Titel: H. Simon, über Chaudron's Schachtabteufen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1878, Band 228 (S. 126–129)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj228/ar228044

Chaudron's Schachtabteufen ohne Pumpen in wasserreichem Gebirge.

Mit Abbildungen auf Tafel 7.

Diese Bohrmethode (1861 160 11) hat ihre Vorzüge beim Durchteufen wasserreicher Schichten derart bewährt, daſs in der jüngsten Zeit immer mehr Schächte nach diesem Verfahren niedergebracht werden. Wir entnehmen einem ausführlichen, interessanten Vortrage von H. Simon, gehalten im Iron and Steel Institute (vgl. Journal, 1877 Bd. 1 S. 187), folgende Mittheilungen und die bezüglichen Figuren 8 bis 15 Taf. 7.

Das Eigenthümliche des Chaudron'schen Verfahrens besteht im Wesentlichen darin, daſs das Niederbringen des Schachtes nur von Tage aus geschieht und kein Arbeiter in denselben hinabsteigt, bevor derselbe vollständig ausgekleidet und trocken ist. Die ganze Arbeit erfolgt unter Wasser, dessen reichliche Anwesenheit sogar eine Bedingung |127| zum Gelingen und zur ökonomisch durchführbaren Anwendung des Verfahrens ist.

Die ganze Operation zerfällt in 5 Arbeitsabschnitte: 1) Vorbereitungsarbeiten, 2) Abteufen des Schachtes durch Bohren, 3) Einbringen der Verrohrung und Absperren des verrohrten Raumes gegen die wasserführenden Schichten, 4) Cementiren des Zwischenraumes zwischen Schacht- und Rohrwandung, endlich 5) Ausholen des falschen Schachtbodens im zweituntersten Ringstücke.

Uebergehen wir die Vorbereitungsarbeiten, die nicht wesentlich von den überhaupt üblichen abweichen und wenden wir uns gleich zum Abbohren. Es wird zuerst ein kleineres Bohrloch 5 bis 6m tief niedergebracht, bevor der groſse Bohrer, dessen Durchmesser etwas gröſser ist als der des beabsichtigten Schachtquerschnittes, eingesetzt wird. Sein Gewicht beträgt ungefähr 20t, während der Vorbohrer 7 bis 8t wiegt. Die Construction der Bohrer und die Anordnung der Bohrschneiden ist aus Fig. 8 bis 12 ersichtlich. Auſser der Führung, die direct über der Bohrschneide angebracht, ist keine weitere erforderlich, da das groſse Gewicht des Bohrers sein genau senkrechtes Niedergehen bewirkt. Aller Bohrschmand fällt in den kleinen vorgebohrten Schacht und wird aus diesem mit einem Cylinderlöffel von 5cbm Inhalt entfernt. Sollten beim Abbohren Triebsandschichten durchsenkt werden müssen, so werden provisorische Verrohrungen aus Kesselblech eingesetzt. Die tägliche Leistung des Apparates beträgt durchschnittlich 0,60 bis 1m,20 Vorrücken bei einem Schachtdurchmesser von 4m,50. Es sind dabei 15 Arbeiter in der 12stündigen Schicht beschäftigt.

Ist der Schacht so bis auf die bestimmte Tiefe niedergebracht, wobei der Druck des Wassers einem Zusammengehen und Abbröckeln der Schachtwandung entgegenwirkt, so wird zum Einsetzen der Verrohrung geschritten. Diese Rohre bestehen aus starken guſseisernen Cylindern in einem Stücke, unten und oben mit nach innen gekehrten Verbindungsflanschen versehen, nebst einer Verstärkungsrippe in der halben Cylinderhöhe (Fig. 13). Diese Ringstücke sind 1m,50 hoch, ihr Durchmesser entspricht der lichten Weite des Schachtes, ihre Stärke der höheren oder tieferen Lage im Schachte. Jeder Ring wiegt bis zu 12t und wird vor dem Einbringen mittels hydraulischen Druckes auf seine Widerstandsfähigkeit geprüft. Die Verbindung der Ringe mit einander geschieht durch Schrauben, wobei zuvor eine Blei- oder Zinnfolie zwischen die Flanschen gelegt wird. Man sieht aus diesen Angaben, daſs das Gesammtgewicht der Verrohrung 1000t und noch mehr betragen kann. Es ist nun das besondere Verdienst der neuen Methode, diese bedeutenden Gewichte ohne weitere maschinelle Vorrichtungen bequem und leicht handhaben zu können. Es geschieht dies auf folgende Weise. In den nächstuntersten Ring ist ein wasserdichter Boden (Fig. 13) eingesetzt und in diesen eine Röhre mit Hähnen. Sind letztere |128| geschlossen, so schwimmt der Ring in dem Schachtwasser, welches sich in der Mittelröhre und in dem ringförmigen Raum zwischen Rohrund Schachtwandung wie in communicirenden Röhren ins Gleichgewicht stellt. Wird nun ein zweiter Ring aufgesetzt und zugleich die Mittelröhre verlängert, so bleibt auch dieser im Gleichgewicht, bis durch Oeffnen der Hähne so viel Wasser in den innern Raum gelassen wird, als genügt, um das nöthige Uebergewicht zum weitern Einsinken zu erhalten. Natürlich müssen dabei jedesmal die Hähne des einsinkenden Rohrstückes zuvor geschlossen werden. Das Niedergehen der Verrohrung erfolgt dabei ohne weitere Führung genau senkrecht. Die Mittelröhre gestattet zugleich das Einbringen eines Werkzeuges, um den Schachtboden vor dem Aufsetzen der Ringe, behufs genauen Anschlusses vollständig von Schutt und Trümmern zu reinigen. Dieser Anschluſs wird folgendermaſsen bewirkt. Innerhalb des untersten Ringes ist ein kleinerer Ring lose aufgehängt und der so entstandene Zwischenraum mit Moos oder anderem Dichtungsmaterial angefüllt. Sinkt nun die Verrohrung nieder, so schiebt sich der unterste Ring über den inneren kleineren, preſst das Moos, wie in einer Stopfbüchse, zusammen und bewirkt so einen ganz vollkommenen Abschluſs.

Ist dies erreicht, so schreitet man zum Cementiren des Raumes zwischen Rohr- und Schachtwandung. Man bedient sich dazu eines dem ringförmigen Raum entsprechend gekrümmten und genügend groſsen Löffels (Fig. 14 und 15) von etwa 0cbm,34 und mehr Inhalt. Derselbe besteht aus einer Holzbüchse, in welche eine Art Kolben aus Eisen eingesetzt werden kann; dieser Kolben bildet unten den Abschluſs der Büchse und hängt an seiner Deckplatte nur mittels zweier Eisenstäbe. Holzbüchse und Kolben sind je an einem Seile befestigt. Nachdem die Holzbüchse, bei eingesetztem Kolben, mit Cement gefüllt ist, wird sie in den Schacht herabgelassen und vor Ort ohne Kolben heraufgezogen, so daſs der Cement über die untere Kolbenplatte frei ausflieſst. Man erreicht dadurch eine gleichmäſsige Vertheilung des Cementes und vermeidet sein zu frühes Festwerden, wozu allerdings auch seine Zusammensetzung sorgfältig gewählt werden muſs.

Nach dem Festwerden des Cementes, pumpt man das Wasser aus dem Schachte, und holt darauf die mittlere Rohrleitung und den falschen Boden aus. Sollte es nothwendig sein, so läſst sich unter der Stopfbüchse, um eine ganz vollkommene Dichtung zu bewirken, noch ein Pfahlkranz einbringen, welcher untermauert werden kann. – Ein weiteres Abteufen des Schachtes in trockenen Schichten geht dann nach gewöhnlicher Weise vor sich.

Unter den vielen Schächten (42 Stück), die nach Chaudron's Methode in Frankreich, Belgien, Deutschland und England abgeteuft wurden, sind wohl die der Huntington Colliery Company in Cannock (Staffordshire, England), welche noch in der Herstellung begriffen, die |129| gröſsten (4m,57 Durchmesser). Man sah sich sogar genöthigt, der Unmöglichkeit wegen so groſse Gewichtsmengen zu transportiren, das Gieſsen der eisernen Ringstücke an Ort und Stelle vorzunehmen. In keinem einzigen Falle ist bis jetzt das Abteufen fehlgeschlagen; es hat sich vielmehr herausgestellt, daſs das Niederbringen von Schächten an Stellen möglich wurde, an denen es durch andere Methoden ganz unthunlich war. Freilich setzt das Verfahren, wie bereits bemerkt, das Vorhandensein groſser Wassermengen voraus, und dürfte es sich daher empfehlen, zuvor durch kleinere Bohrlöcher das Gebirge zu untersuchen.

Ueber die durchschnittlichen Kosten des Abteufens nach dieser Methode läſst sich bei der groſsen Mannigfaltigkeit der localen Bedingungen nichts genaues mittheilen. Nach den vorliegenden Angaben schwanken dieselben von 1380 bis 2500 M. das Meter, wobei allerdings der Preis der Maschinen und Bohrapparate mit einbegriffen ist.

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