Titel: Ueber pneumatische Anlagen zur Depeschenbeförderung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 227 (S. 39–49)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj227/ar227021

Ueber pneumatische Anlagen zur Depeschenbeförderung.

Mit Abbildungen im Text und auf Tafel 5.

Wir reihen an die in diesem Journale (*1877 223 383) gegebene Beschreibung der Pariser pneumatischen Anlage einige Mittheilungen über mehrere andere derartige Anlagen.

1) Die pneumatische Depeschenleitung im Telegraphenamtsgebäude in Prag. Der Apparatsaal misst 720qm; es sind in demselben 1 Mayer'scher Apparat, 4 Hughes'sche Typendrucker und 48 Morse-Schreibapparate aufgestellt, wovon sämmtliche bis auf 5 Morse, welche als Reserve dienen, in Betrieb stehen. Da der Apparatsaal im obersten Geschosse liegt, fahrend sich zur Bequemlichkeit des telegraphirenden Publicums das Depeschen-Annahmslocal und das Expeditionsbureau im 1. Stock befinden, da ferner der Depeschenverkehr der Station sich täglich auf 600 bis 1000 aufgegebene und ebenso viel einlangende Telegramme beläuft, erschien es, um die kostspielige Beförderung dieser Depeschen 2 Stockwerke aufwärts oder abwärts durch Boten zu ersparen, zweckdienlich, |40| das Annahmslocal mit dem Apparatsaal direct mittels einer pneumatischen Depeschenleitung zu verbinden, und diese zeichnet sich durch Leistungsfähigkeit, Einfachheit und Billigkeit aus.

Der Apparat besteht der Hauptsache nach aus dem im Annahmslocale aufgestellten Roots'schen Gebläse für Handbetrieb, ferner einer doppelten Rohrleitung, welche vom Annahmsbureau bezieh. dem Expeditionslocale durch alle drei Stockwerke bis in den Apparatsaal läuft, endlich zwei Manipulationstischen mit den Auffangvorrichtungen, von welchen der eine im Expeditionsbureau, der andere aber im Apparatsaal steht. Das Expeditionsbureau liegt, wie bereits erwähnt, gleichfalls im 1. Stockwerke und zwar unmittelbar neben dem Depeschen-Annahmslocale, von welchem es nur durch eine Scheidemauer getrennt ist. Das in Fig. 1 Taf. 5 im Schnitt dargestellte Handgebläse hat die bekannte Einrichtung (vgl. 1877 225 325). Das Gehäuse ist einerseits mit dem kurzen, cylindrischen Einströmungsrohr E, andererseits mit dem Leitungsrohre D in Verbindung. Durch eine Handkurbel und Räderübersetzung wird das Gebläse in Gang gebracht; die dadurch in der Leitung D erzielbare Maximalpressung beträgt 0at,5. Die Leitungsröhre D ist in dem Gebläse in einen einfachen, ausgeriebenen Flanschenreif eingesenkt und aus drei Theilen zusammengesetzt, welche unter einander wieder mittels Flanschen luftdicht verbunden sind; sie geht durch das erste und zweite Stockwerk, sowie einen Theil des dritten Stockes vertical, verläuft aber am obern Ende bogenförmig (mit einem Radius von 8m). Unmittelbar neben der Röhre D ist die zweite Leitung angebracht, die jedoch von oben aus vertical herabläuft und das untere Ende gebogen hat. Beide Röhren haben die gleiche innere Weite von 60mm und sind aus etwa 2mm,5 dickem Messingblech hergestellt, innen fein ausgerieben, aussen schwarz lackirt und werden mittels gusseiserner Flanschenringe, welche am Fussboden des zweiten und dritten Stockwerkes befestigt sind, steif in ihrer Lage erhalten. Das unterste Stück der Leitungsröhre D hat eine stärkere Wanddicke, da in dasselbe ein Kolbenschluss eingesetzt ist; letzterer besteht aus einem messingenen Thürchen, das in Scharnieren läuft und durch das Umlegen eines beweglichen Armes bezieh. das Einklammern desselben in einen gabelförmigen Kloben dicht verschlossen werden kann. Das Thürchen passt so streng an den Fugen, dass beim ordentlichen Verschlusse die innere Röhrenwandung ganz normal hergestellt wird. Bei der Beförderung aus dem Annahmslocale in den Apparatsaal werden die betreffenden Telegrammblätter zusammengerollt in eine sogen. Bolzenkapsel gebracht. Diese Kapseln sind aus Leder oder Pappe hergestellte, etwa 200mm hohe, hohle, oben offene, unten mit einem Boden versehene Cylinder mit einem äussern Durchmesser von fast 58mm. Am Boden ist noch eine Filzscheibe vom Durchmesser der Röhre D befestigt. Ein solcher beschickter Depeschenbehälter wird nun beim Kolbenschluss in die Leitungsröhre D eingesetzt, indem man die Kapsel auf einen am untern Ende des Kolbenschlusses in der Röhre angebrachten ringförmigen Ansatz aufstellt, sodann nach dem Verschliessen des Thürchens die Kurbel des Gebläses ziemlich rasch, etwa halb, herumdreht. Die durch den erzeugten Windstoss emporgetriebene Depeschenkapsel fällt bei der Mundöffnung des Rohres D in die an dem Manipulationstisch angebrachte und aus einem durch vier aufrecht stehende Breter gebildeten Trichter und einem darin eingehängten Schnurnetze bestehende Auffangvorrichtung.

Die ganze Arbeit vom Füllen der Depeschenkapsel an bis zum Einlangen derselben im Apparatsaale bedarf eines Zeitaufwandes von höchstens 1 Minute. Da in der Kapsel 20 Stück Telegramme Platz finden, könnten bei ununterbrochener Benutzung des Apparates innerhalb 24 Stunden 28 800 aufgegebene Depeschen vom Annahmsbureau in den Apparatsaal befördert werden, also 28,8mal soviel, als bis jetzt in der Hauptstation Prag im Maximum je zur Aufgabe gelangten.

Das Anlangen einer gefüllten Depeschenkapsel markirt sich zur Erleichterung des Dienstes noch durch ein Glockensignal, indem die Kapsel beim Herausfliegen aus der Röhre an den hervorstehenden Arm einer federnd befestigten Klingel streift und dabei leztere ertönen macht. Diese Einrichtung |41| ist derzeit dahin abgeändert worden, dass das Glöckchen einfach am Fangnetze hängt und sonach durch die beim Einfallen der Kapsel hervorgerufene Erschütterung zum Läuten gebracht wird.

Die Beförderung der mit eingelangten, für die Expedition bestimmten Depeschen gefüllten Kapseln und der etwaige Rücktransport leerer Depeschencylinder geschieht mittels der vorhandenen zweiten Leitungsröhre, deren unteres gekrümmtes Ende durch die das Annahmslocal vom Expeditionsbureau trennende Scheidemauer gezogen ist. In letzterem steht unter der Rohrmündung der zweite gleichfalls mit Einfalltrichter und Fangnetz versehene Manipulationstisch. Die nach abwärts zu sendenden Kapseln werden einfach in eine kleine trichterförmige Erweiterung der Leitungsröhre eingesetzt und fallen gelassen. Ihre Ankunft meldet sich in gleicher Weise durch ein Glockensignal. Die leeren oder entleerten Kapseln werden durch eine in der Scheidemauer angebrachte Fensteröffnung in das Annahmsbureau zur Wiederbenutzung zurückgestellt.

Die zweite Rohrleitung dient übrigens im Bedarfsfälle auch als Sprachrohr zur mündlichen Verständigung zwischen den in den genannten Localen beschäftigten Beamten, obwohl zu diesem Zwecke am Apparate auch noch zwei besondere Schallrohre neben den Leitungsröhren angebracht sind.

Der vorstehend geschilderte pneumatische Apparat ist vom Ingenieur Ritter v. Felbinger construirt, von G. Sigl in Wien geliefert und kostet sammt Montirung etwa 500 fl. ö. W. Der höchste Punkt des aufsteigenden Rohres D liegt 9m,41, der Fussboden im dritten Stock aber 8,71 über dem Fussboden im 1. Stocke. (Vgl. Technische Blätter, 1877 S. 13.)

2) Die pneumatische Anlage in Wien. (Fig. 2 bis 7 Taf. 6.) Die 1874 von Felbinger und Crespin ausgeführte, seit dem 1. Januar 1875 in ungestörtem Betriebe befindliche Wiener Anlage unterscheidet sich in mehreren Punkten von der Pariser, welcher sie in Bezug auf die Circulationsmethode und die (neueren) Empfangs- und Beförderungsapparate fast ganz gleicht. Die Compressionsapparate dagegen weichen wesentlich von den Pariser ab.

Der Situationsplan Fig. 2 lässt die 10 Stationen (1 Centraktation im Telegraphencentralamte, 2 Fleischmarkt, 3 Kärnthnerring, 4 Wieden, 5 Gumpendorf, 6 Neubau, 7 Josephstadt, 8 Börse, 9 Leopoldstadt, 10 Landstrasse) sehen. Die das ganze Netz in zwei fast gleiche Theile zerlegenden Hauptstationen 1 und 5 sind Maschinenstationen. In jeder steht eine Dampfmaschine mit 2 gekuppelten Cylindern, welche 4 Pumpen in Gang setzen, von denen zwei die Luft aus 2 Behältern auspumpen, während die beiden andern die Luft in zwei anderen, parallel oder quer unter den ersteren liegenden Behältern verdichten. Station 2 enthält auch 2 Verdichtungs- und 2 Verdünnungsbehälter, welche mit denen der Centralstation durch zwei besondere Rohre in beständiger Verbindung stehen; diese Station hat zum Empfangen und Absenden zwei (End-) Apparate und daneben zwei gleiche für die nach 9 und 10 führenden Rohre. In den Zwischenstationen 3, 4, 6 und 7 münden 2 Rohre, und sie haben deshalb zwei (Zwischen-) Apparate zum Empfangen und Absenden. Die ausserhalb des Kreislaufes liegenden Endstationen 8, 9 und 10 haben nur einen einfachen Empfangsapparat; in ihnen mündet blos ein Rohr.

Die Schmiedeisenrohre sind 5m lang und 65mm weit; sie liegen |42| etwa 1m tief im Boden. Die Depeschenbüchsen sind aus Schmiedeisen, mit Leder überzogen und sonst den Pariser ähnlich. Jeder Zug besteht aus höchstens 8 Büchsen; jede Station befördert in der Kegel nur eine Büchse.

Die Anlage dient nicht blos zur Beförderung von Telegrammen, sondern auch von Briefen, welche nicht schwerer als 10k sein dürfen, von der Verwaltung für je 20 Kreuzer und unversiegelt bestellt werden. Alle 15 Minuten geht ein Zug, ganz ähnlich wie in Paris. Während aber in Paris der Druck nur 0k,67 ist, beträgt er in den Wiener Behältern 1k,97 auf 1qc: zwei Drittel der Entfernung zwischen zwei Stationen wird mit Volldruck, das dritte mit Expansion zurückgelegt, und man hat im Mittel einen Druck von 1k,58 auf 1qc. Die Figur 3 zeigt die Geschwindigkeitsänderungen und die Zeiten, welche ein Zug zum Durchlaufen von 1600m durch Druck (punktirte Linien) oder Verdünnung (ausgezogene Linien) braucht.

Der Hauptkreislauf ist 8832m und wird vom Zuge in der Regel, den Aufenthalt auf den Stationen eingerechnet, in 10 Minuten durchlaufen. Die Züge in den Zweigrohren nach 8, 9 und 10 verkehren in der Zwischenzeit zwischen zwei Zügen des Hauptkreises.

Die Pumpen in der Centrale haben 450mm lichten Durchmesser, 850mm Hub und machen 40 Spiele in der Minute; die in Station 5 machen ebensoviel Spiele, haben aber nur 350mm Cylinderdurchmesser und 600mm Hub. Die Maschinen arbeiten ohne Condensation und mit variabler Expansion: die Maschine in Station 1 mit 9k Druck liefert 15e; die in 5 mit 5k leistet 9c. Auf beiden Stationen sind Maschine und Pumpen doppelt vorhanden, um während etwa nöthiger Reparaturen ununterbrochenen Betrieb zu sichern. Die Triebwelle der Dampfmaschine macht 60 Umdrehungen in der Minute; auf ihr sitzt das Schwungrad und 2 gusseiserne Räder mit 78 Zähnen, welche in 2 Räder mit 117 Holzzähnen auf den beiden die Verlängerung von einander bildenden Pumpenwellen eingreifen, die deshalb 40 Umdrehungen machen. Am Ende jeder Pumpenwelle steht, neben einander, eine Verdichtungspumpe P' und eine Verdünnungspumpe P (Fig. 4 und 5) auf einem pyramidalen, im Grundriss rechteckigen Gusseisengestell, welches zugleich die Führung d für die Gleitstücke e an den Enden der Stangen der Kolben E und E' bildet. Nach Fig. 6 liegt im Grunde der Bahn, worin sich das Gleitstück bewegt, eine Kupferplatte und die durch die Eisenschienen e' gehaltenen Kupferstreifen bilden die beiden Seiten zu einer vollkommenen Führung für das Gleitstück. Fig. 7 zeigt, wie die beiden Zugstangen F und F' für die Pumpenkolben an demselben Zapfen m der Kurbel M befestigt sind. Die Maschinenwelle, worauf die Kurbel M sitzt, liegt im Grundriss Fig. 5 mitten zwischen den Achsen der beiden Cylinder P und P', deren Entfernung von einander so bemessen ist, dass die beiden Zugstangen während eines Umlaufes symmetrisch um die Achse jedes Cylinders |43| schwingen. Bei dieser Art der Kupplung bewegen sich die beiden Kolben in gleichem Sinne, und wenn die beiden gekuppelten Pumpen gleiche Arbeit zu liefern hätten, so würden sie die Triebkraft in derselben Zeit und unter denselben Bedingungen in Anspruch nehmen müssen; dem ist jedoch nicht so. Es sind nämlich, wie man aus Fig. 4 und 5 sieht, die beiden Pumpen einfach wirkend; während also der verdünnende Kolben E der Pumpe P emporgeht, verrichtet er keine Arbeit; die über ihm befindliche Luft geht durch die Klappen f und entweicht am untern Ende des Cylinders, welcher hier durchbrochen und mit einem einfachen Rost versehen ist. Der Kolben E' dagegen verrichtet seine Verdichtungsarbeit, indem er die über ihm befindliche Luft durch die Klappe g' hindurchzwängt. Beim Niedergehen saugt E die Luft aus der ringförmigen Klappe f und E' lässt die unter ihm befindliche Luft durch die Klappe g hindurchgehen. Somit vertheilen sich die Leistungen, und da zugleich die Kurbeln der beiden Dampfmaschinen um 90° gegen einander verstellt sind, so erhält man eine regelmässigere Verdichtung und Verdünnung.

Der Fassungsraum der 12 Luftbehälter (in 1, 2 und 5) ist dreimal so gross als derjenige der ganzen Linie; der Druck sinkt also jedesmal nur um ⅓. Die 6 Behälter für die Verdünnung fassen 90, die 6 Verdichtungsbehälter 116cbm. Die Rohre, worin die Luft zu verdünnen ist, stehen in beständiger Verbindung mit den Verdünnungsbehältern und bilden sozusagen einen Theil derselben. An ihrem Ende sind sie durch Schieber verschlossen, welche sie plötzlich so weit zu öffnen gestatten, dass der Zug durch kann, und mittels deren sie wieder geschlossen werden, wenn der Zug am Orte seiner Bestimmung angekommen ist. In ihnen läuft der Zug sehr rasch, weil er nur einen sehr schwachen Gegendruck vor sich hat und die ihm folgende Luft sich nur an der jedesmal hinter dem Zuge liegenden Linienstrecke reibt, welche im Mittel nur die halbe Linienlänge besitzt. Deshalb und wegen des Ueberdruckes in den Behältern, bewegen sich die Züge mit mehr als 20m Geschwindigkeit in der Secunde.

Die Länge der Verbindungsrohre zwischen den Pumpen und den 12 Luftbehältern beträgt 2457m,80, wovon 251m,80 aus Gusseisen sind mit 65mm lichtem Durchmesser.

Der Abgang jedes Zuges wird von Station zu Station durch einen elektrischen Telegraphen gemeldet. Bei seiner Annäherung an die nächste Station wird in dieser der freie Austritt der Luft vor dem Zuge abgeschnitten und so seine Geschwindigkeit vermindert. Von Station 1 nach 2 treibt die verdichtete Luft in 1 den Zug; von 2 bis 3 und 4 die verdichtete Luft in 2: von 4 nach 5 saugt ihn die verdünnte in 5; von 5 bis 7 treibt ihn die verdichtete in 5, von 7 nach 1 saugt ihn die verdünnte in 1; nach 8, 9 und 10 wird er hinwärts getrieben, herwärts gesaugt. Im Falle einer Unterbrechung kann man mittels der sowohl |44| auf der Linie, wie in den Stationen angebrachten Hähne und Klappen doch den Zug in etwas abweichender Weise durch Blasen oder Saugen befördern. Die Apparate wurden schon früher (1877 223 391) beschrieben.

3) Die pneumatische Anlage in Berlin 1) (Holzschnitt und Fig. 8 bis 15 Taf. 5) wurde im December 1875 beschlossen, im Laufe des Jahres 1876 (in 8 Monaten) ausgeführt und am 1. December 1876 eröffnet. Sie enthält nach beigedrucktem Plane zwei Kreise, welche durch eine doppelte Linie zwischen den Stationen 1 und 8 (Centrale und Börse) in Verbindung gesetzt sind.

Textabbildung Bd. 237, S. 44

Im Südnetze sind 3 und 5 (Ritterstrasse und Mauerstrasse) die beiden Maschinenstationen, im Nordnetze Station 9 in der Oranienburger-Strasse und Station A in der Pallisadenstrasse, ausserhalb des Netzes. Die Centrale 1 liegt in der Französischen Strasse, 885m,10 davon Station 2 in der Seydelstrasse, und 1340m,80 weiter 3 in der Ritterstrasse; diese Station hat 2 Kessel mit 34qm Heizfläche und eine Dampfmaschine mit zwei gekuppelten Cylindern mit 264mm Kolbendurchmesser und 528mm Hub. Diese Maschine treibt zwei Gruppen von Pumpen mit zwei parallelen verticalen Cylindern (vgl. Fig. 4), von 400mm lichtem Durchmesser und 660mm Hub. Diese Pumpen verdünnen die Luft in zwei Behältern von je 13 und verdichten sie in 2 Behältern von je 10cbm Fassungsraum. Die 2 Kühler haben je 9qm,75 Kühlfläche. Von 3 nach 4 (Neuenburger-Strasse) führt ein Rohr von 1512m,50 Länge, von da nach 5 ein Rohr von 1671m,20. Hier stehen |45| 2 Kessel von je 57qm Heizfläche, eine zweicylindrige Maschine mit 316mm Kolbendurchmesser und 632mm Hub, vier Pumpen von 500mm Kolbendurchmesser und 860mm Hub, ein Behälter für verdichtete Luft von 15 und einer für verdünnte Luft ebenfalls von 15cbm Inhalt, 2 Kühler mit je 22qm Kühlfläche. Von 5 führt eine Leitung von 1116m,40 Länge nach 6 (Potsdamer-Thor) und noch zwei andere Rohre, von denen das eine die verdichtete Luft in drei dort befindliche Behälter von 13cbm Inhalt leitet, während das andere von den Verdünnungsbehältern in 5 nach den Apparaten in 6 geht. Das Rohr von 6 bis 7 (Brandenburger-Thor) hat 775m,50 Länge und von 7 schliesst den Kreislauf nach 1 ein 1490m,50 langes Rohr.

Das Nordnetz erreicht von 1 aus durch ein 1926m,90 langes (doppeltes) Rohr die (963m,45 entfernte) Börse (8) in der Neuen Friedrichsstrasse und setzt sich (doppelt) 1871m,50 bis zur (936m entfernten) Station 9 (Oranienburger-Strasse) fort, wo sich 2 Kessel von je 57qm Heizfläche, 2 zweicylindrige Maschinen von 316mm Kolbendurchmesser und 632mm Hub, vier zu je zweien gekuppelte Pumpen von 500mm Kolbendurchmesser und 860mm Hub, endlich 2 Behälter für verdichtete Luft von je 20 und zwei für verdünnte von je 13cbm Fassungsraum und 2 Kühler mit je 22qm Kühlfläche befinden. Von 9 bis 10 (Lothringer-Trasse) ist 1096m,40, von da bis 11 (Neue Königsstrasse) 1232m,50. Hier sind zwei Behälter für verdichtete Luft von 18cbm Fassung, die von Station A gespeist werden, welche 1089m,40 ausserhalb des Kreises in der 1 Pallisadenstrasse liegt, 2 Kessel von 34qm Heizfläche, eine doppelte Dampfmaschine von 264mm Kolbendurchmesser und 528mm Hub, 4 Pumpen von 400mm Durchmesser und 660mm Hub. nur 2 Behälter für verdünnte Luft von je 18cbm Fassung, endlich 2 Kühler zu je 9qm,75 Kühlfläche enthält. Von 11 geht ein 1219m,90 langes Rohr nach der Hauptstation 12 in der Spandauerstrasse und von da ein das Nordnetz sehliessendes 538m,60 langes Rohr nach 8 und ein zweites, zum ersten paralleles Rohr zurück nach 1. Ausserhalb der beiden Netze liegen Station 13 in der Genthiner-Strasse, 2040m,80 von 6, 14 in der Chausseestrasse, 1121m,50 von 9, und 15 in der Wallnertheater-Strasse, 1699m,80 von 11. Die schmiedeisernen Rohre haben 65mm lichte Weite und 74mm äussern Durchmesser.2)

Die Kolben der Pumpen in den 4 Hauptstationen haben keine Klappen, sondern sind massiv, damit die Erwärmung der Luft vermieden werde, und es wird die Luft stets ausserhalb der Gebäude entnommen, weil die Einführung feuchter Luft in der Winterkälte Berlins schädliche Condensationen im Gefolge haben würde. Die verdichtete |46| Luft streicht durch Abkühlungsapparate und kommt so kalt in die Behälter, welche zu einer dreimaligen Füllung der Röhren ausreichen.

Die Apparate sind nach einem neueren Patente von Fr. v. Felbinger und Arthur Crespin in der Werkstätte von Crespin und Marteau in Paris gebaut. Die Apparate einer End- oder Kopfstation sind in Fig. 8 bis 10 abgebildet. In Fig. 11 und 12 ist der Apparat einer Zwischenstation dargestellt. Fig. 13 und 14 zeigen die Details eines Schiebers am Eintritt des Linienrohres im Längs- und Querschnitt; Fig. 15 endlich lässt im Schnitt die Verschlussvorrichtung einer Beförderungsbüchse sehen. Die Endstation hat zwei Empfangs- und Beförderungsbüchsen auf gemeinschaftlichem Gestell. Die Apparate sollten eine sehr grosse Anzahl von Depeschen gleichzeitig und mit grösster Geschwindigkeit befördern; sie weichen daher wesentlich von der Wiener Construction ab.

Das durchbrochene verticale Gestell A von rechteckiger Form ist mit seinen Füssen auf den gusseisernen Rahmen C aufgeschraubt, der zugleich mit den beiden seitlichen Rahmen C und gerieften Gusseisenplatten den Fussboden bildet, welcher den Graben, worin die Leitungsrohre liegen, überdeckt. Das Gestell enthält bei den doppelten Apparaten zwei horizontale Leitungen a, an welche sich an den Enden die Wechselhähne R und die Beförderungshähne R' anschliessen. Der Tisch darüber ist auf jeder Seite durch gusseiserne Consolen c vergrössert, auf welchen die hölzernen Tischblätter (aus Acajou) befestigt sind, worauf die Depeschen zu liegen kommen; in der Mitte aber befinden sich die beiden bronzenen Empfangskammern B, die inwendig mit Kautschuk ausgekleidet sind. Diese Kammern sind sehr gross und jede ist durch eine grosse Thür verschlossen, durch welche man mit beiden Händen die Depeschenbüchsen herausnehmen kann. Die Befestigung der Thür ist in Fig. 10 bis 12 zu sehen; der luftdichte Schluss wird durch eine Kautschukeinlage und Scharnierverschluss mit Schraube b' erzielt. Der völlig offene obere Theil von B ist mit Flanschen versehen und nimmt den ebenfalls bronzenen Deckel B' auf, welcher die Verbindung zwischen B und dem Leitungsrohr T herstellt, sofern nicht die Klappe d, welche in einer angegossenen Büchse liegt, geschlossen ist; die Bewegung dieser Klappe vermittelt ein Zahnsector beim Umdrehen der Kurbel d'. Der Deckel B' trägt auch das Manometer D, welches durch das Röhrchen D' mit der Linie in Verbindung steht; letzteres tritt in das an den Deckel angegossene Flanschenrohr ein, welches zugleich das Rohr a' aufnimmt, das mittels eines Dreiweghahnes (des Anlasshahnes) r die Verbindung zwischen dem Flanschenrohre und der Leitung a herstellt. Zwischen dem Flanschenrohre und dem Leitungsrohre T liegt noch die Absendungsbüchse E, deren Deckel (Einlegeklappe) e (Fig. 15) mittels eines krückenförmigen Griffes aufgehoben werden kann, als Verschluss eine Einlage und einen Verschlussbügel mit Scharnier und Schraube e' besitzt.

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Die bronzenen Hähne R und R' sind Dreiweghähne und werden unabhängig von einander durch einen in eine Sehraube ohne Ende eingreifenden Zahnseetor f bewegt; auf den Schrauben, die von Consolen c getragen werden, sitzen die Kurbeln F. Der Wechselhahn R setzt je nach seiner Stellung entweder V und das die verdichtete Luft zuführende Rohr T2 oder T'' und das nach dem Verdünnungsbehälter führende Rohr T3 mit der Leitung et in Verbindung. Da diese nun bei der Stellung des Hahnes R' durch U mit dem Leitungsrohre T in Verbindung steht, so Kann man in T nach Belieben je nach der Stellung von R Luft einpressen oder aussaugen. Der Beförderungshahn R' als Dreiweghahn, kann aber auch alle Verbindungen absperren oder auch die Oeffnung gegen das nach der freien Luft führende Rohr U stellen, um entweder die Linie luftleer zu machen, oder um die Luft eintreten zu lassen. Das kleine gekrümmte und mit einem Hahne (dem Bufferhahn) r' versehene Rohr stellt eine Verbindung zwischen der Büchse B und der Linie her oder unterbricht sie. Das Rohr U schliesst sich unten an die mit Löchern versehene Austrittbüchse L des Rohres T an. Mittels des Schiebers M (vgl. Fig. 13 und 14) endlich lässt sich jede Verbindung zwischen Linie und Apparat unterbrechen; in diesem liegt die Scheibe m auf einem Kautschukringe und lässt sich mittels der in einem Handgriffe n endenden Stange M'm' bewegen.

Der Apparat einer Zwischenstation besitzt keinen Wechselhahn, an dessen Stelle aber ein U-förmig gekrümmtes Rohr a2 (Fig. 11 und 12), welches nach einem daneben stehenden Apparate führt und entweder die verdichtete Luft der ersten Linie in den zweiten Apparat leitet oder die Luftverdünnung dahin fortpflanzt, demnach ein Empfangen oder ein Absenden ermöglicht wie bei einem Endapparate.

Wird ein kommender, durch verdichtete Luft getriebener Zug angemeldet, so öffnet der Beamte den Schieber M und die Klappe d; der Wechselhahn R ist geschlossen und der Beförderungshahn R' setzt U mit U' in Verbindung; sowie der Zug die Büchse L überschreitet, wird er nicht mehr vorwärts getrieben, weil die verdichtete Luft durch die Löcher in L nach U, U' und t entweicht; blos seiner Trägheit folgend, bleibt er bald stehen, besonders wenn der ihn erwartende Beamte mittels R' den Ausgang durch U' verschlossen hat; in die Büchse B lässt man ihn dann eintreten, indem man mittels des kleinen Hahnes r der verdichteten Luft einen Ausweg ins Freie eröffnet; da aber a' sehr eng ist, so tritt der Zug so langsam, wie man es will, in die Büchse.

Bei der Abfahrt schliesst man erst die Klappe d, um in der Büchse B keinen Druck zu erhalten; dann führt man die Depeschenbüchsen bei E ein und zuletzt den Kolben. Sowie man mittels des Hähnchens r verdichtete Luft aus T2 durch T', R, a und a' hinter den Kolben lässt, setzt sich der Zug in Bewegung; R' ist dabei geschlossen, bis der Zug |48| an der Büchse L vorbei ist: dann wird er geöffnet und bleibt es, bis der Zug am Ziele angekommen ist.

Will man durch Luftverdünnung einen Zug heransaugen, so setzt man durch R die Leitung a durch T'' und T3 mit dem luftverdünnten Raume in Verbindung; der Schieber M im absendenden Apparate ist geschlossen und die Luft in der Linie wird verdünnt, da man R' so stellt, dass a mit U verbunden ist; darauf öffnet die absendende Station den Schieber M, dreht, wenn der Zug über L hinaus ist, R' so, dass die atmosphärische Luft von aussen durch U in die Linie tritt und den Zug bis zur empfangenden Station treibt; bei der Ankunft daselbst tritt die atmosphärische Luft durch R' auf die Vorderseite des Zuges, und so kommt der leztere zum Stehen; durch den kleinen Hahn r stellt man dann vor dem Zuge wieder eine Luftverdünnung her, damit der Zug langsam nach B emporsteigt.

Die mittlere Geschwindigkeit in der Linie beträgt 30m in der Secunde.3)

An allen tiefen Punkten der Linie sind Heber angebracht, mittels deren man das etwa dort sich ansammelnde Wasser entfernt.

Die Telegramme, Briefe und Rohrpostkarten (bis je 20) werden in Büchsen aus getriebenem Eisenblech eingelegt, welche durch übergegeschobene Lederhülsen von 62mm äussern Durchmesser geschlossen werden. Jede Büchse hat 150mm Gesammtlänge. In der Regel bilden 10 bis 15 Büchsen einen Zug. Die letzte Büchse jedes Zuges ist behufs möglichst dichten Anschlusses an die Rohrwandungen mit einer aufgeschraubten, aus einer Lederscheibe hergestellten Manschette versehen.

Um Unterbrechungen des Betriebes zu verhüten, ist die Anlage der 4 Maschinenstationen so getroffen, dass immer nur 1 Kessel und 1 Maschine mit ihren Luftpumpen in Thätigkeit zu sein brauchen. Die Luftbehälter sind aus starkem Eisenblech und haben nahezu 4mal so viel Inhalt wie die sämmtlichen (nahezu 26km langen) Röhren; sie haben zwischen 1,7 und 2m,0 Durchmesser bei 4,5 bis 7m,0 Länge.

Bei 15 Büchsen mit je 20 Sendungen fasst ein Zug 300 Sendungen; bei 13stündiger Arbeit (52 Züge) könnten 15600 Briefe täglich – von 8 (im Sommer von 7) Uhr Morgens bis 9 Uhr Abends – befördert werden. Bei vollständiger Ausnutzung und der Annahme, dass die Hälfte der Sendungen aus einem Kreise in den andern übergehen, könnten also beide Kreise zusammen über 23000 Briefe befördern. Ein Rohrpostbrief kostet 30, eine Rohrpostkarte 25 Pf. Porto, weniger als bisher die Stadttelegramme kosteten. Die Gesammtauslagen der Rohrpost belaufen sich einschlieslich der Maschinen und Gebäude auf etwa 1250000 M.

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Die Dampfmaschinen, Pumpen und Kessel lieferte G. Sigl.

Die Linie ist aus 4m langen Rohrstücken gebildet, mit Flanschen; eine Flansche hat einen vorspringenden Centrirungsring, die andere eine entsprechende Nuth, damit ein Hineindrängen des Kautschuk-Dichtungsringes in das Rohrinnere beim Anziehen der Schrauben verhütet wird und jedes folgende Rohrstück genau die Verlängerung des vorhergehenden bildet. Die Krümmungen in der Linie haben den Minimalradius von 8m; die in den Apparaten nur 0m,8; diese scharf gekrümmten Stücke sind aus gezogenem Messingrohr. In Abständen von je 300m sind in den Strassen Revisionsschachte angebracht.

Der Ueberdruck der verdichteten Luft beträgt bis 2at.

Als Abkühler dienen stehende Blechcylinder, welche mit Röhren durchzogen sind, die vom Wasser umspült werden. Das Condensationswasser wird von Zeit zu Zeit abgelassen.

(Schluss folgt.)

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Ueber ältere Anlagen in Berlin vergleiche die Zeitschrift des deutschösterreichischen Telegraphenvereines, 1866 Bd. 13 S 90. D. Ref.

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Die officiell angegebenen Entfernungen weichen von den vorstehenden mehrfach ab. – Eine 16. Station wurde am 29. Januar 1877 auf der Zimmerstrasse eröffnet. Andere Erweiterungen der Anlage stehen in Aussicht.

D. Ref.

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Nach officieller Angabe durchschnittlich 1000m in der Minute; einschliesslich des Aufenthaltes in den Aemtern braucht jeder Zug in einem der beiden Kreise ungefähr 20 Minuten. In jedem Kreise wird regelmässig alle 15 Minuten ein Zug von Station 1 aus abgelassen, immer in derselben Richtung. D. Ref.

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