Titel: Zur Verfälschung von Butter.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1877, Band 226/Miszelle 19 (S. 647)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj226/mi226mi06_19

Zur Verfälschung von Butter.

E. Dieterich erhielt vor einiger Zeit eine Butter zur Untersuchung mit der Angabe, dieselbe erscheine deshalb verdächtig, weil sie beim Stehen rothe Flecke bekomme und sehr unangenehm rieche. In der That hatte die sogen. Butter Flecke, in der Mitte von mennigrother Farbe und nach außen rosa verlaufend; die Oberfläche war dagegen mit Schimmel bedeckt. Er nahm nun die rothgewordenen Stellen in Untersuchung, schmolz sie und fand in der klar gewordenen Masse häutige Fragmente, die er sowohl unter dem Mikroskop, als auch beim Kochen in Wasser und nachherigem Behandeln mit Gerbsäure u.s.w. als leimgebende Substanz erkannte. Der Fälscher hatte sich also die Erfahrung zu Nutzen gemacht, daß Rinderfett – hieraus, neben 18 Proc. Wasser, bestand nämlich die Butter zum größten Theil – seinen specifischen Geruch erst beim Auslassen erhält. Er nahm daher den rohen Talg, wie er aus dem geschlachteten Rind kommt, verarbeitete denselben in der Fleischhackmaschine unter Zusatz von Wasser, Butterfarbe, Salz und etwas Butter und erhielt eine Butter, welche von süßlichem Geruch und Geschmack war und dabei nicht entfernt an Talg erinnerte. Aeußerlich, den Mangel des Butteraroma abgerechnet, war die Nachahmung eine gelungene zu nennen, aber sie verdarb rasch und setzte sich dadurch in den entschiedensten Gegensatz zu dem, was sie war und sein sollte. (Industrieblätter, 1877 S. 394.)

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