Cement mit 3 Th. Normalsand 13k,8 und bei 5 Th. Sand 8k Zerreißungsfestigkeit für 1qc.

Welch großen Einfluß die Beschaffenheit des Sandes auf die Festigkeit der Cemente hat, zeigen nach gef. Mittheilung von Dyckerhoff folgende Versuche. Amöneburger Portlandcement von 1,5 Stunden Bindezeit2) gab mit 3 Th. Normalsand nach 7 Tagen eine Zugfestigkeit von 7k,6, nach 28 Tagen von 13k,8. Derselbe Cement mit reinem scharfen Rheinsand, der noch viel feines Korn enthält und aus dem der Normalland für die Fabrik gewonnen wird, ergab jedoch nur 6k,6 nach 7 und 10k,4 nach 28 Tagen. Die Proben mit Rheinland waren genau nach dem Verfahren der Normalprobe (vgl. 1877 224 420) hergestellt; um jedoch dem Mörtel dieselbe Consistenz zu geben als dem mit Normalsand, mußten auf 1000g trockne Mischung 110cc statt 100cc Wasser genommen werden.

Zum Vergleich der Zug- und Druckfestigkeit wurden in gleicher Weise Probestücke mit dem erwähnten Mauersand, der durch ein Sieb mit 7 Maschen auf 1qc gefallen war (gibt etwa 8 Proc. Normalland), und demselben Cement hergestellt. Nach 28 Tagen wurden folgende Festigkeiten erhalten:

Zug. Druck.
1 Th. Cement, 3 Th. Sand 10,4 105,6
1 4 8,6 82,1
1 5 7,6 66,2.

Der Cement hat im Durchschnitt (nach Fresenius) folgende Zusammensetzung:

Rückstand 1,47
Kieselsäure 20,92
Eisenoxyd 3,51
Thonerde 6,41
Kalk 62,12
Magnesia 2,85
Kali 0,88
Natron 0,63
Schwefelsäure 0,76
Kohlensäure 0,40
–––––
99,95.

Schließlich möge noch eine Verbesserung an dem Zerreißungsapparate erwähnt werden, welche Schickert in Dresden für 20 M. liefert. Um den persönlichen Fehler bei dem Abschluß der Schrotzufuhr zu beseitigen, bewirkt das beim Zerreißen der Probe niederfallende Schrotgefäß mittels Hebel selbstthätig die Unterbrechung des Schrotzuflusses (vgl. * 1877 224 487).

F.

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Die Portlandcementfabrik von Dyckerhoff und Söhne ist bevorzugt durch ihre besonders günstige Lage, indem das von ihr eingenommene 14ha große Grundstück einerseits vom Rheinstrom, anderseits von der Nassauischen Bahn begrenzt wird. Das nöthige Rohmaterial von Kalksteinen, Kalkmergeln und Thon wird |645| auf den der Fabrik gehörigen Grundstücken direct gewonnen. Das Zerkleinern des Rohmaterials geschieht theils auf nassem, theils aus trockenem Wege, auf Kollergängen und anderen Zerkleinerungsmaschinen. Zum Feinmahlen des Rohmaterials und des in zwei Hoffmann'schen Ringöfen gebrannten Cementes. dienen 20 Mahlgänge. Die Versendung des fertigen Cementes erfolgt in mit Maschinenbetrieb auf der Fabrik angefertigten Tonnen. Den Betrieb sämmtlicher Arbeitsmaschinen vermitteln vier Dampfmaschinen und zwei Locomobilen von zusammen 480e und finden 350 bis 400 Arbeiter Beschäftigung. Die Einrichtungen gestatten eine Jahresproduction von 200000t Cement.

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Jeder Prüfung auf Festigkeit hat die Untersuchung auf Volumbeständigkeit und Bindezeit voranzugehen, da diese von wesentlichem Einfluß auf die Festigkeit ist.

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